Falsche Gerüchte über Ukraine: Kein EU-Geld für Luxusyacht


Screenshot: Posting von Maximilian Krah bei X

Screenshot: Posting zur angeblichen Ukraine-Yacht von Maximilian Krah bei X.


Rund 90 Milliarden Euro Finanzhilfen hat die EU Ende April für die Ukraine freigegeben. Das Geld sei „gut in Kiew angekommen“, schreibt der AfD-Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah bei X. Denn: Die Ehefrau des ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow sei nun Eigentümerin der Luxusyacht „Vertige“ zum Preis von 26 Millionen Euro, behauptet Krah – „Danke, Merz!“

Unter seinen Text postet Krah ein Bild, auf dem Fedorow seine Ehefrau Anastasia in den Arm nimmt – hinter ihnen dümpelt die Yacht auf türkisblauem Wasser. Die Botschaft: Internationale Finanzhilfen für die Ukraine würden von der korrupten Regierung für eigene Belange zweckentfremdet. Allein Krahs Posting bei X wurde fast 300.000-mal angezeigt.

Ähnliche Postings kursieren in verschiedenen anderen Sprachen in Sozialen Netzwerken, unter anderem auf Englisch, Französisch, Tschechisch und Polnisch. Was ist dran an der Behauptung? Woher stammt die Nachricht? ZDFheute mit einem Faktencheck.

Luxusyacht wurde bisher nicht verkauft

Erstmals kam die Geschichte Ende April in Russland auf, zunächst in Sozialen Medien, dann in russischen Staatsmedien, unter anderem den Nachrichtenagenturen Tass und Ria Novosti. Teilweise wurde als vermeintlicher Beweis ein Zertifikat französischer Behörden gezeigt, in dem Fedorowas Name genannt wird. Das soll den Kauf der Yacht belegen.

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Doch die Behauptung ist offenbar frei erfunden. Die Luxusyacht „Vertige“ existiert zwar – sie steht aber seit mindestens einem Jahr zum Verkauf, für derzeit 24,5 Millionen Euro. Gleich mehrere Webseiten bieten sie zum Kauf an, etwa boatinternational.com oder yachtbuyer.com. Eine Anzeige von ocenindependence.com steht mindestens seit Mai 2025 im Netz. Der Anbieter pelagiayachting.com bestätigte gegenüber ZDFheute, dass die Vertige auch aktuell noch zum Verkauf stehe. Gerüchte, die Frau des ukrainischen Verteidigungsministers hätte die Yacht erworben, seien falsch.

Angebliches Zertifikat ist eine Fälschung

Schiffsdatenbanken nennen als Eigentümer das Unternehmen Centralease, der Yacht-Dienstleister „SAS Just For Yacht“ verwaltet das Schiff. Beide Firmen haben ihren Sitz in Frankreich, es gibt keine Hinweise auf eine Verbindung zur Ukraine.

Das Zertifikat, das in etlichen Postings als vermeintlicher Beweis angeführt wird, ist offenbar eine Fälschung: Laut einer staatlichen französischen Datenbank, mit der sich solche Zertifikate überprüfen lassen, ist die Nummer in dem Dokument ungültig.

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Foto offenbar mit KI generiert

Doch was ist mit dem Foto, das unter anderem Krah gepostet hat? Das Bild zeigt tatsächlich den ukrainischen Verteidigungsminister Fedorow und seine Frau Anastasia. Doch es ist eine Fotomontage: Das Bild des Paares selbst stammt aus dem Jahr 2024, es wurde von mehreren Medien verwendet, unter anderem für die Berichterstattung über den Geburtstag von Anastasia Fedorowa. Die Yacht hinter den beiden wurde nachträglich hinzugefügt, vermutlich mit KI: Eine Analyse des KI-Detection-Tools „Hive“ zeigt Hinweise, dass das Bild mit Grok Imagine erstellt wurde, der Bildgenerierungsfunktion von Elon Musks KI Grok.

Auf eine ZDFheute-Anfrage reagierte Krah bislang nicht, der Post steht weiterhin online.

Screenshot: Eine Analyse des KI-Detection-Tools "Hive" ergibt Hinweise, dass das Bild mit Hilfe der KI Grok erstellt wurde

Screenshot: Eine Analyse des KI-Detection-Tools „Hive“ ergibt Hinweise, dass das Bild mit Hilfe der KI Grok erstellt wurde


Offenbar Desinformationskampagne aus Russland

Sowohl die Machart als auch die Verbreitungswege des Fakes weisen auf eine gezielte russische Desinformationskampagne hin: Die Nachricht wurde massenhaft von einschlägigen prorussischen Accounts in Sozialen Medien geteilt – unter anderem von der Bloggerin Alina Lipp, die seit Jahren russische Propaganda verbreitet und darum bereits von der EU sanktioniert wurde.

Ähnliche Stories wurden in der Vergangenheit immer wieder verbreitet: Seit Jahren tauchen im Netz regelmäßig angebliche Nachrichtenportale auf, die solche Fake News verbreiten, Spuren konnten immer wieder nach Russland zurückverfolgt werden.

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Julia Smirnova vom Institut Cemas in Berlin ist Expertin für russische Desinformation und Propaganda. Sie sagt ZDFheute: „Das Narrativ, die ukrainischen Eliten würden westliche Hilfsgelder veruntreuen und für Luxusobjekte ausgeben, wird von Russland seit dem Beginn der Vollinvasion in mehreren Sprachen verbreitet.

Bei der Zielgruppe im Westen soll damit die Unterstützung der Ukraine diskreditiert werden.

Julia Smirnova, Cemas

Das Fälschen von angeblichen Belegen sei dabei ein häufiges Muster. Smirnova verweist etwa auf Kampagnen der staatsnahen russischen Gruppe „Storm-1516“. Einige ihrer Falschbehauptungen seien:

  • Dass die Familie von Selenskyj eine Villa in Ägypten besitze,
  • Dass Olena Selenska Cartier-Schmuck für 1,1 Millionen US-Dollar gekauft habe
  • Dass die Familie von Selenskyj zwei Luxusyachten besitze
  • Dass Selenskyj mit westlichen Hilfsgeldern Aktien von AstraZeneca gekauft habe.

Seit Jahren ähnliche Fake News in Umlauf

Zur Verbreitung dieser Lügen werden immer wieder Fake-Nachrichtenseiten aufgebaut. So wurde auf der vermeintlichen News-Webseite „veritecachee.fr“ bereits 2024 behauptet, Olena Selenska, die First Lady der Ukraine, habe in Paris für viereinhalb Millionen Euro einen Luxussportwagen gekauft – finanziert mit Geld, das die USA der Ukraine als Militärhilfe gegeben hätten. Zum Beweis wurde eine gefälschte Bugatti-Rechnung präsentiert.

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Eine andere Webseite behauptete, Selenskyj selbst habe ein Herrenhaus von König Charles zum Schnäppchenpreis gekauft, in einem weiteren Portal hieß es, er habe mit amerikanischen Hilfsgeldern zwei Yachten erworben – alles gelogen. Dennoch erreichen solche Desinformations-Kampagnen vor allem in Sozialen Netzwerken Millionen Nutzerinnen und Nutzer.

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