Welche Heizung ist die Richtige in der Stadt?

Während im Bundestag weiter über die Reform des Gebäudeenergiegesetzes und die damit verbundene Abschaffung der 65-Prozent-Erneuerbare-Vorgabe gestritten wird, kommen die großen deutschen Kommunen mit ihrer Wärmeplanung gut voran. 71 Prozent der Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern haben den Prozess bereits abgeschlossen, zeigt eine Auswertung des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende (KWW), welches zur Deutschen Energie-Agentur gehört. Die restlichen der insgesamt 80 Städte haben noch bis Ende Juni dafür Zeit.
Wie weit die jeweiligen Kommunen sind, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland teilweise erheblich. In Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hessen und Baden-Württemberg ist die Wärmeplanung für größere Kommunen schon länger vorgeschrieben. Mit dem Ende 2023 beschlossenen Wärmeplanungsgesetz wurden auch alle anderen Bundesländer dazu verpflichtet. Diese delegieren die Verantwortung meist weiter an die Städte und Gemeinden.
Vorreiterin Hannover
Am Ende des Prozesses soll vor Ort jeweils ein Plan stehen, wie Haushalte, Betriebe und Industrie bis zum Jahr 2045 klimaneutral mit Wärme versorgt werden können: Welche Gebiete der Stadt werden künftig per Leitung mit Nah- oder Fernwärme versorgt? Wer profitiert weiterhin von einem Gasnetz, durch das künftig möglicherweise Biomethan oder Wasserstoff fließt? Und wer sollte sich am besten nach einer Wärmepumpe umschauen? Eigentümer sollen so mehr Klarheit über die Optionen erhalten, die ihnen künftig zum Heizen zur Verfügung stehen. Ein rechtlicher Anspruch auf eine bestimmte Versorgung besteht nach dem Gesetz jedoch nicht, zumal viele Wärmepläne erst einmal nur grobe, nicht grundstücksscharfe Gebiete definieren.
Als Vorreiterin der Wärmewende gilt die Stadt Hannover, in der die Fernwärme bis 2040 rund zwei Drittel des Wärmemarktes abdecken soll. „Wir sind längst fertig mit der Wärmeplanung und voll in der Umsetzung“, sagt Aurélie Alemany, Vorstandsvorsitzende des kommunalen Energieversorgers Enercity, im Gespräch mit der F.A.Z. Im vergangenen Jahr habe man zwölf Kilometer neue Wärmetrassen gebaut und in diesem Jahr den ersten von zwei Kohlekraftwerksblöcken stillgelegt.
Zudem profitiert Enercity vom Anschluss- und Benutzungszwang, den die Stadt Hannover erlassen hat. Eigentümer in bestimmten Gebieten müssen sich also grundsätzlich an das Wärmenetz anschließen lassen und ihre Wärme darüber beziehen, wenn die alte Heizung kaputtgeht. Das Unternehmen habe sich aber auch frühzeitig darum gekümmert, den Bürgern den Mehrwert der Fernwärme zu erklären, sagt Alemany.
„Unsere feste Überzeugung ist: Wenn der europäische Emissionshandel für Verkehr und Gebäude kommt wie geplant, wird Fernwärme langfristig deutlich nachhaltiger und wirtschaftlicher als Gas – sowohl für Enercity als auch für unsere Kunden“, sagt Alemany. Schon heute gelte, dass Fernwärmekunden in Hannover nicht mehr bezahlen würden als Gaskunden in der Grundversorgung. „Wir haben mehr Nachfrage, als wir momentan anbieten können, und auch Kunden, die Fernwärme beziehen wollen, aber nicht im Satzungsgebiet wohnen.“
Laut Wärmeplanungsgesetz müssen sich alle Kommunen zudem Gedanken machen, wie sie ihre heutzutage häufig noch aus Kohle- und Gaskraftwerken gespeisten Wärmenetze dekarbonisiert bekommen. Bestehende Leitungen müssen von 2030 an zu mindestens 30 Prozent aus erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme wie von Rechenzentren oder Müllheizkraftwerken gespeist werden, von 2040 an zu 80 Prozent. In Hannover soll gar das gesamte Fernwärmenetz schon bis 2035 klimaneutral sein. Dazu baut Enercity gerade 13 neue Anlagen in Hannover: von Großwärmepumpen über Biomasse-Heizkraftwerke bis hin zu Power-to-Heat-Anlagen. Auch die Abwärme von bestehenden Müllverbrennungsanlagen soll stärker genutzt werden.
Vereinfachungen für kleine Kommunen
Nicht alle Kommunen sind so weit wie Hannover. Mittelgroße Städte und Gemeinden haben noch zwei Jahre länger – bis Ende Juni 2028 – Zeit, einen solchen Plan vorzulegen. Doch auch bei ihnen sieht es schon gut aus, sagt Robert Brückmann vom KWW. 80 Prozent von ihnen arbeiteten entweder aktiv daran oder seien bereits fertig. Eine treibende Kraft dafür sei die Aussicht auf Wertschöpfung. „Außerdem haben die Kommunen jetzt innerhalb von fünf Jahren zwei Energiekrisen erlebt und gemerkt, dass wir nicht nur fernes Klima schützen, sondern hier und heute etwas tun müssen. Sie sehen, zu was es führen kann, wenn sie nichts tun.“
Einfacher soll die Planung künftig für die vielen kleinen Kommunen mit weniger als 15.000 Einwohnern werden. Das sieht ein von Bundeswirtschafts- und Bundesbauministerium entwickelter Gesetzentwurf vor, den das Kabinett Ende Mai beschlossen hat. Demnach können diese bald auf aufwendige Analysen von Bestand und Potential, die Entwicklung von Zielszenarien und eine umfassende Dokumentation verzichten.
