Ukraine News: Moskau gibt Kraftstoff-Probleme wegen Kiews Angriffen zu – Politik


Viele Angaben über den Kriegsverlauf wie Opferzahlen oder Details zu Kämpfen stammen von ukrainischen oder russischen Behörden und lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.

Wichtige Updates

Urteil in Abwesenheit: Zehn Jahre Haft für Kremlkritiker Chodorkowski

Nato-Kampfjets schießen Drohne über Lettland ab 

EU zahlt weitere Milliardenhilfen an die Ukraine aus

Russischer Krim-Gouverneur: Ukraine greift Passagierzug an 

Europäer und Ukraine fordern Putin zu Verhandlungen auf

Moskau gibt Kraftstoff-Probleme wegen Kiews Angriffen zu 

Das russische Energieministerium hat Probleme bei der Kraftstoffversorgung infolge ukrainischer Angriffe eingeräumt. In letzter Zeit hätten Unternehmen des Kraftstoff- und Energiesektors mit einer Zunahme von feindlichen Angriffen aus der Luft zu kämpfen, „was zu vorübergehenden Schwierigkeiten mit der Kraftstoffversorgung in einer Reihe von südlichen Regionen führt“, hieß es in einer Mitteilung der Behörde bei Telegram.

Ein nun im Energieministerium gebildeter Stab mit Unternehmen aus ebendiesem Sektor soll eine stabile und effiziente Versorgung des Landes sicherstellen, teilte die Behörde weiter mit.

Vizeregierungschef Alexander Nowak hatte beim St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum am vergangenen Wochenende bereits eingeräumt, dass Russland derzeit weniger Öl fördere als ursprünglich geplant. Er erklärte dies mit unplanmäßigen Reparaturen – ohne Gründe dafür zu nennen. Von Moskau eingesetzte Behörden auf der annektierten Schwarzmeerhalbinsel Krim und dem ebenfalls annektierten Gebiet Luhansk in der Ostukraine hatten schon zuvor die Ausgabe von Benzin eingeschränkt. Die russische Regierung untersagte außerdem erstmals und zunächst bis Ende November die Ausfuhr von Kerosin.

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Selenskij: Positives Gespräch mit US-Gesandten Witkoff und Kushner 

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij hat eigenen Angaben zufolge ein positives Gespräch mit den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner über eine Beilegung des Kriegs geführt. Er sei dankbar für die Bereitschaft, in den kommenden Wochen aktiv an einer diplomatischen Lösung zu arbeiten, schreibt Selenskij auf Telegram. 

Die von den USA vermittelten Verhandlungen stocken derzeit, da sich die Regierung in Washington auf den Iran-Konflikt konzentriert. Selenskij betont jedoch, das gemeinsame Ziel eines Friedens in Europa bleibe auf der Tagesordnung. ​Zudem habe man über die Aussichten auf Gespräche beim kommenden G-7-Gipfel im französischen Evian gesprochen. 

Urteil in Abwesenheit: Zehn Jahre Haft für Kremlkritiker Chodorkowski

Die russische Justiz hat den Kremlkritiker und Ex-Ölmilliardär Michail Chodorkowski in Abwesenheit zu zehn Jahren Haft verurteilt. Ein Gericht in Moskau befand den exilierten früheren Chef des Ölkonzerns Yukos für schuldig, angebliche Unwahrheiten über die russische Armee verbreitet zu haben. Das meldete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass.
Chodorkowski wurde vorgeworfen, im Herbst 2022 interne Zahlen zu den Verlusten der russischen Armee in der Ukraine veröffentlicht zu haben. In einem Video von 2024 kritisierte er den russischen Raketeneinschlag an einem Krankenhaus für krebskranke Kinder in Kiew mit zwei Toten und vielen Verletzten – auch dies wurde ihm als Diffamierung der Armee ausgelegt.

Es gehört zur Strategie der Moskauer Führung, auch russische Gegner des Ukraine-Kriegs im Ausland mit Strafverfahren zu überziehen. Internationale Haftbefehle werden verschickt in der Hoffnung, deren Bewegungsfreiheit einzuschränken.

Chodorkowski, früher der reichste Mann Russlands, saß von 2003 bis 2013 in Lagerhaft wegen angeblicher Steuerhinterziehung; sein Ölkonzern Yukos kam unter staatliche Kontrolle. Im Exil ist der 62-Jährige einer der bekanntesten Gegner von Kremlchef Wladimir Putin und wendet die Reste seines Vermögens für die russische Opposition auf. 

Nato-Kampfjets schießen Drohne über Lettland ab 

Nato-Kampfjets haben über Lettland eine Drohne abgeschossen, die in den Luftraum des baltischen EU- und Nato-Landes eingedrungen war. Dies teilten die Streitkräfte des an Russland und Belarus grenzenden Landes mit. Nach Armeeangaben soll es sich dabei um ein ausländisches Flugobjekt gehandelt haben, das infolge „russischer elektromagnetischer Kriegsführung“ in den lettischen Luftraum eingedrungen war. Nähere Angaben zur Herkunft und Art des Flugkörpers gab es nicht.

Der Abschuss erfolgte um 10.05 Uhr Ortszeit über der Gemeinde Berzgale nahe Rezekne im Osten des Landes, teilte Brigadegeneral Kaspars Zdanovskis auf einer Pressekonferenz mit Verteidigungsminister Raivis Melnis mit. Melnis bestätigte bisher nicht die vielfach veröffentlichte Information, wonach die Drohne von einem französischen Kampfjet abgeschossen wurde. Auch der genaue Absturzort sei noch unklar. Berichte über Verletzte oder Schäden gab es demnach bislang nicht. Die Suche nach Trümmerteilen laufe. 

In Lettland hatten die Behörden zuvor die Bewohner mehrerer Regionen im Osten des Landes über eine mögliche Bedrohung des Luftraums informiert. In zwei davon wurde die Bevölkerung aufgefordert, Schutz zu suchen. Der Alarm wurde nach dem Abschuss der Drohne aufgehoben.

Lettlands Regierungschef Andris Kulbergs dankte der lettischen Armee und den Nato-Verbündeten für ihren Einsatz. Dank „schneller Entscheidungen und professionellen Handelns“ habe eine nach Lettland eingeflogene Drohne erstmals erfolgreich abgeschossen werden können, schrieb er auf X. Zuvor hatten Nato-Kampfjets am 19. Mai eine Drohne über dem benachbarten Estland vom Himmel geholt. Estland, Lettland und Litauen besitzen keine eigenen Kampfjets. Die Nato sichert deshalb bereits seit 2004 den baltischen Luftraum. Dazu verlegen die Verbündeten im regelmäßigen Wechsel Kampfflugzeuge samt Personal in die Ostseestaaten im Nordosten Europas. Stationiert sind die Einheiten auf Militärflughäfen in Ämari (Estland) und Siauliai (Litauen). 

Im Zuge des Ukraine-Krieges hat es bereits mehrere Vorfälle mit Drohnen in Lettland gegeben. Bei ukrainischen Angriffen waren mehrfach fehlgeleitete unbemannte Flugkörper in den Luftraum des Baltenstaats eingedrungen und abgestürzt, mit denen Kiew Ziele im Nordwesten Russlands angegriffen hatte. Größere Schäden oder Verletzte gab es dabei nicht. Die Vorfälle lösten aber eine politische Krise in Lettland aus und führten zu einem Regierungswechsel. 

EU zahlt weitere Milliardenhilfen an die Ukraine aus

Die EU hat der Ukraine weitere Finanzhilfen in Höhe von knapp 2,8 Milliarden Euro ausgezahlt. „Das Tempo und das Engagement der Ukraine bei der Umsetzung bedeutender Reformen haben diese Zahlung gerechtfertigt“, teilte EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos mit. Die ukrainische Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko erklärte, die Gelder sollten für die Finanzierung der wichtigsten Staatsausgaben verwendet werden – darunter für den sozialen und humanitären Bedarf.

Bei der Auszahlung handelt es sich nach Angaben der EU-Kommission um die mittlerweile siebte aus der sogenannten Ukraine-Fazilität. Über dieses Finanzierungsinstrument sollen bis Ende 2027 bis zu 50 Milliarden Euro an das von Russland angegriffene Land gehen können.

Seit Beginn der russischen Invasion 2022 haben die EU und ihre Mitgliedstaaten nach jüngsten EU-Angaben Hilfen im Umfang von knapp 205 Milliarden Euro zugesagt – von militärischer und finanzieller Unterstützung bis hin zu Hilfe für Geflüchtete. Davon kamen 3,8 Milliarden Euro aus Erträgen aus der Verwahrung eingefrorener russischer Vermögenswerte.

Ukraine meldet Angriffe auf russische Ölanlagen  

Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben das Öldepot Gruschowa angegriffen. Dieses gehöre zum russischen Ölterminal Schescharis in der Schwarzmeer-Hafenstadt Noworossijsk, teilte der ukrainische Generalstab mit. Zudem meldete er einen Angriff auf eine Pumpstation für Pipelines in der Region Wolgograd. An beiden Anlagen seien Brände ausgebrochen.

Russischer Krim-Gouverneur: Ukraine greift Passagierzug an 

Nach russischen Angaben ist bei einem neuen ukrainischen Drohnenangriff auf einen Passagierzug auf der Halbinsel Krim ein Assistent des Lokführers getötet worden. Der Lokführer selbst sei verletzt worden, teilte der von Moskau eingesetzte Statthalter auf der Krim, Sergej Aksjonow, auf Telegram mit.

Der Personenzug sei auf der Strecke Moskau–Simferopol getroffen worden. „Fahrgäste blieben unverletzt“, teilte Aksjonow mit. Der Zugverkehr wurde in der touristischen Hochsaison vorübergehend eingestellt. Es seien sämtliche Züge evakuiert und die Passagiere in Bussen weitertransportiert worden, teilte die Bahngesellschaft Grand Service Express bei Telegram mit. Bereits vorige Woche gab es nach einem ukrainischen Drohnenangriff auf einen Nahverkehrszug laut russischen Angaben einen Toten und zwei Verletzte.

Der neuerliche Angriff trifft auch das Hotel- und Gaststättengewerbe auf der Krim empfindlich. Experten rechnen laut der Moskauer Zeitung Kommersant damit, dass auf der bei den Russen beliebten Halbinsel in diesem Jahr drei bis vier Millionen Touristen wegbleiben. Die Zeitung berichtete von zahlreichen Stornierungen und rückläufigen Buchungszahlen. Grund für die ausbleibenden Urlauber sei auch die Rationierung von Kraftstoff an den Tankstellen. Die Benzinkrise hält viele Autofahrer von Reisen auf die Krim ab. Kremlsprecher Dmitrij Peskow sagte, dass das Energieministerium Schritte ergreife, um die Probleme zu beseitigen.

Russland hatte die Krim 2014 annektiert und nutzt sie auch als Aufmarschgebiet für seine Truppen im Angriffskrieg gegen die Ukraine. Kiew will mit den Drohnenangriffen vor allem den militärischen Nachschub stören.

Das russische Verteidigungsministerium meldete am Morgen den nächtlichen Abschuss von mehr als 300 Drohnen in verschiedenen Regionen, darunter auch auf der Krim. Überprüfbar sind die Angaben von unabhängiger Seite nicht. Getroffen wurde erneut auch ein Ölterminal in dem Schwarzmeer-Hafen Noworossijsk. Es sei niemand verletzt worden, teilten die Behörden mit. 

Ukraine: Fünf Tote bei russischen Angriffen in Region Saporischschja

Bei russischen Angriffen auf die ukrainische Region Saporischschja sind nach Angaben der örtlichen Behörden fünf ​Menschen getötet worden. Zudem seien 14 Personen verletzt worden, teilte der Gouverneur der Region ⁠auf Telegram mit. Russland habe das Gebiet mit Luftangriffen und Artillerie beschossen. Dabei seien Infrastruktur, Wohngebäude und Autos beschädigt worden.

Europäer und Ukraine fordern Putin zu Verhandlungen auf

Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Ukraine haben den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu einer sofortigen Waffenruhe und Verhandlungen über ein Ende des Krieges aufgerufen. Ausgangspunkt dafür soll die derzeitige Frontlinie in der Ukraine sein. Die USA sowie Europa sollten „aktiv“ an den Gesprächen beteiligt werden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die Kanzler Friedrich Merz, Präsident Emmanuel Macron, Premierminister Keir Starmer und Präsident Wolodimir Selenskij nach ihrem Treffen in London veröffentlichten.

Darin nennen sie fünf Voraussetzungen für einen „gerechten und dauerhaften Frieden“:

1. Ein Ende der Kampfhandlungen: Putin soll einer „sofortigen und vollständigen Waffenruhe“ zustimmen.

2. Die derzeitige Frontlinie soll zwar Ausgangspunkt für die Verhandlungen sein. Die Ukraine und die Europäer pochen aber gleichzeitig darauf, dass internationale Grenzen nicht mit Gewalt verändert werden dürften. Knapp ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebiets ist derzeit unter russischer Kontrolle. Das Recht der Ukraine, ihre eigenen Sicherheitsvorkehrungen und Bündnisse zu wählen, müsse zudem „uneingeschränkt“ geachtet werden.

3. Die Ukraine müsse „robuste und rechtsverbindliche“ Sicherheitsgarantien bekommen, sobald eine Waffenruhe in Kraft trete. Dazu gehöre der Einsatz einer multinationalen Truppe.

4. Die russischen Vermögenswerte würden so lange eingefroren bleiben, bis Russland seinen Angriffskrieg beendet und die Ukraine für die durch den Krieg verursachten Schäden abfindet. In der Europäischen Union sind etwa 210 Milliarden Euro der russischen Zentralbank festgesetzt.

5. Die europäischen Sicherheitsinteressen müssten in jedem Abkommen gewahrt werden. Verhandlungsergebnissen, die EU und Nato betreffen, müssten die Mitgliedstaaten zustimmen.

Die Europäer sicherten Selenskij auch weitere militärische Unterstützung zu. Darüber solle bei den im Juni und Juli stattfindenden Gipfeltreffen der G 7 und der Nato sowie beim nächsten Treffen der „Koalition der Willigen“, in der sich die Verbündeten der Ukraine zusammengeschlossen haben, gesprochen werden.

Selenskij will Europäer am Verhandlungstisch haben

Vor dem Londoner Vierer-Gipfel zum Ukraine-Krieg hat der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij bekräftigt, dass die Europäer an möglichen Friedensgesprächen mit Russland teilnehmen sollen. „Europa muss Teil der Verhandlungen sein und sich stark zeigen“, schrieb er auf der Plattform X. Selenskij, Bundeskanzler Friedrich Merz, der französische Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer wollen am Abend in London über eine Wiederbelebung der diplomatischen Bemühungen für ein Ende des Krieges sprechen. Zudem soll es laut Selenskij um Militärhilfe für den Abwehrkampf gegen Russland und die gemeinsame Stärkung der europäischen Luftverteidigung gehen. Es sei wichtig, „alles zu erörtern und uns auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs auf die wesentlichen Punkte zu einigen“, schrieb der ukrainische Präsident.

Russische Drohne trifft Atommülllager nahe Tschernobyl

Eine russische ‌Drohne hat ukrainischen Angaben zufolge ​ein ​Gebäude des zentralen Lagers für ​abgebrannte Brennelemente in der Nähe des ‌ukrainischen Atomkraftwerks Tschernobyl getroffen. Das Gebäude für die Annahme von Behältern sei bei dem Angriff in der Nacht teilweise zerstört worden, teilte der Staatskonzern Energoatom mit. Es sei dort kein abgebrannter Kernbrennstoff gelagert worden. Die Strahlenwerte lägen innerhalb der festgelegten Grenzwerte, hieß es.

Ein Feuer habe sich auf einer Fläche von 40 Quadratmetern ausgebreitet, teilte das Unternehmen weiter mit. Es sei mittlerweile gelöscht worden. Es gebe keine Berichte ​über Verletzte, ‌teilen der Generalstab in Kiew und die staatliche Atombehörde ⁠mit.

In dem zentralen Lager in der Sperrzone um das vor 40 Jahren havarierte AKW Tschernobyl werden abgebrannte Brennelemente aus anderen ukrainischen Kernkraftwerken langfristig gelagert. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) teilte mit, dass sie von ukrainischer Seite über die „erheblichen Schäden“ an dem Gebäude informiert worden sei. Betroffen sind demnach die Fassade, die Fenster und Türen. Auch benachbarte Gebäude seien durch die Druckwelle in Mitleidenschaft gezogen. Ein IAEA-Team werde die Anlage in Kürze besuchen, um die Auswirkungen zu begutachten, teilte die Behörde mit.

IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi erklärte bei X, der Vorfall sei äußerst besorgniserregend, da er sich in einer Liegenschaft ereignet habe, in der – nur wenige Meter vom angegriffenen Gebäude entfernt – große Mengen an Kernmaterial gelagert seien. Angriffe auf kerntechnische Anlagen seien völlig inakzeptabel und verstießen direkt gegen zentrale Grundsätze der nuklearen Sicherheit während eines militärischen Konflikts, hieß es von Grossi. 

Wolodimir Selenskij verurteilt den Drohnenangriff ‌als „extrem niederträchtig“. Russland habe das Gebiet gezielt angegriffen, schreibt ​der ukrainische Präsident auf X. Eine Drohne ​vom Typ Schahed habe das Gebäude der Anlage getroffen. ‌Es handele sich um eine äußerst kritische ‌Infrastruktureinrichtung. Im Zuge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine kam es bereits mehrfach zu Zwischenfällen an Kernkraftwerken. Besonders betroffen von den Kämpfen ist das AKW Saporischschja im Süden der Ukraine.

Merz, Macron und Starmer treffen Selenskij in London

Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollen die stockenden Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs wieder in Gang bringen. Kanzler Friedrich Merz, Präsident Emmanuel Macron und Premierminister Keir Starmer treffen sich an diesem Sonntagabend mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij in London, um die Chancen für neue Verhandlungen mit Russland auszuloten.

Selenskij hatte Putin am Donnerstag ein Treffen angeboten, um die „Schlüsselfragen“ auf dem Weg zu einer Friedensvereinbarung direkt zu klären. Er sprach sich dafür aus, dass neben den USA als Vermittler auch die europäischen Alliierten der Ukraine eingebunden werden. Putin hatte den Vorstoß tags drauf abgelehnt.

Die Europäer gehen trotzdem davon aus, dass sich Russland Verhandlungen langfristig nicht verweigern kann und sie mit am Tisch sitzen, wenn der Prozess wieder in Gang kommt. „Langsam öffnet sich ein Fenster für Gespräche der europäischen Seite mit Russland“, heißt es aus deutschen Regierungskreisen. Das Treffen in London soll dazu dienen, sich darauf vorzubereiten.

AKW Saporischschja: Stromleitung repariert

Am Atomkraftwerk Saporischschja in der Ukraine ist eine wichtige externe Stromleitung wiederhergestellt worden. Nach 15 Stunden Ausfall sei die Versorgung zurück, teilte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit. In der Zwischenzeit habe das AKW zur Kühlung der sechs abgeschalteten Reaktoren Notstrom-Dieselgeneratoren genutzt.

Laut IAEA ist es bereits der 18. Ausfall der externen Stromversorgung seit Beginn des russischen Angriffskriegs und einer der längsten. IAEA-Chef Rafael Grossi warnte vor der extremen Anfälligkeit des Netzes.

Für die Reparaturen hätten sich Ukraine und Russland auf eine begrenzte Waffenruhe geeinigt, die IAEA habe vermittelt. Das von Russland besetzte AKW ist nun wieder an zwei Leitungen angeschlossen – vor dem Krieg waren es zehn.

Ukraine greift erneut Sankt Petersburg an 

Am letzten Tag des internationalen Wirtschaftsforums in Sankt Petersburg haben die ukrainischen Streitkräfte die Millionenmetropole erneut unter Beschuss genommen. Gouverneur Alexander Beglow und der Zivilschutz informierten die Menschen über einen „großangelegten Angriff durch militärische Drohnen“. Die Flugabwehr sei aktiv. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij trafen ukrainische Drohnen eine Militärbasis ‌nahe Sankt Petersburg.

Gouverneur Beglow teilte am Morgen mit: „Gemäß den Empfehlungen des Einsatzstabs bitte ich die Einwohner von Sankt Petersburg, in ihren Wohnungen zu bleiben und nicht auf die Straße zu gehen.“ Es könne zu Unterbrechungen des mobilen Internets kommen, schrieb er auf Telegram. Der Zivilschutz setzte auch per SMS einen Drohnenalarm ab. Auf dem für die internationalen Gäste des Forums wichtigen Flughafen Pulkowo gab es am frühen Morgen zeitweilig keine Starts und Landungen wegen der Drohnengefahr.

Im Leningrader Gebiet um Sankt Petersburg (früher Leningrad) meldete Gouverneur Alexander Drosdenko ebenfalls Drohnenalarm. Die Flugabwehr habe 141 Drohnen abgeschossen. Drosdenko informierte auch über die Evakuierung von Wohnhäusern nahe einem Militärobjekt, in dem nach einem Drohnenangriff ein Feuer ausgebrochen sei. Es handle sich um eine vorübergehende Sicherheitsmaßnahme, sagte der Gouverneur. Er hoffe auf die baldige Rückkehr der Menschen in ihre Wohnungen. Sankt Petersburger Medien meldeten, dass in dem Ort Bolschaja Ischora am Finnischen Meerbusen 600 Menschen ihre Häuser verlassen mussten. Ein Verletzter sei ins Krankenhaus gebracht worden.

Auch im von der russischen Kriegsmarine genutzten Ostseehafen von Kronstadt habe es Angriffe gegeben, hieß es. Dort seien Arsenale für Raketen und Munition und Stützpunkte der Kriegsflotte getroffen worden, teilte der ukrainische Geheimdienst SBU in Kiew mit. In der Region Krasnodar sei in der Stadt Ust-Labinsk ein Öllager getroffen worden – etwa 500 Kilometer von der Ukraine entfernt. Es handle sich um ein für die russischen Streitkräfte wichtiges Treibstofflager, so der SBU.

Berichte über Drohnenschläge gab es zudem aus anderen Teilen Russlands, darunter im Gebiet um die Hauptstadt Moskau. Auch der Hafen von Mariupol in dem von Moskau annektierten Gebiet Donezk sei betroffen, hieß es. Nach Explosionen seien Öldepots in Brand geraten, berichteten Medien. In sozialen Netzwerken kursierten von unabhängiger Seite bisher nicht überprüfbare Videos, auf denen große Feuer und Rauchwolken zu sehen waren.

Die ukrainischen Drohnenattacken gegen die russische Ölindustrie und militärische Ziele waren mehrfach Thema bei dem Wirtschaftsforum. Kremlchef Wladimir Putin räumte in Sankt Petersburg am Freitagabend ein, dass es durch die Angriffe einen „gewissen Schaden“ für die Wirtschaft gebe. „Diese Attacken führen natürlich zu nichts Gutem“, sagte er. Wichtig sei eine Stärkung der Flugabwehr; Risiken für die Wirtschaft Russlands gebe es aber nicht. Das Angebot des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij zu einem Treffen für Friedensverhandlungen lehnte er ab. 

Ukraine entschuldigt sich bei Griechenland für Drohnenvorfall

Mehrere Tage nach einer griechischen Protestnote hat sich das ukrainische Außenministerium für den Fund einer sprengstoffbeladenen Seedrohne vor der Ferieninsel Lefkada im Ionischen Meer entschuldigt. „Die ukrainische Seite entschuldigt sich für den Vorfall und betont, dass dieser auf Umstände zurückzuführen sei, die durch die anhaltende russische Aggression gegen die Ukraine verursacht wurden“, schrieb Außenamtssprecher Heorhij Tychyj auf X. Das zeige, dass der andauernde russische Krieg gegen die Ukraine auch eine Bedrohung für benachbarte europäische Staaten und die Welt darstelle. Gleichzeitig bedankte sich Kiew für die seit 2022 von Griechenland gewährte Unterstützung im Krieg.

Bereits im Mai entdeckten Fischer vor der griechischen Mittelmeerinsel Lefkada ein etwa sechs Meter langes unbemanntes Boot mit laufendem Motor. Auf dem von den Behörden als ukrainisch identifizierten Boot wurden rund 100 Kilogramm Sprengstoff entdeckt. Die Küstenwache machte den Sprengsatz mit einer kontrollierten Explosion unschädlich. In seiner Protestnote sprach Athen von einer Gefährdung der maritimen Sicherheit und einem Risiko für Zivilisten und verlangte von Kiew eine offizielle Stellungnahme.

Die Mittelmeerinsel Lefkada befindet sich über 1000 Kilometer von der ukrainischen Küste entfernt. Der Schwarzmeeranrainer Ukraine hat keinen Mittelmeerzugang. Unbestätigten Medienberichten zufolge setzte das ukrainische Militär mehrfach Seedrohnen von einer Basis in Westlibyen gegen Schiffe der sogenannten russischen Schattenflotte ein. Demnach wurde Anfang März östlich von Malta ein russischer Flüssiggastanker auf dem Weg nach Ägypten von ukrainischen Seedrohnen angegriffen. Das schwer beschädigte Schiff driftete anschließend ohne Besatzung mehrere Wochen im Mittelmeer.



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