Champions League: Bayern-Trainer Vincent Kompany wird im Halbfinale in Paris nicht den Jose Mourinho machen

In dieser Saison hat der Fußballtrainer Vincent Kompany immer wieder gezeigt, dass er auch ohne seine besten Spieler gewinnen kann. Ohne Manuel Neuer (fünfzehnmal). Ohne Joshua Kimmich (fünfmal). Ohne Luis Díaz (viermal). Ohne Harry Kane (viermal). Und sogar ohne Michael Olise (dreimal). Doch vor dem bisher wichtigsten Spiel der Saison stellt sich auf einmal die Frage, ob die besten Spieler des FC Bayern München auch ohne ihren Trainer gewinnen können.
Paris, Parc de Princes. Als Kompany am Montagabend mit dunklem Sakko und weißem Shirt im Stadion von Paris Saint-Germain sitzt, spricht er dort mit den Reporterinnen und Reportern, die das Spiel am Dienstagabend (21 Uhr, live bei Amazon Prime Video und im F.A.Z.-Ticker) etwa aus derselben Distanz anschauen werden wie er. Und obwohl er gerade nochmal gesagt hat, dass er seine Sperre für dieses Halbfinal-Hinspiel der Champions League „nicht fair“ findet – er hat im Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid seine dritte Gelbe Karte in dem Wettbewerb gesehen, weil er sich aus Sicht des Schiedsrichters zu laut beschwert hat –, kann er über das alles auch einen Scherz machen. „Ich bin 1,92“, sagt er, „also ich passe nicht in diese Wäschebox.“
Kompany wird nicht den Mourinho machen
In dem Pressesaal ist Kompany auf José Mourinho angesprochen worden, auf den portugiesischen Trainer, der 2005 für den FC Chelsea gearbeitet und sich damals vor einem Viertelfinalspiel der Champions League trotz der Sperre verbotenerweise in die Kabine geschlichen hat. Als der Mitarbeiter der UEFA, der auf Mourinho aufpassen sollte, diesen suchte, hat der sich, wie er viele Jahre später erzählte, von einem Vereinsmitarbeiter in einer Wäschebox aus der Kabine schmuggeln lassen.
So ein UEFA-Mitarbeiter soll am Dienstag kontrollieren, dass Kompany vor und während des Spiels keinen Kontakt mit seinem Team hat. Und auch wenn man mit Blick auf die Spielweise der Bayern sagen könnte, dass keiner im Weltfußball sich mehr mit Stärken und Schwächen einer Manndeckung auskennt, wird Kompany nicht den Mourinho machen. Weil er in dieser Saison immer gesagt hat, dass er nicht nur seinen Spielern, sondern auch seinem Staff vertraut. Und in seinem Fall bisher alles dafür spricht, dass das nicht nur Worte sind.
An der Seitenlinie wird am Dienstagabend der Engländer Aaron Danks das Kommando haben, der Assistenztrainer des FC Bayern, der für die sogenannten Standardsituationen zuständig ist. Und wenn man dem Innenverteidiger Dayot Upamecano glaubt, der kurz vor Kompany auf die Fragen der Reporter geantwortet hat, macht das für die Spieler keinen Unterschied. Er sagt über Kompany: „Wir haben die ganze Saison mit ihm zusammengearbeitet, das haben wir verinnerlicht.“
Es gibt eigentlich keinen Grund, warum man an Upamecanos Einschätzung zweifeln sollte. Und doch kommt es am Montagabend zu einem Moment, der zeigt, warum Kompany seinen Spielern an der Seitenlinie fehlen könnte. Als ein Reporter ihn kurz vor dem Ende der Pressekonferenz erst darauf hinweist, dass diese Bayern-Mannschaft in dieser Saison schon 167 Tore geschossen habe, so viele wie der FC Barcelona damals mit den Stürmern Messi, Neymar und Suárez, und ihn dann danach fragt, warum diese Bayern-Mannschaft besonders sei, antwortet Kompany auf seine Kompany-Art. Weil seine Spieler besonders seien, weil sie besondere Fähigkeiten haben. Alles andere, sagt er, sei Stoff für Diskussionen, „magic tricks“. Damit wollte Kompany aber eben nicht sagen, dass er wegen seiner Taktik, seiner Manndeckung ein Magier sei, sondern dass das Magische dieses Spiels immer durch Spieler entstehe. Seine Rolle sei es, diese Spieler immer weiter anzutreiben.
Vincent Kompany kann deswegen ein großer Trainer werden, weil er verstanden hat, dass es Spieler sind, die solche Spiele wie das am Dienstag gewinnen. Und einen Trainer, der das verstanden hat, können auch die größten Spieler gebrauchen.
