Mehr Ebola-Fälle durch weniger Entwicklungshilfe?


Die Ebola-Seuche breitet sich in den Provinzen Ituri und Nord-Kivu im  Osten der Demokratische Republik Kongo weiter aus. 900 Verdachtsfälle sind bestätigt, 220 Menschen sind gestorben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass sich das oftmals tödliche Fieber im unterentwickelten Kongo noch weiter ausbreiten wird.

„Wir stehen vor einem äußerst ernsten und schwierigen Ausbruch“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Sitz der UN-Agentur in Genf. „Es wird noch schlimmer werden, bevor es besser wird“, so Tedros. Die Weltgesundheitsorganisation will vor Ort so schnell wie möglich helfen, mit Ausrüstung und Experten.

Die Mittel der WHO sind jedoch begrenzt, besonders seit die USA im vergangenen Jahr als größter Geldgeber aus der Finanzierung ausgestiegen sind. Die WHO musste viele Programme, auch im Kongo, straffen oder ganz streichen.

DR Kongo: Alltag wegen Ebola stark eingeschränkt

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Globaler Süden wird schwächer

Deutschland ist zwar derzeit größter Mittelgeber für die WHO, hat aber seine Beiträge und auch den Etat des Entwicklungshilfe-Ministeriums (BMZ) in diesem Jahr weiter abgesenkt. Julia Stoffner, gesundheitspolitische Expertin bei der evangelischen Hilfsorganisation „Brot für die Welt“, kritisiert im DW-Gespräch die Kürzungen. „Schaut man sich den Haushalt 2026 an, wurden alle Budgetlinien im Bundesministerium für Gesundheit, aber auch im Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gekürzt.“ 

Eine Frau mit langen Haaren und Brille schaut freundlich in die Kamera. Julia Stoffner, Expertin für internationale Gesundheitspolitik steht auf einem Platz zwischen mehreren Gebäuden, im Hintergrund ist der Schriftzug "Brot für die Welt" zu lesen.
„Brot für die Welt“-Expertin Julia Stoffner kritisiert die Kürzungen bei der EntwicklungszusammenarbeitBild: Bernd Riegert/DW

Darunter seien freiwillige Beiträge an die WHO. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit habe seit Jahren die bilateralen Programme im Bereich Gesundheit gekürzt. „Das trägt natürlich dazu bei, wenn Gesundheitssysteme im globalen Süden immer schwächer werden oder nicht mehr gestärkt werden, dass solche Ausbrüche wie jetzt in der Demokratischen Republik Kongo sehr lange unter dem Radar fliegen, bis irgendwann der Ausbruch sichtbar ist“, analysiert Julia Stoffner von „Brot für die Welt“.

Auch das Hilfswerk CARE in Bonn rief die Staatengemeinschaft auf, mehr Geld in Hilfsmaßnahmen und Aufklärung zu stecken. Die katholische Caritas veröffentliche einen ähnlichen Aufruf.

Nicht genug Geld für die Hilfe in der Ebola-Region

In Goma, Hauptstadt der Nord-Tivu-Provinz im Osten des Kongo, hat die deutsche Diakonie-Katastrophenhilfe ihr Büro. Der Leiter des Büros, Josue Ibulungu, versucht, Hilfe für die Ebola-Regionen zu organisieren. „Nur 30 Prozent des Bedarfs können abgedeckt werden. Die Situation ist für alle humanitären Helfer sehr schwierig. Das Beschneiden der Finanzmittel von vielen Spendern macht die Lage sehr schwierig. Sogar für die unmittelbare Ebola-Bekämpfung  suchen die Organisationen nach Geldern“, beschreibt Josue Ibulungu in einer Videoschalte zwischen Berlin und Goma die Lage.

DW-Interview Demokratische Republik Kongo Goma | Dr. Josué Ibulungu von Diakonie Katastrophenhilfe
Dr. Josue Ibulungu: Große Schwierigkeiten für Helfer und Ärzte (Archiv)Bild: Kerem Uzel/Diakonie Katastrophenhilfe

„Viele Krankenhäuser sind durch den Krieg zerstört worden. Das macht es für Ärzte und Schwestern sehr schwierig, Ebola-Patienten zu helfen, weil es an der notwendigen Ausrüstung fehlt.“ Um die Vorherrschaft über den Osten des Kongo kämpfen seit Jahrzehnten Regierungstruppen, Milizen, Aufständische und Verbrecherbanden. Es geht um Bodenschätze, ethnische Spannungen und die geopolitischen Interessen der Nachbarn Ruanda und Uganda.

BMZ: Einschnitte bei Entwicklungshilfe haben Auswirkungen

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) verweist darauf, dass der Regierung des Kongo für die Jahre 2026 und 2027 rund 160 Millionen Euro als Entwicklungshilfe zur Verfügung stehen. Das ist allerdings weniger als in den Vorjahren. Insgesamt sinkt der Etat des BMZ seit mehreren Jahren ab.

Seuchenprävention sei nicht ein einzelner Haushalttitel, sondern setze sich aus vielen einzelnen Maßnahmen zusammen, erläuterte der Sprecher des BMZ, Benedikt Schöneck, am Mittwoch. „Klar ist, in die Zukunft geblickt, dass natürlich Einschnitte bei Präventionsunterstützung entsprechende Auswirkungen haben werden.“

Das Bild zeigt zwei Frauen im Gespräch: Moderatorin Edith Kimani, Ostafrika-Korrespondentin der Deutschen Welle aus Berlin spricht mit Reem Alabali-Radovan, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung während eines Panels auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2026
Entwicklungshilfeministerin Reem Alabali Radovan (CDU) musste ihren Etat kürzen (Archiv)Bild: Ronka Oberhammer/DW Images

Allerdings gebe Deutschland „massive Mittel“, um für die kommenden Jahre finanzielle Sicherheit bei internationalen Initiativen zu schaffen. Konkrete Zahlen konnte Sprecher Schöneck nicht nennen. Trotz gesunkener Haushaltsmittel setze sich das Ministerium bei der Epidemie-Vorbeugung ein, um verlässlich Hilfe zu leisten. Im konkreten Ebola-Ausbruch im Osten des Kongo will das Ministerium eine Expertengruppe dorthin entsenden oder im Kongo aktivieren, um weitere Helfer vor Ort auszubilden.

Brot für die Welt: Organisationen im Kongo fördern

Die Nichtregierungsorganisation „Brot für die Welt“ fordert eine deutliche Aufstockung der Mittel in der jetzigen Krisensituation. Die 500 Schutzanzüge, die das Ministerium als Soforthilfe angekündigt habe, reichten nicht aus, sagt Julia Stoffner von „Brot für die Welt“ im DW-Interview. „Gleichzeitig müssen die Mittel für globale Gesundheit insgesamt wieder aufgestockt werden. Zivilgesellschaftliche Organisationen vor Ort müssen gestärkt werden, denn diese sind die Personen, die die Bedarfe und die Regionen am besten kennen, die die Zugänge zu den Communities haben und deren Vertrauen haben. Die Bevölkerung ist entscheidend, um den Ausbruch einzudämmen, zumal es keine Impfstoffe gibt.“

Blick auf eine Brandstelle einer Ebola-Isolationsstation: Hinter Rasenflächen und kleinen Hecken steigt dunkler Rauch auf, auch Flammen sind zu sehen
Brandanschlag auf eine Ebola-Station in Bunia: Angehörige wollten einen verstorbenen Verwandten begraben, trotz AnsteckungsgefahrBild: Xinhua/IMAGO

Im Osten des Kongo grassiert die Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus, gegen die es weder eine Impfung noch Heilmittel gibt. Die Entwicklung des Impfstoffes werde mindestens neun Monate dauern, schätzt die Ärztin Gisela Schneider vom Deutschen Institut für ärztliche Mission. Im Moment mangele es auch an Schnelltests und Labor-Kapazitäten zur Feststellung der Bundibugyo-Variante.

Lauterbach: Das ist auch „Eigenschutz“

Der ehemalige deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), der während der Covid-Epidemie amtierte, fordert eine Aufstockung der Entwicklungsgelder zur Pandemiebekämpfung. Die Ausbreitung von Seuchen in Afrika zu verhindern, sei humanitäre Hilfe, aber auch Eigenschutz.

„Zugleich drohen durch erodierende Gesundheitssysteme Flüchtlingswellen aus afrikanischen Ländern Richtung Europa“, warnte der SPD-Abgeordnete Karl Lauterbach in der Zeitung „Rheinische Post“. Die Forderung rechter Populisten, die Mittel für Entwicklungshilfe weiter zu kürzen, seien völlig falsch, warnte Lauterbach. Solche Kürzungen könnten sich „bitter rächen“.



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