Mehr als eine humanitäre Katastrophe


„Die Lage für Kinder im Sudan verschlechtert sich von Stunde zu Stunde“, erklärte Eva Hinds, Sprecherin des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) im Sudan, in einem Statement.

Der Konflikt brach im April 2023 zwischen den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) und den sudanesischen Streitkräften (SAF) aus, nachdem der fragile Übergang zur Zivilregierung nach dem Aufstand im Sudan 2019 gescheitert war.

Seitdem haben sich die Kämpfe über weite Teile des Landes ausgebreitet, Städte verwüstet und mehr als 14 Millionen Menschen vertrieben, berichtet das UN-Flüchtlingskommisariat UNHCR.

Seit Kriegsbeginn wurden laut UNICEF mehr als 4.300 Kinder getötet oder verstümmelt – die Bundesstaaten Darfur und Kordofan weisen die höchsten Zahlen auf. 

Sudanesische Flüchtlinge, ihre Behausungen sind rechts und links eines Weges mit Planen notdürftig hergerichtet
Leben unter Planen: Alltagsszenen aus einem Flüchtlingslager in der Stadt RenkBild: Lino Ginaba/Anadolu/picture alliance

Schutzlos den Drohnen ausgeliefert

Ashan Abeywardena ist Leiter der Nothilfeabteilung bei War Child, einer Organisation, die sich für eine sicherere Zukunft für jedes von Krieg betroffene Kind einsetzt. Der Konflikt habe schwerwiegende Auswirkungen auf Minderjährige gehabt, sagt er.

„Drei Jahre Konflikt haben massive Auswirkungen auf diese Kinder und Frauen gehabt. Das tägliche Leben der Kinder ist geprägt von Nachrichten über Tod und Zerstörung“, so Abeywardena gegenüber der DW.

Viele der Todesfälle und Verletzungen wurden durch wahllose Drohnenangriffe verursacht – eine Waffe, die von beiden Konfliktparteien zunehmend eingesetzt wird.

„Drohnen töten und verletzen Mädchen und Jungen in ihren Häusern, auf Märkten, auf Straßen, in der Nähe von Schulen und Gesundheitseinrichtungen – alles Orte, die niemals Ziele sein sollten“, klagt Eva Hinds von UNICEF.

Nach UN-Angabenwurden in den ersten drei Monaten dieses Jahres fast 700 Zivilisten bei Drohnenangriffen getötet. Sowohl die RSF, als auch die SAF setzten Drohnen ein, um zivile Infrastruktur anzugreifen und so den Vormarsch ihrer Gegner zu verlangsamen. Die Folge: Krankenhäuser, Straßen und Schulen werden zerstört und damit die Notlage der Zivilbevölkerung weiter verschärft. 

„Worauf wartet die Welt?“

Die Auswirkungen des Krieges sind in ganz Ostafrika zu spüren. Laut DW-Kenia-Korrespondent Andrew Wasike beschränkt sich der Konflikt nicht mehr auf den Sudan.

„In Ostafrika ist der Krieg nicht nur ein weit entfernter Konflikt. Er ist sowohl eine humanitäre Katastrophe, als auch ein regionales Sicherheitsproblem“, sagt Wasike.

Vertreibung, unterbrochene Handelswege und politische Spannungen belasteten die Nachbarländer, fügt er hinzu. „Es geht nicht mehr nur um Khartum oder Darfur. Wir alle spüren die Auswirkungen.“

Trotz des Ausmaßes des Leids steht der Sudan nicht im Blick der Weltöffentlichkeit. Nach Meinung der UN-Vertreterin im Sudan, Denise Brown, ist das Land praktisch in Stich gelassen worden. 

Sie beschreibt Gräueltaten, die von der UN dokumentiert wurden, darunter systematische sexuelle Gewalt, Belagerungen, durch die ganze Gemeinden von Hungersnot bedroht sind, und Massenmorde.

Sie verweist auf eine besonders blutige Episode im vergangenen Jahr, als Berichten zufolge innerhalb weniger Tage Tausende bei Kämpfen in der Stadt El-Fasher ums Leben kamen. „Meine Frage lautet: Worauf wartet die Welt?“. 

Kriegsflüchtlinge an ihren Lagerstätten, mit heller Plane bedeckt
Hungern und hoffen: Insgesamt 34 Millionen Menschen im Sudan sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, die höchste Zahl weltweitBild: WDR

Denise Brown fordert mehr internationale Beachtung für die humanitäre Katastrophe. Die internationale Geberkonferenz in Berlin am 15. April war ein erneuter Versuch, diese globale Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Laut Deutschlands Außenminister Johann Wadephul wurden bei der Konferenz Hilfsgelder in Höhe von 1,3 Milliarden Euro (1,5 Milliarden Dollar) zugesagt. Bei der Geberkonferenz im vergangenen Jahr in London war bereits eine Milliarde Dollar gesammelt worden.

Dieser Artikel basiert auf einer Folge des DW-Podcasts „AfricaLink“.



Source link

Ähnliche Beiträge