Schüsse bei Gala in Washington: Die Regierung im Visier
Nach dem Angriff auf ein Gala-Dinner mit US-Präsident Trump sind noch viele Fragen offen. Fest steht laut Justizminister Blanche jedoch: Der Tatverdächtige hatte es auf Regierungsmitglieder abgesehen.
Donald Trump wollte ein Zeichen setzen. Deshalb entschied sich der US-Präsident, so schnell wie möglich nach dem Zwischenfall vor die Presse zu treten – ein Zeichen der Entschlossenheit, dass sich die Nation von Gewalttätern nicht unterkriegen lässt.
Bei der Gala habe es sich um eine Veranstaltung zum Thema Meinungsfreiheit gehandelt, die Mitglieder beider Parteien mit Vertretern der Presse zusammenbringen sollte, so Trump. Und in gewisser Weise sei das auch gelungen. „Ich sah einen Saal, der einfach vollkommen vereint war.“
Demonstrativ unbeeindruckt
Der Präsident gab sich ungewöhnlich konziliant. Auf verfrühte Schuldzuweisungen verzichtete er. Auch wenn dies bereits der dritte Anschlag auf ihn gewesen sein könnte – demonstrativ gibt sich der Präsident unbeeindruckt.
„Das ist ein gefährlicher Beruf“, gibt Trump zu. Aber so sehe er das nicht. Er sei hier, um seinen Job zu machen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendeinen Beruf gibt, der gefährlicher ist. Aber ich liebe das Land, und ich bin sehr stolz darauf, was wir machen.“
„Jeder sprang einfach unter einen Tisch“
Das jährliche Dinner der Vereinigung der White House Correspondents‘ Association ist einer der gesellschaftlichen Höhepunkte in Washington. Im Ballsaal eines großen Hotels waren mehr als 2.000 Menschen zusammengekommen – die meisten von ihnen Journalisten, aber neben Trump auch der Vizepräsident und mehrere Minister.
Trump sollte eine Rede halten. Was dann passierte, schilderte später ein Augenzeuge:
Wir saßen da und plötzlich hörten wir ein paar laute Knalle, und es war zunächst schwer zu sagen, was los war. Doch dann stürmte eine Menge Leute in den Raum, und wir sahen, wie alle hinausgedrängt wurden – Donald Trump als Erster. Da wurde uns ziemlich, ziemlich schnell klar, was vor sich ging. Und jeder einzelne um mich herum sprang einfach unter einen Tisch.
Der Zwischenfall ereignete sich draußen, vor dem Ballsaal. Im Bereich der Metalldetektoren eröffnete ein Mann plötzlich das Feuer. Polizisten konnten ihn schnell überwältigen.
Ein Beamter des Secret Service wurde in der Brust getroffen und kam ins Krankenhaus. Da er eine Splitterschutzweste trug, kam er aber offenbar mit dem Schrecken davon.
Viele Fragen noch offen
Bei dem Schützen handelt es sich um einen 31 Jahre alten Mann aus Kalifornien. Zum Motiv seines Handelns sei wenig bekannt, sagte US-Justizminister Todd Blanche bei CNN.
„Nach unseren vorläufigen Ermittlungen scheint es, als habe der Verdächtige Mitglieder der Regierung ins Visier genommen“, erklärte Blanche. Er wolle sich nicht weiter dazu äußern, da es noch keine genauen Angaben zu bestimmten Mitgliedern der Regierung gebe – „außer, dass wir wissen, dass dies sein Ziel und sein Zielobjekt war.“
In den Fokus dürfte nun auch kommen, ob die Sicherheitsvorkehrungen am Veranstaltungsort ausreichend waren. Der Justizminister spricht von einem „riesigen Erfolg für die Sicherheitskräfte“. Der Verdächtige habe den Sicherheitsbereich kaum durchbrochen. Er sei sofort überwältigt worden.
So oder so: Bereits am Montag steht der Secret Service vor der nächsten Herausforderung in Sachen Sicherheit. Dann treffen der britische König Charles III. und Königin Camilla in Washington ein.

