Zahl fertiggestellter Wohnungen fällt auf niedrigsten Stand seit 2012
2025 wurden hierzulande so wenige Wohnungen fertiggestellt wie seit 2012 nicht mehr. Das liegt an hohen Kosten, verschärft auch durch den Iran-Krieg. Experten kritisieren aber auch die überbordende Bürokratie.
In Deutschland sind im vergangenen Jahr so wenige Wohnungen gebaut worden wie zuletzt vor mehr als zehn Jahren. Fertiggestellt wurden 2025 insgesamt 206.600 Wohnungen – das waren 18 Prozent weniger als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte. Damit sank die Zahl fertiggestellter Wohnungen das zweite Jahr in Folge deutlich: 2024 hatte es bereits einen Rückgang von 14,4 Prozent gegeben.
Der Wohnungsbau in Deutschland hatte 2009 einen Tiefstand erreicht: Damals wurden nur 159.000 Wohnungen fertiggestellt. Die Zahl kletterte bis 2020 auf 306.400 – dann sank sie 2021 bis 2023 wieder unter die Schwelle von 300.000 Wohnungen.
Bundesbauministerin Verena Hubertz sprach von „schlechten Zahlen“. Diese seien das Resultat der vergangenen Krisenjahre. „Rund 206.000 gebaute Wohnungen im letzten Jahr sind zu wenig“, sagte die SPD-Politikerin. „Das ist die ehrliche Botschaft an alle, die heute eine Wohnung suchen.“ Wohnraum ist gerade in Ballungsräumen knapp. Schätzungsweise fehlen rund eine Million Wohnungen in Deutschland.
Längere Bauzeiten
Experten gehen davon aus, dass sich der Abwärtstrend in diesem Jahr fortsetzen wird. So rechnet das ifo-Institut nur noch mit 185.000 Fertigstellungen. „Es besteht die Gefahr, dass der Iran-Krieg die davor beobachtete moderate Belebung größtenteils abwürgt“, sagte ifo-Experte Ludwig Dorffmeister der Nachrichtenagentur Reuters. So seien die höhere Inflation, sinkende Reallöhne und steigende Materialkosten sowie höhere Zinsen eine Belastung für die Baubranche.
Laut Experten gibt es aber noch einen weiteren Grund: „Bauen bleibt einfach zu aufwändig, teuer, reguliert und langwierig“, sagte Dorffmeister. Die vielen politischen Initiativen wie der Bau-Turbo führten aus unterschiedlichen Gründen nicht zu einem flächendeckenden Durchbruch. Teils überzogene Anforderungen bei städtebaulichen Verträgen, fehlendes Bauland, hohe Entsorgungskosten, stark gestiegene Preise für Bauleistungen sowie langwierige Planungs- und Verwaltungsprozesse bremsten. Hinzu kämen strenge Brand- und Lärmschutzauflagen sowie Mietenregulierungen.
Das zeigt sich auch daran, dass sich die Dauer von der Erteilung der Baugenehmigung bis zur Fertigstellung 2025 auf 27 Monate verlängerte. Im Jahr 2020 hatte der Bau einer Wohnung noch durchschnittlich 20 Monate gedauert.
Baugenehmigungen zuletzt gestiegen
Immerhin gibt es auch eine gute Nachricht: Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen ist im vergangenen Jahr um 10,6 Prozent auf 238.100 gestiegen. Der sogenannte Bauüberhang – das sind bereits genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen – lag Ende 2025 mit 760.700 Wohnungen etwa auf Vorjahresniveau. Davon befanden sich 307.200 bereits im Bau.
Allerdings erloschen auch 35.700 Genehmigungen: Das war der höchste Wert seit 2002 und ein Anstieg um rund ein Viertel im Vergleich zu 2024. In der regionalen Betrachtung zeigt sich, dass die Zahl der fertiggestellten Neubauwohnungen im vergangenen Jahr im Osten prozentual mehr als doppelt so stark zurückging wie im Westen.
Geopolitische Unsicherheiten belasten
Die Stimmung im deutschen Wohnungsbau hat sich im April massiv verschlechtert: Das entsprechende Barometer für das Geschäftsklima fiel von minus 19,3 Punkten im Vormonat auf minus 28,4 Zähler, wie das ifo-Institut zu seiner Umfrage mitteilte. Das ist der stärkste Rückgang seit vier Jahren – damals belastete der russische Einmarsch in die Ukraine die Branche.
„Die geopolitische Unsicherheit belastet inzwischen auch den Wohnungsbau in Deutschland“, sagte der Leiter der ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. „Mit fragilen Lieferketten und steigenden Finanzierungskosten kommen mehrere Risiken gleichzeitig auf den Bau zu.“
