Zahl der Verdachtsfälle steigt schnell


Bei dem Ausbruch der lebensgefährlichen Infektionskrankheit  Ebola in der Demokratischen Republik Kongo steigen die Fallzahlen weiter an. Mittlerweile gibt es nach Angaben der  Weltgesundheitsorganisation (WHO) fast 750 Verdachtsfälle und 177 mutmaßliche Todesfälle in dem zentralafrikanischen Land.

Es gebe zwar Fortschritte bei Überwachungsmaßnahmen und Labortests, so WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Doch Gewalt und Unsicherheit würden die Bekämpfung der Epidemie beeinträchtigen

82 Infektionen und 7 Todesfälle wurden laut Tedros im Labor bestätigt. Die WHO geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Infektionen deutlich höher liegt, weil nicht alle Krankheitsfälle registriert und gemeldet werden.

Im Nachbarland Uganda teilte das Gesundheitsministerium mit, dass außer den bislang bekannten zwei Fällen bei kongolesischen Staatsbürgern keine neuen Ansteckungen bekannt geworden seien. Einer der Patienten war gestorben. Die zweite Patientin sei am Mittwoch zum zweiten Mal negativ auf das Virus getestet worden und befinde sich weiter in Behandlung.

Die Vereinten Nationen stellen rund 60 Millionen US-Dollar aus einem Notfallfonds bereit, um den Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo einzudämmen, teilte ihr Hilfsbeauftragter Tom Fletcher mit. Die UN entsenden auch zusätzliches Personal in die betroffene Region.

USA New York 2026 | Tom Fletcher (14.05.2026)
UN-Hilfsbeauftragter FletcherBild: Bianca Otero/ZUMA/IMAGO

„Wir müssen diesem Ebola-Ausbruch zuvorkommen“, so Fletcher. „Das sind schwierige Einsatzbedingungen für lebensrettende Arbeit. Wir sind mit Konflikten und starken Bevölkerungsbewegungen konfrontiert.“

Wettlauf gegen die Zeit – Kapazitäten problematisch

Auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ist angesichts des schnellen Anstiegs der Verdachtsfälle besorgt. „Der Ausbruch breitet sich rasant in Gebieten aus, deren Gesundheitssysteme ohnehin schon schwach sind und in denen häufig Grenzübertritte stattfinden“, so Ariel Kestens von der IKRK-Delegation in Kinshasa, der Hauptstadt der DR Kongo. „Jetzt ist schnelles Handeln und die enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden von höchster Priorität, denn die kommenden Tage sind entscheidend.“

Denn eine Woche nach Bekanntwerden des Ebola-Ausbruchs in der kongolesischen Provinz Ituri befinden sich Experten, Gesundheitspersonal und Helfer im Wettlauf gegen die Zeit. „Es kommt jetzt darauf an, rasch Isolier- und Behandlungskapazitäten an unterschiedlichen Orten einzurichten“, sagt auch Maximilian Gertler. Er ist Epidemiologe an der Charité in Deutschlands Hauptstadt Berlin und war für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) bereits mehrfach im Ebola-Einsatz in Afrika.

Deutschland Berlin 2022 | Maximilian Gertler (24.08.2022)
Charité-Epidemiologe Gertler (Archivbild)Bild: Charité | Wiebke Peitz

„Wir schicken gerade viele Mitarbeitende mit Erfahrung in Ebola-Ausbrüchen in die betroffenen Regionen, um die bestehenden Teams zu unterstützen“, so Gertler im Interview der Deutschen Presse-Agentur (dpa) über das Vorgehen von MSF. Doch wegen der fragilen Sicherheit in der Konfliktregion und logistischer Anforderungen im zweitgrößten Land Afrikas sei gerade dies sehr kompliziert. Parallel dazu müsse medizinisches Personal ausgebildet und in den Einsatz gebracht werden.

Seltener Bundibugyo-Typ des Ebolavirus

Der Ebola-Ausbruch begann laut der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC im Kongo in der nordöstlichen Provinz Ituri, die an Uganda und den Südsudan grenzt. Es handelt sich um den insgesamt 17. registrierten Ebola-Ausbruch im Kongo seit 1976. Der Ausbruch des seltenen Bundibugyo-Typs des Ebolavirus, für den es weder einen Impfstoff noch eine Therapie gibt, macht die Lage besonders schwer.

Ebolafieber ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einer Ebola-Epidemie in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben.

Kontaktverfolgung und Aufklärungskampagnen

Die Behandlung von Ebola-Patienten und die Isolierung von Verdachtsfällen sind nur eine Säule im Kampf gegen die Epidemie – und dabei sehr personal- und materialaufwendig. Um die Ausbreitung von Ebola einzudämmen, sind aber auch die Teams sogenannter Contact Tracer wichtig.

Sie identifizieren die Infektionsketten, also die Kontaktpersonen von bekannten Fällen. Diese Personen werden registriert, in einer Datenbank erfasst und idealerweise jeden Tag kontaktiert, um festzustellen, ob sie gesund sind. 

Solange sie gesund sind, sind die Kontaktpersonen, etwa Familienangehörige, nicht ansteckend bei normalem Umgang. „Aber bei Fieber müssen sie schleunigst und unter sicheren Bedingungen in ein Isolations- und Behandlungszentrum gebracht werden“, so der deutsche Epidemiologe Gertler. Die Kontaktpersonen müssen nach ihrem letzten Kontakt mit einem Ebola-Patienten 21 Tage lang nachverfolgt werden.

Tumulte in Rwampara

Wichtig ist außerdem die Gesundheitsaufklärung für die örtliche Bevölkerung. Offenbar ist vielen Menschen im Ostkongo die immense Gefahr nicht bewusst. Das zeigt ein Fall aus Rwampara in der Provinz Ituri. Im Streit um die Leiche eines Ebola-Toten ist dort ein Krankenhaus in Brand gesetzt worden. Nach Tumulten zwischen Angehörigen und Ärzten brannten zwei Behandlungszelte in Rwampara in der Provinz Ituri nieder.

DR Kongo Rwampara 2026 | Brennendes Zelt des Ebola-Behandlungszentrum  hinter Polizeiabsperrband (21.05.2026)
Brennendes Ebola-Behandlungszentrum in Rwampara (am Donnerstag)Bild: Gradel Muyisa Mumbere/REUTERS

Die Familie des Mannes, der mit Ebola-Symptomen gestorben war, habe die Leiche für eine Bestattung abholen wollen, doch die Ärzte hätten dies verweigert, sagte der zuständige Anführer der Volksgruppe Bahema, Batangura Zamundu, der dpa.

Die Leiche eines Menschen, der an Ebola gestorben ist, ist hoch ansteckend und muss daher nach bestimmten Regeln begraben werden. Die Gefahr für Angehörige und Bestatter ist sehr hoch, zumal in der Region das Waschen und Berühren von Toten üblich ist.

AR/se (dpa, rtr)



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