Yad-Vashem-Außenstelle kommt nach Deutschland


Die weltbekannte Holocaustgedenkstätte Yad Vashem will in der bayerischen Landeshauptstadt München ihr erstes Bildungszentrum außerhalb Israels eröffnen. Zusätzlich sei eine kleine Außenstelle in Leipzig geplant, teilten Yad Vashem sowie die Landesregierungen Bayerns und Sachsens mit.

Die Gedenkstätte reagiert damit nach eigenen Angaben auf weltweit zunehmenden Antisemitismus. Zugleich habe die Wahl Münchens aufgrund der Bedeutung der Stadt beim Aufstieg des Nationalsozialismus „eine tiefe symbolische Bedeutung“, erklärte der Vorsitzende Dani Dayan in Jerusalem.

„Kritischer Zeitpunkt“

Die Entscheidung zur Ansiedlung erfolge zugleich „zu einem kritischen Zeitpunkt, an dem Instrumentalisierung oder Leugnung des Holocaust sowie Antisemitismus zunehmen“, fügte Dayan hinzu. Yad Yashem zufolge soll das Bildungszentrum innerhalb von drei Jahren am Karolinenplatz im Zentrum der süddeutschen Metropole München eröffnet werden und als „bundesweite Plattform für ein Publikum in ganz Deutschland und den Nachbarländern“ dienen. Es gebe eine „finanzielle Zusicherung“ der bayerischen Regierung.

Deutschland Berlin 2025 | Dani Dayan
Dan Dayan, Vorsitzender von Yad Vashem, hatte schon im September erste Pläne vorgestellt (Archivbild)Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa/picture alliance

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sprach von einer „Ehre“ für sein Bundesland. „Wir stehen zu unserer geschichtlichen Verantwortung: Die Gräuel des Nationalsozialismus dürfen sich niemals wiederholen“, erklärte er. Bayern werde Yad Vashem „ein gutes Zuhause“ sein, dafür gebe er auch persönlich ein „Schutzversprechen“ ab.

Auch NRW war im Rennen

Nach Angaben von Yad Vashem geht die Idee eines eigenen Bildungszentrums in Deutschland auf einen Vorschlag des Vorsitzenden Dayan zurück, den dieser erstmals 2023 bei einem Treffen mit dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz machte. Unterstützt von Bundes- und Landesregierungen begannen demnach die Vorarbeiten. Zunächst war neben Bayern und Sachsen auch Nordrhein-Westfalen als möglicher Standort im Rennen.

Den Ausschlag für München gaben nach umfassenden Machbarkeitsstudien demnach unter anderem dessen historische Bedeutung, die vorhandene Bildungslandschaft und Infrastruktur sowie „der hohe Sicherheitsstandard“. In München gibt es bereits ein israelisches Generalkonsulat und ein großes NS-Dokumentationszentrum zur Nazizeit, beide befinden sich in unmittelbarer Nähe des Karolinenplatzes.

Deutschland Berlin 2026 | Bundesbildungsministerin Karin Prien
„Übel in der Zukunft verhindern“: Bundesbildungsministerin Karin Prien (Archivbild)Bild: dts Nachrichtenagentur/IMAGO

Die kleinere Außenstelle im ostdeutschen Leipzig soll nach Angaben der sächsischen Regierung interaktive Lernräume bieten und sich mit ihren Angeboten vor allem „an Pädagogen und junge Menschen“ richten. Ministerpräsident Michael Kretschmer nannte die Entscheidung „eine große Ehre und zugleich Verpflichtung“. Leipzig könne auch „eine Brücke nach Osteuropa“ sein und in der Erinnerungsarbeit mit Polen und Tschechien kooperieren.

„Wissen über das, was war“

„Das Wissen über das, was war, ist wichtig, um das Übel in der Zukunft zu verhindern“, erklärte Bundesbildungsministerin Karin Prien. Der Bund werde die Gründung des Bildungszentrums in München eng begleiten und unterstützen. Gerade junge Menschen in Deutschland wüssten „zu wenig über die Shoah und die systematische Ermordung von Millionen Juden im Nationalsozialismus“, fügte die Ministerin hinzu.

Yad Vashem unterhält nach eigenen Angaben bereits enge Beziehungen nach Deutschland, unter anderem gibt es langjährige Kooperationsabkommen mit allen 16 Bundesländern. Es dient als zentrale Gedenkstätte, beherbergt große Ausstellungen und ist darüber hinaus als Forschungsinstitut tätig.

Das Jüdische Museum Berlin in einer Außenansicht aus der Luft
Zu den wichtigsten Orten für das Holocaust-Gedenken in Deutschland zählt das Jüdische Museum in Berlin (Archivbild)Bild: picture-alliance / Eibner-Pressefoto

Zentrale Orte für das Holocaust-Gedenken in Deutschland befinden sich bislang vor allem an den Standorten ehemaliger Konzentrationslager sowie in Berlin. Dort gibt es das Holocaust-Mahnmal sowie das von Stararchitekt Daniel Libeskind entworfene und im Jahr 2001 eröffnete Jüdische Museum.

München spielte in der Geschichte des Nationalsozialismus eine besondere Rolle. Dort wurde 1920 die NSDAP gegründet, dort befand sich ihre Parteizentrale. Der spätere Reichskanzler Adolf Hitler begann in München seinen Aufstieg auf kleineren politischen Versammlungen. Anhänger der Nazis bezeichneten die Stadt deshalb auch als „Hauptstadt der Bewegung“.

„Knotenpunkt des jüdischen Lebens“

Als die „richtige Entscheidung“ lobte die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, die Auswahl Münchens. Mit ihrer Geschichte und als „Knotenpunk des jüdischen Lebens in Europa“ biete die bayerische Hauptstadt „perfekte Voraussetzungen“.

jj/pgr/AR (dpa, afp, epd)



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