Wutausbruch des Kanzlers: Stoff für die Anti-Merz-Kampagne



So zerknirscht, wie die Führung der CDU/CSU-Fraktion sich gibt, dass ein Wutausbruch des Kanzlers („Meine Geduld mit den Sozialdemokraten ist am Ende“) öffentlich wurde, wird sie nicht sein. Friedrich Merz steht in der Öffentlichkeit schließlich als jemand da, der schon viel zu viel Geduld mit den Sozialdemokraten hatte und viel zu oft mit Kritik hinterm Berg gehalten hat. Um nicht zu sagen: der schon viel zu oft nachgegeben habe.

Das Infrastruktur-Zukunftsgesetz, um das es jetzt geht, liegt als Entwurf seit Dezember 2025 vor. Im Bundestag ist es aber noch immer nicht beschlossen, obwohl es ein Vorzeigeprojekt der Koalition sein soll. Grund sind Widerstände aus dem SPD-geführten Umweltministerium und aus der SPD-Fraktion. Da kann es nicht schaden, wenn publik wird, dass der Kanzler einmal feststellt, dass sich die SPD nicht alles leisten könne.

Als eiserner Kanzler wird Merz nicht gesehen

Oder doch? Gebrüllt hat Merz ja schon einmal, angeblich, in der Villa Borsig, als er sich zu vorgerückter Stunde mit dem SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil anlegte. Wirklich geholfen hat ihm das nicht. Ein Bild vom eisernen Kanzler ist dadurch nicht entstanden. Ein wütender Kanzler ist noch kein durchsetzungsfähiger Kanzler.

Wutberichte aus der Fraktion können deshalb nicht nur gut gemeint sein. Merz-Gegner werden sie so lesen: Seht her, wie hilflos er ist. Solche Berichte liefern vielmehr Stoff für die Anti-Merz-Kampagne, die nach allen Kräften im Netz seit Monaten betrieben wird: Hohn, Spott, Lügen über Merz. Die CDU hat dem bislang nichts entgegenzusetzen.



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