Wie lange kann Iran standhalten?

Zwischen den USA und dem Iran gilt derzeit eine Waffenruhe. In dieser suchen die USA nach Wegen aus dem Krieg mit dem Iran. Zwei unterschiedliche Optionen stehen im Raum: eine Verlängerung der Blockade iranischer Häfen oder eine neue Welle von Angriffen, um das Regime zum Einlenken zu bewegen.
„Die USA kombinieren häufig strategische Signale mit bewusst gewahrter Unklarheit, um sich Handlungsspielräume offenzuhalten“, erklärt die Iran-Expertin Fatemeh Aman auf Anfrage der DW die Situation. Aman war unter anderem am Middle East Institute und beim Atlantic Council in Washington tätig. Die Expertin verweist dabei auf Berichte amerikanischer Medien der letzten Tage.
Einem Bericht des Wall Street Journal zufolge lässt US-Präsident Donald Trump eine längerfristige Blockade des Iran vorbereiten. Trump habe seine Berater entsprechend angewiesen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Regierungsvertreter. Ziel sei es, den Druck auf die iranische Wirtschaft und insbesondere auf die Ölexporte so lange aufrechtzuerhalten, bis Teheran Zugeständnisse macht.
Nach Informationen des US-Portals Axios werden zudem neue militärische Optionen gegen den Iran geprüft. Bereits am Mittwoch hatte Trump die Führung in Teheran in warnendem Ton aufgefordert sich „bald vernünftig verhalten“ und einem Friedensabkommen zustimmen.
Der Iran soll sein Atomprogramm aufgeben, rund 400 Kilogramm hochangereichertes Uran an die USA übergeben und seinen regionalen Einfluss zurückfahren. Wann die Blockade iranischer Häfen aufgehoben wird, ist derzeit unklar.
Großer Druck durch Blockade
Die Straße von Hormus ist zu Irans wichtigstem Druckmittel in den Verhandlungen geworden. Die Meerenge ist für den Transport von Öl und Gas aus den Staaten des Persischen Golfs von zentraler Bedeutung für die Weltwirtschaft. Seit Beginn des Krieges mit dem Iran vor zwei Monaten ist die Zahl der Schiffe, die die Straße von Hormus passieren, nach Angaben der Vereinten Nationen um mehr als 95 Prozent zurückgegangen.
Neben Öl und Gas sind auch Düngemittel, die für Entwicklungsländer sehr wichtig sind, sowie Petrochemikalien von Lieferengpässen betroffen, sagt der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, am 30. April auf einer Konferenz zur Vorbereitung der nächsten Weltklimakonferenz COP31 im November im türkischen Antalya. Er sieht seine Befürchtung der größten Energiekrise der Geschichte durch den Iran-Konflikt bestätigt.
Die USA haben ihrerseits eine Seeblockade gegen den Iran verhängt, um die Führung in Teheran von den Einnahmen aus dem Ölexport abzuschneiden. Im Gegenzug fordert der Iran die Vereinigten Staaten auf, die Blockade iranischer Häfen aufzuheben, und stellt in Aussicht, die Meerenge wieder für den internationalen Schiffsverkehr zu öffnen.
Der iranische Staat finanziert sich in hohem Maße durch Ölexporte. Schätzungen zufolge stammen etwa ein Drittel bis 45 Prozent der Staatseinnahmen aus dem Öl- und Gassektor. Seit die USA den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus unter Druck gesetzt haben, sind die iranischen Ölexporte deutlich zurückgegangen.
Sinkende Ölproduktion und fehlende Staatseinnahmen
Die US-Seeblockade habe den iranischen Ölexport schrittweise beeinträchtigt, sagt Homayoun Falakshahi, leitender Analyst beim Datenanalyseunternehmen Kpler, im Gespräch mit der DW. Die Verladungen seien deutlich zurückgegangen, während sich die Lagerbestände rasch gefüllt hätten.
Er betont, dass der Iran nur dann Öl verladen könne, wenn ausreichend leere Tanker verfügbar seien und diese den Persischen Golf tatsächlich verlassen könnten.
Der Iran ist gezwungen, seine Förderung zu reduzieren – ein Schritt, der in der Vergangenheit aufgrund von Sanktionen bereits mehrfach notwendig war. Auch andere Ölförderländer in der Region, etwa der Irak, sehen sich derzeit gezwungen, ihre Produktion zu drosseln.
Laut dem Energieexperten Dalgah Chatinoglu könnte die iranische Ölproduktion innerhalb eines Monats um etwa eine Million Barrel pro Tag sinken und sich damit dem Volumen annäheren, das lediglich im Inland verbraucht wird. Gleichzeitig verfüge der Iran jedoch noch über rund 170 Millionen Barrel Öl auf Schiffen, die bereits vor der Blockade die Straße von Hormus passiert haben, was Exporte noch für zwei bis drei Monate ermöglichen könnte.
Kurzfristig scheint Teheran die Blockade noch aushalten zu können. Ein langfristiger Produktionsstopp durch deren Fortführung kann jedoch irreversible Schäden verursachen, da die Produktion in den Förderanlagen gedrosselt oder diese sogar ganz stillgelegt werden müssen. Dalgah Chatinoglu betont, dass die technischen Folgen einer Stilllegung von Ölfeldern gravierend seien. Ungenutzte Ölquellen könnten wegen der Flussunterbrechung versiegen. Ob es tatsächlich dazu kommt, hänge jedoch maßgeblich von der Intensität der US-Seeblockade ab.
Gleichzeitig wächst der wirtschaftliche Druck durch fehlende Einnahmen weiter, weil der Staat interne Kosten wie Gehälter für Sicherheits- und Militärkräfte finanzieren muss. Die iranische Wirtschaft leidet bereits seit Jahren unter Missmanagement, Korruption und internationalen Sanktionen. Im Jahr 2025 lag die durchschnittliche Inflationsrate im Iran Schätzungen zufolge bei rund 51 Prozent. Für das Jahr 2026 wird ein weiterer Anstieg auf etwa 69 Prozent prognostiziert. Eine längere Blockade kann die wirtschaftliche Krise noch verschärfen.
Auf die Frage, wie lange noch die USA diese Seeblockade verlängern können, antwortet Expertin Fatemeh Aman: „Eine langfristige Blockade gegen den Iran aufrechtzuerhalten erfordert dauerhaft erhebliche militärische Ressourcen, bewegt sich auf rechtlich unsicherem Terrain und birgt politische Risiken.“
Eine länger anhaltende Einschränkung des Seeverkehrs könne andere Staaten auch mithineinziehen, die Spannungen im Persischen Golf verschärfen und sich auf den Welthandel auswirken – insbesondere auf asiatische Volkswirtschaften, die stark von Energieimporten aus der Region abhängig sind. „Dann stellt sich für Washington die Frage, ob der ausgeübte Druck noch kontrollierbar ist oder bereits unbeabsichtigte Probleme erzeugt.“
Mitarbeit: Morad Rahmati
