Warum Spanien erstmals ohne Real-Profis antritt
Der spanische Nationaltrainer Luis de la Fuente verzichtet für die WM auf Real-Profis.
Quelle: IMAGO / Agencia EFE
8:0 – für die Medien in Barcelona fühlte es sich an wie ein weiterer Titel der Klubsaison. „Goleada mundial“ titelte die Zeitung „Sport“, so viel wie: „WM-Kantersieg“.
Was war passiert? Spaniens Nationaltrainer Luis de la Fuente hatte seinen Kader für die Fußball-WM in Nordamerika bekanntgegeben. Und in dem finden sich acht Profis von Meister FC Barcelona. Und keiner vom Erzrivalen Real Madrid.
Vermintes Terrain für Spaniens Nationaltrainer
Am Montag (18 Uhr/ARD) startet der Europameister mit dem Match gegen Außenseiter Kapverden als einer der Topfavoriten in die WM. Während Barça-Profis wie Regisseur Pedri und der nach einer Oberschenkelverletzung noch angeschlagene Teenager Lamine Yamal zu den potenziellen Superstars des Turniers zählen, ist es das erste Mal bei 17 WM-Teilnahmen, dass kein Real-Profi im nationalen Aufgebot steht.
Für Spaniens Fußballszene ist so eine Schere nicht irgendein Detail. Der Erfolg des einen ist der Misserfolg des anderen. Für einen Nationaltrainer bedeutet das vermintes Terrain.
Mit Europameister Spanien spielt einer der großen WM-Favoriten in Gruppe H. Dazu kommt der zweifache Titelträger Uruguay sowie die beiden Außenseiter Saudi-Arabien und Kap Verde.
11.05.2026 | 1:44 min
Luis Enrique bezahlte für seinen Affront
Als de la Fuentes Vorgänger Luis Enrique 2021 einen EM-Kader ohne Real-Profi nominierte, folgten wüste Debatten. Luis Enrique hatte vorher Barça trainiert und ist bekennender Barça-Fan; zumindest implizit wurde ihm Parteilichkeit unterstellt, bei den mächtigen Hauptstadtmedien hatte er einen schweren Stand.
Auch deshalb fehlten dem heutigen Erfolgstrainer von Paris Saint-Germain nach dem Achtelfinalaus 2022 gegen Marokko die Fürsprecher für eine Vertragsverlängerung.
Dabei ist es wie beim Weltmeisterteam 2010 schon seit mehreren Generationen so, dass die besten spanischen Fußballer eher im katalanischen Heiligtum Barça kicken – und nicht im Symbolklub des spanischen Königreichs, Real.
Wo die Teams bei der Fußball-WM spielen (Fokus Eröffnung und Finale)
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Barça ist Spaniens Eliteschule
Das hat auch spielphilosophische Gründe. Barça und die Verbandsteams bevorzugen einen ähnlichen Pass- und Ballbesitzfußball, bekannt als „spanische Schule“. Begnadete Interpreten dieses Stils wie Pedri, der mit 17 zu Barça kam, wechseln auch deshalb lieber nach Katalonien als in die Hauptstadt, wo ein undefiniertes, auf internationale Stürmerstars zugeschnittenes Spiel praktiziert wird.
Die Mehrheit der acht Barça-Profis im Kader wie Lamine Yamal oder Abwehrchef Pau Cubarsí kommt aber aus der eigenen Jugend. Zöglinge aus der Nachwuchsschule La Masia einzubauen, gilt seit den Traineridolen Johan Cruyff und Pep Guardiola als Imperativ für einen Barça-Coach.
Das DFB-Team hat den WM-Neuling aus Curaçao nur kurz von der Sensation träumen lassen, dann drehte Deutschland auf und hat das Weiterkommen in der Gruppe E damit bereits so gut wie sicher.
14.06.2026 | 10:45 min
Der aktuelle Coach Hansi Flick führt die Tendenz aus persönlicher Überzeugung fort, die Finanzprobleme und die daher schmalen Transferressourcen taten zuletzt ein Übriges. Aus Barças Kader der letzten Saison kam die Hälfte aus der eigenen Jugend und die Mehrheit aus Spanien.
Real produziert für den Transfermarkt
Real Madrids „La Fábrica“ ist zwar ebenfalls eine erfolgreiche Ausbildungsstätte, sie löste Barça diese Saison als Sieger der UEFA Youth League ab und bringt regelmäßig ansehnliche Transfererlöse. Aber im Verein fehlt die Geduld mit den Talenten, die nur selten eine Karriere im eigenen Klub hinlegen.
Der letzte war Dani Carvajal, der nach einer verletzungsgeplagten Saison allerdings nicht in Form für die WM kam. Die beiden Fábrica-Zöglinge im WM-Kader spielen für andere Teams, Außenverteidiger Marcos Llorente (Atlético Madrid) und Sturmtalent Víctor Muñoz (Osasuna).
In der WM-Gruppe F trafen im mexikanischen Monterrey Schweden und Tunesien aufeinander. Zwischen den Teams entwickelte sich eine torreiche Partie.
15.06.2026 | 8:25 min
Real dieses Mal ohne echte Kandidaten
Dem aktuellen Real, das diese Saison bisweilen ohne Spanier in der Startelf antrat und ohnehin eine gruselige Spielzeit hinlegte, fehlen schlicht die einheimischen Kandidaten – anders als 2021, als Luis Enrique auf Real-Kapitän Sergio Ramos verzichtete.
Die Kritik an de la Fuente, der nicht als Barça-Fan bekannt ist, blieb daher zunächst überschaubar. Wie die Madrider Sportzeitung „As“ kommentierte, sollte Real lieber Selbstkritik üben: „Der Moment ist gekommen, auf sich zu schauen.“
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