Warum der Wohnungsbau erneut unter Druck gerät
marktbericht
Die Stimmung im Wohnungsbau hat sich laut ifo-Institut deutlich verschlechtert. Die Branche kommt weiterhin nicht auf die Beine – und verschärft damit den Mangel an Wohnraum.
Der deutsche Wohnungsbau kommt nicht aus der Krise. Und für die Hoffnung auf eine Trendwende in der Branche gab es einen neuen Dämpfer. Die Stimmung in der deutschen Wohnungsbauwirtschaft ist laut ifo-Institut so stark eingebrochen wie seit rund vier Jahren nicht mehr.
Das Geschäftsklima – abgefragt durch eine Konjunkturumfrage im April – fiel nach Angaben des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts von minus 19,3 auf minus 28,4 Punkte. Das ist der stärkste Rückgang seit April 2022. Die Stimmung in der Branche habe sich „massiv verschlechtert“, heißt es seitens des ifo-Instituts.
Zukunftserwartungen trüben sich ein
Auch wenn der Rückgang zuletzt überdeutlich ausfiel: In den Jahren 2023 und 2024 war das Geschäftsklima mit Werten teils zwischen minus 40 bis um die minus 60 Punkten insgesamt jedoch noch schlechter. Damals hatte Russlands Angriff auf die Ukraine belastet.
Die Unternehmen beurteilten jetzt zwar auch die laufenden Geschäfte schlechter; vor allem aber fällt der Blick nach vorn schwer. „Die geopolitische Unsicherheit belastet inzwischen auch den Wohnungsbau in Deutschland“, sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen. Dementsprechend werden die Erwartungen an die Geschäfte in den kommenden Monaten runtergeschraubt.
Denn durch den Iran-Krieg könnte Bauen in Zukunft wieder teurer werden, weil Energie- und Rohstoffpreise gestiegen sind. Zusätzlich könnten weiter steigende Bauzinsen ein Kostentreiber für die Branche sein. Denn höhere Energiepreise können die Inflation antreiben – in der Folge könnten dann die Zinsen wieder steigen. Und durch die faktische Sperrung der Straße von Hormus könnte auch die Lieferung wichtiger Baumaterialien ins Stocken geraten.
Mögliche Lieferengpässe treiben die Sorgen
„Mit fragilen Lieferketten und steigenden Finanzierungskosten kommen mehrere Risiken gleichzeitig auf den Bau zu“, erklärt Wohlrabe. Mögliche Lieferengpässe also treiben die Unternehmer um. Im April meldeten 9,2 Prozent der befragten Unternehmen Einschränkungen bei der Materialversorgung – vor allem bei Grundstoffen. In den mehr als zwei Jahren zuvor hatte dieser Wert nur bei rund einem Prozent gelegen.
Die Zukunftssorgen der Branche lassen sich nicht ignorieren – und das könnte die Trendwende auf dem Wohnungsmarkt sogar umkehren. Die Zahl der neu genehmigten Wohnungen ist in den ersten Monaten dieses Jahres deutlich gestiegen: im Februar nach Daten des Statistischen Bundesamtes um 24,1 Prozent zum Vorjahresmonat auf 22.200 Wohnungen. Die Zahl der Baugenehmigungen ist ein wichtiger Indikator dafür, wie viel in Zukunft gebaut wird.
Immobilienwerte geraten an der Börse unter Druck
Aufgrund der aktuellen Entwicklungen mit Blick auf den Iran-Krieg steigt die Sorge, dass viele genehmigte Projekte am Ende gar nicht umgesetzt werden. Dabei ist der Bedarf groß: In Deutschland fehlen hunderttausende Wohnungen.
An der Börse gerieten Immobilienwerte heute unter Druck. Aktien deutscher Wohnungsbaugesellschaften wie Vonovia und LEG Immobilien wurden von Anlegern abgestoßen – und verloren zeitweise bis zu 1,7 Prozent.
Der Deutsche Aktienindex lag am Mittag ebenfalls deutlich im Minus, bei zeitweise rund 1,7 Prozent auf 24.046 Punkte.
Inflations- und Zinssorgen belasten kurz vor dem Wochenende die Stimmung an den Aktienmärkten. Zusätzlich drückt die Unsicherheit im Iran-Krieg auf die Kurse: Eine Lösung ist weiterhin nicht in Sicht, die Ölpreise bleiben deshalb auf einem hohen Niveau. Beim Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping gab es keine großen Fortschritte – Anleger hatten sich davon offenbar mehr erhofft.
