Wagenknecht dient sich vor Landtagswahlen AfD an


Alice Weidel links im Bild in beigem Sakko und rechts im Bild Sahra Wagenknecht in einem rosa Sakko.

Welche Perspektiven ein solches Bündnis im Osten hätte, hat ZDF-Korrespondentin Andrea Maurer recherchiert. Aus ihrer Sicht sucht Wagenknecht nur Aufmerksamkeit im Wahlkampf.

02.06.2026 | 4:46 min


Königsmacherin – das war immer eine Rolle, in der sich Sahra Wagenknecht gefallen hat. Das Zünglein an der Waage will sie auch jetzt wieder sein, bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Und so erscheint in der „Bild“-Zeitung eine Geschichte, in der von einem „Wagenknecht-Weidel-Pakt“ die Rede ist. Nach unseren Recherchen gibt es ihn nicht.

Aus dem Umfeld von Alice Weidel heißt es: „Kommt von Wagenknecht. Gespräche darüber gibt es keine.“ Wagenknecht habe die Geschichte von sich aus gesetzt. Warum tut sie das?

Warum tut Wagenknecht das?

Die Antwort ist: Aufmerksamkeit. Aktuell steht das BSW in bundesweiten Umfragen bei 2,6 Prozent. In Sachsen-Anhalt bei 4 bis 5 Prozent und in Mecklenburg-Vorpommern bei 5 Prozent.

Wagenknecht ist gerade auf Wahlkampftour. Marktplätze wie früher füllt sie nicht mehr. Die Strategie, auf die sie nun setzt, lautet: maximale Aufmerksamkeit durch ein Anti-Brandmauer-Versprechen und das Kokettieren mit einer Unterstützung für die AfD.

Auf dem Landesparteitag der AfD wird über einen Antrag abgestimmt.

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Wagenknecht geht einen Schritt weiter

Auf X schreibt Wagenknecht, dass in Sachsen-Anhalt „nur ein starkes BSW garantieren“ könne, dass „der CDU-Ministerpräsident sein Amt verliert“ und der Berliner Zeitung hat sie gesagt: „Wir werden auch Manuela Schwesig nicht wählen.“

In beiden ostdeutschen Bundesländern deutet sie damit zumindest die Möglichkeit für Bündnisse mit der AfD an. Es ist das Prinzip, auf das Wagenknecht schon immer gesetzt hat: Das Spiel mit der Möglichkeit, sich gegenüber der AfD zu öffnen.

Bei diesem Spiel geht sie nun aber noch einen Schritt weiter. Koaliert das BSW in Thüringen mit CDU und SPD (hat also einem CDU-Ministerpräsidenten Mario Voigt ins Amt geholfen), und koalierte es noch bis vor kurzem in Brandenburg mit der SPD (hat also einen SPD-Ministerpräsidenten Dietmar Woidke gewählt), schließt sie diese Koalitionen also jetzt schon vorab aus.

In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern bleibt so für das BSW eigentlich nur die Option: parteiloser Ministerpräsident, fallweise Sachabstimmungen oder geduldete Minderheitsregierung.

Symbolbild: Parteilogo der AfD

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Wie reagiert die Partei?

Die BSW-Parteichefin Amira Mohamed Ali stellt sich hinter Wagenknecht. Auf X schreibt sie:

Wenn die Mainstream-Parteien eine Allparteien-Koalition zusammenzimmern wollen, die nur das Ziel hat, die AfD zu verhindern, werden sie das ohne uns machen müssen.

Amira Mohamed Ali, BSW-Parteichefin

Aus Thüringen, wo das BSW an der Landesregierung beteiligt ist und die BSW-Finanzministerin Katja Wolf immer ihren Anti-AfD-Impuls als politischen Antrieb nannte, heute kein Kommentar.

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Das Wagenknecht-AfD-Szenario

Wagenknechts offizielles Wording lautet: Wagenknecht möchte einen parteilosen Ministerpräsidenten. Aber das eigentliche Szenario hat sie bei der rechtsgerichteten Plattform Apollo News schon skizziert: „Wir werden unseren Vorschlag machen. Wenn die AfD der Meinung ist, sie will diesen Vorschlag nicht akzeptieren, dann wird wahrscheinlich Herr Siegmund [AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt; Anm. d. Redaktion] kandidieren, dann wird Herr Schulze [CDU-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt; Anm. d. Redaktion] kandidieren, dann wird man sehen, wie das ausgeht. Wir haben immer gesagt in Landtagen: Wir unterstützen das, was vernünftig ist.“

Da sie die Wahl von Sven Schulze schon ausgeschlossen hat, deutet Wagenknecht also für den Fall, dass das BSW ins Parlament einzieht, die CDU den Ministerpräsidenten verliert und die AfD keine absolute Mehrheit erringt, an, dass das BSW eine AfD-Minderheitsregierung unterstützt.

Und was sagt die AfD?

Das Zitat aus dem Büro von Alice Weidel, das die „Bild“-Zeitung verwendet hat, um über einen möglichen Pakt zu schreiben, lautete so: „Komplett ausschließen möchten wir keine Option, die dazu führen könnte, eine tragfähige Regierung zu bilden.“

In Wahrheit ist das Zitat länger und liegt uns vor:

Aktuell ist das etwas, was in den Überlegungen eher eine untergeordnete Rolle spielt, da das vorrangige Ziel im Wahlkampf durchaus die absolute Mandatsmehrheit ist. Komplett ausschließen möchten wir aber keine Option, die dazu führen könnte, eine tragfähige Regierung zu bilden.

Zitat aus dem Büro von Alice Weidel

Was hier steht, ist das Einmaleins vor Wahlen: nichts ausschließen, was einem zur Macht verhelfen könnte. Ein Pakt ist es nicht.

Andrea Maurer ist Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio. Mit Recherchen von Nicole Diekmann und Christiane Hübscher.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 02.06.2026 um 15:30 Uhr.



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