Waffenruhe im Libanon: Rückkehr in die zerstörte Heimat


Menschen fahren auf einem Motorroller an zerstörten Gebäuden im Süden Libanons vorbei.

Stand: 25.04.2026 • 05:19 Uhr

Im Libanon wurde die Waffenruhe um drei Wochen verlängert. Israel hält jedoch weiterhin Teile des Libanons besetzt. Viele vertriebene Libanesen nutzen die Waffenruhe, um in ihre Häuser zurückzukehren – wenn diese noch stehen.

Sie packen, um endlich nach Hause zu fahren. Halat Amayti und ihre Familie wollen zurück in ihr Dorf im Süden des Libanons – sie wagen es, jetzt während der Waffenruhe. „Ich sehne mich sehr nach meinem Haus“, so Halat. „Unser Zuhause ist nicht wie diese Notunterkunft.“

Schlafen im Klassenzimmer

Seit Wochen lebt sie mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Beirut in einer umfunktionierten Schule. Auch ihre Schwester ist mit ihrer Familie hier – zehn Menschen schlafen in einem Klassenzimmer auf dünnen Matten auf dem Boden. Ihre Habseligkeiten lagern notdürftig auf den Schulbänken. Es gibt auf dem Gang nur eine Toilette für Dutzende Familien.

„Das Leben ist schwierig hier, das Bad ist nicht sauber“, beschreibt Halat. „Ich bin glücklich, dass wir jetzt nach Hause fahren. Das Haus könnte zwar beschädigt sein, aber wenigstens ist es wohl nicht eingestürzt.“

Und Halats kleine Tochter fügt hinzu: „Unser Dorf ist schön, und alle unsere Erinnerungen sind dort. Der Krieg ist nicht schön.“

Die Familie von Halat sehnt sich nach ihrer Heimat.

„Papa, bring uns hier raus!“

Überstürzt mussten sie fliehen, als Israel ihr Dorf bombardierte, berichtet die Mutter. Sie konnten nur das Nötigste mitnehmen, als die gegenseitigen Angriffe von Israel und der Hisbollah-Miliz losgingen und ihr Dorf zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre zum Kriegsgebiet wurde.

„Plötzlich gab es einen lauten Knall direkt neben unserem Haus und es gab dort Menschen, die getroffen wurden. Meine Kinder hatten eine riesige Angst, sie fingen an zu weinen und zu schreien: ‚Papa, Papa, bring uns hier raus!'“, erzählt Halat.

Mehr als eine Million Vertriebene

Insgesamt 1,3 Millionen Menschen sind im Libanon auf der Flucht vor der Gewalt – das sind etwa 20 Prozent der gesamten Bevölkerung. Nach Wochen des Bangens in Beirut ist die Verlängerung der Waffenruhe für viele Familien eine Erleichterung, auch wenn sie noch nicht wagen, an Frieden zu glauben. Aber immerhin eine Atempause des Krieges – und alle haben Sehnsucht nach Zuhause.

„Das Wichtigste ist, dass wir zu unserem Land zurückkehren und dass wir dort bleiben können“, so Vater Ali. „Hier atmen die Leute nur Luft, aber dort atmen wir die Heimat – das bringt unsere Seele zurück.“

Nicht jeder kann zurück

Als sie aufbrechen, winkt ihnen Halats Schwester sehnsüchtig nach. Ihr Dorf liegt noch weiter südlich, innerhalb der sogenannten Pufferzone Israels. Dort stehe kein Stein mehr auf dem anderen, berichtet sie, und Israel lasse niemanden durch. Eine Rückkehr wäre lebensgefährlich.

Die Autobahn Richtung Südlibanon ist an einer Stelle nur notdürftig geflickt. Und die Brücke über den Litani-Fluss wurde von Israel zerbombt. Je weiter man nach Süden kommt, desto größer ist die Zerstörung: Gebäude, zusammengestürzt wie Kartenhäuser – Ruinen, die noch vor kurzem ein Zuhause waren.

Auch in Halats Dorf, in der Nachbarschaft ist viel kaputt. Nur wenige Kilometer liegt ihr Dorf von der israelischen Grenze entfernt.

Gegenseitige Angriffe gehen trotz Waffenruhe weiter

Trotz Waffenruhe gibt es weiter südlich nach wie vor Angriffe von Israel und der pro-iranischen Hisbollah-Miliz. Israels Armee hält weiterhin Teile des Südlibanon besetzt, spricht von einer Pufferzone. Der Libanon kritisiert das als völkerrechtswidrig und Verletzung der eigenen Souveränität.

Überall im Süden ist die Hisbollah präsent, gelbe Fahnen wehen am Straßenrand, stecken auf jedem zerbombten Haus. Der Rückhalt der Miliz hier in der Bevölkerung ist immer noch groß. Auch in Halats Familie: Dass die Hisbollah den Libanon in den Krieg gezogen hat, sehen sie hier nicht.

Wie viele Schiiten fühlen sie sich von der Miliz beschützt. Die libanesische Armee sei zu schwach. „Wir haben keinen Staat, der uns schützt“, so Vater Ali. „Wenn wir ein Staat sind, warum wird die Armee nicht bewaffnet, mit Flugzeugen oder Panzern? Dann könnte die Hisbollah darauf verzichten, das Land zu verteidigen.“

Ihr Haus ist weitestgehend intakt, auch die Küche ist heil.

Hoffnung auf Frieden

Und dann sind sie endlich zu Hause. In den Räumen herrscht Chaos vom überstürzten Aufbruch, aber das Haus steht noch, nur ein paar Fenster sind durch die Druckwellen kaputt, Glasscherben auf dem Boden. Die Familie ist erleichtert – die große Küche ist heil, jetzt wird aufgeräumt.

Halat hofft, dass die Waffenruhe hält. „Wir wollen nichts anderes, als dass Israel sich zurückzieht und es keinen Feind mehr gibt. Dann lebt jeder in Frieden. Sie für sich, wir für uns. Sie müssen sich nur von unserem Land zurückziehen.“

Halat und ihre Familie wünschen sich nur eines: Zuhause bleiben zu können – und das in Sicherheit.



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