Trump-Beauftragter in Grönland: Ein Besuch nicht ohne Absichten


Häuser in Grönlands Hauptstadt Nuuk (Archivbild vom 7. März 2025)

Stand: 19.05.2026 • 20:32 Uhr

Er solle nach Grönland fahren und so viele Freunde wie möglich finden, hat Trump seinem Beauftragten Landry aufgetragen. Allerdings: Eingeladen hat ihn keiner – und auf der Insel ist er nicht recht willkommen.

Kurz nach der Ankunft gibt es ein erstes Erinnerungsfoto. Jeff Landry steht am Fjord in der grönländischen Hauptstadt Nuuk. Der US-Sondergesandte lacht vor der Statue von Hans Egede in die Kameras. Der Missionar ist bei den Grönländern umstritten. Denn mit ihm begann vor über 300 Jahren die dänische Kolonialzeit.

Landry aber, mit einem grau-grünen Anorak und einer Tarnfleckhose der US-Armee bekleidet, versichert, er habe bei seinem Besuch nur die besten Absichten.

„Ich bin hier, um Beziehungen aufzubauen. Ich will mir die Dinge ansehen und lernen. Und schauen, ob es Möglichkeiten gibt, die Beziehungen zwischen Grönland, den Vereinigten Staaten und Dänemark auszubauen. Es ist ein toller Tag. Ich freue mich!“

Gespräche hinter verschlossenen Türen

Der Gouverneur von Louisiana ist Trumps Mann für Grönland. Und der US-Präsident hatte so unmissverständlich klar gemacht, dass er die Insel wegen seiner strategischen Lage in der Arktis haben wolle, dass das zu einer schweren diplomatischen Krise führte.

Mittlerweile gibt es Gespräch hinter verschlossenen Türen. Es geht um US-Militäreinrichtungen und wohl auch um den Zugang zu wichtigen Rohstoffen in Grönland. Landry geht darauf nicht ein, aber er sagt, kurz vor Abflug habe er noch einmal mit Trump telefoniert.

„Ich habe gestern am späten Abend mit ihm gesprochen. Er sagte, fahr da hin und finde Freunde. So viele Freunde wie du kannst.“

Nur ein gewöhnlicher Gast?

Grönlands Regierung wurde von dem Besuch des US-Amerikaners samt Delegation völlig überrascht. Eingeladen habe man ihn nicht, stellt der Minister für Auswärtige Angelegenheiten, Mute Bourup Egede klar. Landry habe sich einfach für eine Konferenz in Nuuk angemeldet, als gewöhnlicher Gast. Man habe sich aber am Rande kurz ausgetauscht.

„Wir haben ihm klar gesagt, wo Grönlands rote Linien verlaufen. Also das, was wir schon die ganze Zeit betonen: Grönland steht nicht zum Verkauf. Man kann nicht einfach ein Land übernehmen, das dem grönländischen Volk gehört. Unsere Botschaft war da sehr deutlich.“

Landry wird wissen, dass ihm hier nicht die Herzen zufliegen. Der Zeitpunkt seines Besuchs dürfte aber bewusst gewählt sein: Dänemark befindet sich nach den Wahlen im März immer noch in komplizierten Koalitionsverhandlungen. Reaktionen aus Kopenhagen zum Besuch des US-Amerikaners in Nuuk gab es deshalb kaum.

Auch für Trumps Mann gelten Regeln

Auf der Konferenz „Future Greenland“ treffen sich Wirtschaftsvertreter und Politiker. Zwei Tage lang geht es um neue Projekte und Investments. Es sei der beste Ort, um sich auf der Insel zu vernetzen, erklärt Krissie Berthelsen Winberg vom Grönländischen Wirtschaftsverband. Aber Landry müsse sich an Regeln halten.

„Wir freuen uns über Zusammenarbeit und wünschen uns auch mehr davon. Aber sie sollte im Rahmen von Diplomatie, dem Respekt vor nationalen Grenzen und unserem Volk stattfinden. Dann können wir gerne kooperieren. Aber diese Grundlagen sind für uns zentral.“

Neue Räume für das US-Konsulat

Ob sich die US-Amerikaner an diese Regeln halten? In Nuuk sind da viele skeptisch, so wie auch Saloma Petersen. „Viele sind durch seinen Besuch hier verunsichert. Ich kann das nachvollziehen. Trump hat uns ja gedroht und gesagt, dass er uns einfach kaufen wolle. Aber das können sie nicht!“

Noch bis Donnerstag will Trumps Sondergesandter in Grönland bleiben. Dann wird das US-Konsulat in neue Räume im Zentrum der Hauptstadt ziehen. Auch das wird als Signal gedeutet, dass es bald öfter Besuch aus Washington geben dürfte.



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