Tag des Ehrenamts: Was engagierte Helfer antreibt


Ehrentag: Gemeinsam spielen

Zum Ehrentag besuchen Schülerinnen und Schüler ein Seniorenheim und lernen voneinander. Überraschung inklusive!

23.05.2026 | 2:14 min


Das Ehrenamt gilt als Kitt der Gesellschaft. Es organisiert Sportfeste und Blutspenden, begleitet Geflüchtete, hält Feuerwehren am Laufen oder sammelt Spenden für den guten Zweck. Doch dieser Kitt scheint brüchiger geworden zu sein.

Vereine klagen über fehlenden Nachwuchs, Vorstände finden keine Nachfolge mehr, vielerorts stemmen dieselben Menschen seit Jahren die Arbeit. Gleichzeitig engagieren sich laut aktuellem Freiwilligensurvey noch immer rund 27 Millionen Menschen in Deutschland freiwillig. Wie passt das zusammen?

Die "Junge Tafel" in Lübeck

Ohne ehrenamtliche Helfer würden viele Lebensmittelausgaben nicht funktionieren – wie hier bei der „Jungen Tafel“ in Lübeck (Archiv).

Quelle: dpa


Form des Engagements verändert sich

„Der These, dass sich Menschen nicht mehr engagieren, würde ich nicht folgen“, sagt Lilian Schwalb, Geschäftsführerin des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (BBE). Zwar sei das Engagement zuletzt leicht gesunken, insgesamt sei die Situation aber noch stabil. Besonders bemerkenswert: Gerade junge Menschen engagieren sich überdurchschnittlich häufig, betont sie.

Junge Berufsschüler helfen ehrenamtlich älteren Menschen

Zum 77. Jahrestag des Grundgesetzes hat der Bundespräsident einen bundesweiten „Ehrentag“ initiiert. In Mettmann kann man in Ehrenämter „hineinschnuppern“ und herausfinden, was zu einem passt.

22.05.2026 | 1:56 min


Die Engagementquote- und -bereitschaft ist in den jüngeren Altersgruppen am höchsten.

Lilian Schwalb, Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (BBE)

Das mache Mut für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Verändert habe sich weniger die Bereitschaft als vielmehr die Form des Engagements. Die klassische jahrzehntelange Vereinskarriere verliert in einigen Bereichen an Attraktivität. Stattdessen wünschen sich viele flexible, projektbezogene Beteiligung.

Dr. Lilian Schwalb, Geschäftsführerin des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (BBE) im Gespräch bei "Volle Kanne"

Lilian Schwalb vom Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) erklärt die Bedeutung des Ehrenamts und wie es gestärkt werden kann.

20.05.2026 | 6:28 min


Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt beobachtet, dass Menschen sich heute stärker engagieren wollen, wenn sie darin Sinn, Selbstverwirklichung oder persönliche Entwicklung sehen. Ehrenamt soll nicht nur Pflicht sein, sondern auch Freude machen.

Wenig Raum für langfristige Verpflichtungen im Leben

Ehrenamtliches beziehungsweise freiwilliges Engagement wird anscheinend nur dann dauerhaft ausgeübt, wenn es auch Spaß macht.

Julia Simonson, Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA)

Gleichzeitig seien Zeitmangel und berufliche Belastung die häufigsten Gründe, warum Menschen ein Engagement gar nicht erst aufnehmen oder wieder beenden.

 Christopher Khlongklad (23) trägt ein dunkelgrünes T-Shirt von Arbeiterkind.de und steht am Messestand von Arbeiterkind.de. Dabei richtet er den Buchstaben "T" auf dem Tisch auf, der das aus weißen Buchstaben bestehende Wort "Mut" vollendet.

Nele und Christopher möchten sich engagieren. Sie probieren Ehrenämter aus, auf der Suche nach der passenden Stelle. Was motiviert sie?

07.12.2025 | 27:30 min


Die moderne Arbeitswelt verschärft das Problem. Wer zwischen Vollzeitjob, Familie, Pflege von Angehörigen und permanenter Erreichbarkeit jongliert, findet oft kaum noch Raum für langfristige Verpflichtungen. Mobilität, befristete Arbeitsverhältnisse und häufige Wohnortwechsel erschweren zusätzlich stabile Vereinsbindungen.

Benefit der Helfenden: Mehr Zufriedenheit und Teilhabe

Dabei profitieren nicht nur Organisationen vom Ehrenamt, sondern auch die Engagierten selbst. Studien zeigen, dass Menschen, die sich freiwillig engagieren, sich weniger sozial ausgeschlossen fühlen. Gerade im Alter kann Engagement neue Teilhabe schaffen, wenn berufliche Kontakte wegfallen.

Freiwillige, die bei Lebensmittelausgabe helfen

Die Universität Mannheim hat herausgefunden, dass Menschen, die anderen helfen, mehr Freude und Sinn in ihrem Leben erleben.

23.12.2025 | 2:00 min


Doch nicht alle Menschen haben dieselben Chancen, sich einzubringen. Engagement spiegelt gesellschaftliche Ungleichheiten wider. Zwar engagieren sich Frauen und Männer zahlenmäßig ähnlich stark, doch Führungspositionen werden weiterhin häufiger von Männern besetzt.

Menschen mit Migrationsgeschichte stoßen ebenso auf Hürden wie Menschen mit Behinderung oder geringerem Bildungsabschluss. Oft fehlen niedrigschwellige Zugänge oder schlicht das Gefühl, willkommen zu sein.

Breitensport - DLRG Merzig.

Die DLRG im saarländischen Merzig hat 50 ehrenamtliche Trainer. Viele engagieren sich seit Jahrzehnten. Jetzt übergeben sie den Staffelstab an die Jungen.

13.03.2026 | 2:16 min


Alltägliches Ehrenamt oft ungesehen

Hinzu kommt ein blinder Fleck der Anerkennungskultur: informelles Engagement. Wer Nachbarn unterstützt, Angehörige pflegt oder spontan Hilfe organisiert, taucht in keiner Vereinsstatistik auf. Gerade diese alltägliche Form des Einsatzes bleibt häufig unsichtbar, obwohl sie das gesellschaftliche Miteinander entscheidend trägt.










Um mehr Menschen für das Gemeinwohl zu gewinnen, braucht es deshalb mehr als warme Worte. Flexiblere Strukturen, digitale Beteiligungsmöglichkeiten und weniger Bürokratie gelten als wichtige Hebel. Auch finanzielle Anerkennung spielt eine Rolle.

Tafel in Sachsen schlägt Alarm

:Kritik an Abschlagszahlungen für Ehrenamtler

Bis es einen neuen Haushalt gibt, zahlt der Freistaat Sachsen ehrenamtlichen Helfern nur einen Abschlag als Unkostenpauschale. Die Tafel in Plauen fürchtet um die Zukunft.

von Anja Charlet

mit Video1:52

Tafel der AWO in Schönebeck, Lebensmittel in Körben.

Ehrenamts- und Übungsleiterpauschalen sollen erhöht werden, Diskussionen über Rentenpunkte laufen. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass der Staat sich zu sehr auf diesen Einsatz verlässt. Ehrenamt darf unterstützen, aber nicht dauerhaft strukturelle Defizite ersetzen, mahnt Schwalb.

Der neue Ehrentag am 23. Mai will deshalb nicht nur Danke sagen. Er wirft auch die Frage auf, wie eine Gesellschaft aussieht, die auf freiwilligen Zusammenhalt angewiesen ist.

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