SpaceX-Börsengang: Was Anleger über die Firma von Elon Musk wissen sollten – Wirtschaft
Eines ist sicher: Wenn am Freitagmorgen in New York die Technologiebörse Nasdaq öffnet, wird Geschichte geschrieben. Es steht der voraussichtlich größte Börsengang an, den es je gegeben hat. Aktionäre auf der ganzen Welt können sich dann an Elon Musks Firma Space-X beteiligen.
Was kostet die Aktie?
Bei einem Börsengang gibt es die Möglichkeit, Aktien schon vor dem ersten Handelstag zu zeichnen. Man meldet also bei seiner Bank Interesse an und teilt mit, wie viel Geld man investieren oder wie viele Aktien man kaufen möchte. Vor dem Handelsstart wird für die vorher gezeichneten Papiere ein Ausgabepreis festgesetzt – bei Space-X sind das 135 Dollar. Eine Besonderheit bei Space-X ist im Vergleich zu früheren US-Börsengängen, dass auch deutsche Privatanleger vorab zeichnen konnten. Mehrere deutsche Broker warben in den vergangenen Tagen für entsprechende Angebote. Die Zuteilung, also wie viele Aktien ein Anleger bekommt, wird erst kurz vor dem Handelsstart festgelegt. Denn große Börsengänge sind oft „überzeichnet“, die Nachfrage ist also größer als das Angebot. Reuters berichtete bereits am Mittwoch unter Berufung auf Insider, die Space-X-Aktie sei fast vierfach überzeichnet. Der Wert kann sich seitdem aber noch verändert haben.
Ab wann kann ich die Aktie an der Börse handeln?
Handelsbeginn an der Nasdaq ist um 15.30 Uhr deutscher Zeit. Dann wird in New York erstmals ein echter Börsenkurs für Space-X ermittelt. Beim ersten Handelstag eines Wertpapiers kann dies allerdings einige Stunden dauern, so war es zumindest bei früheren Börsengängen an der Nasdaq. Wer in Deutschland zum Beispiel in seiner Handy-App handeln möchte, muss sich gedulden, bis die Preisfindung in New York abgeschlossen ist. Anleger, die bereits vorab Space-X-Aktien gezeichnet haben, werden möglicherweise schon etwas früher wissen, wie viele Papiere sie im Depot haben, es sind aber Unterschiede zwischen verschiedenen Anbietern möglich. Die Bank Comdirekt zum Beispiel erklärt auf Nachfrage, sie rechne damit, dass Kunden ihre Zuteilungen schon im Laufe des Freitags im Depot sehen können, wenn sie vorab Space-X-Aktien gezeichnet haben. Verkaufen können sie die Wertpapiere aber erst dann, wenn der erste Preis festgestellt ist und der reguläre Börsenhandel möglich ist.
Ich habe ETFs – wird mein Geld dann auch in Space-X investiert?
Viele ETFs bilden einen Aktienindex wie zum Beispiel den MSCI World ab. Ob solche Fonds Anteile an Elon Musks Firma kaufen, hängt davon ab, ob das Unternehmen in den zugrundeliegenden Index kommt. Im Vorfeld des Börsengangs gab es einige Diskussionen um diese Frage. Denn Nasdaq hatte die Regeln für seine Indizes wie etwa den populären Nasdaq 100 verändert, damit große Börsengänge wie Space-X dort in einem Schnellverfahren aufgenommen werden können. Das wird nun voraussichtlich 15 Handelstage nach dem Börsenstart möglich sein, also Anfang Juli. MSCI hat schon lange Sonderregeln für große Börsengänge – es wird erwartet, dass Musks Firma in einigen Indizes dieses Anbieters bereits zehn Handelstage nach dem Start auftaucht. FTSE Russell hat seine Regeln ebenfalls angepasst, in manchen Indizes dieses Anbieters könnte Space-X sogar schon nach fünf Handelstagen Eingang finden. Der US-amerikanische S&P 500 hat seine harten Aufnahmekriterien beibehalten. Dort dürfen Börsenneulinge frühestens ein Jahr nach dem ersten Handelstag auf einen Platz im Index hoffen. Allerdings nur, wenn sie Gewinne erwirtschaften, was Space-X im Moment nicht tut.
Welches Risiko trage ich, wenn Musks Firma in meinen ETF aufgenommen wird?
ETFs müssen automatisch kaufen, wenn der Index eine Firma neu aufnimmt – egal zu welchem Preis. In der ersten Euphorie nach dem Börsengang könnte das dazu führen, dass die Fonds die Aktie recht teuer kaufen müssen. ETF-Sparer sollten sich davon aber nicht beunruhigen lassen: In den meisten Fällen wird der Anteil von Space-X am gesamten Fonds sehr klein sein. Für den MSCI-World etwa wird damit gerechnet, dass die Weltraumfirma nach ihrer Aufnahme in den Index nur etwa 0,1 Prozent ausmacht. Wenn der Aktienkurs stark schwankt, was bei Börsengängen nicht ungewöhnlich ist, werden MSCI-World-Anleger das in ihren Depots wohl kaum bemerken.
Die meisten Indizes gewichten die Anteile der einzelnen Unternehmen nach dem Streubesitz. Und der ist bei Space-X relativ gering, da beim Börsengang nur weniger als zehn Prozent aller existierenden Aktien in den Handel gelangen sollen. Die Streubesitzquote kann sich erhöhen, wenn in den kommenden Monaten etwa Space-X-Mitarbeiter oder frühe Investoren ihre Anteile an der Börse veräußern. Bei solchen Verkäufen müssen dem Börsenprospekt zufolge aber Fristen eingehalten werden, die über viele Monate hinweg gestaffelt sind.
Warum ist Space-X überhaupt so hoch bewertet?
Musks Firma hat dem Börsenprospekt zufolge im vergangenen Jahr weniger als 19 Milliarden Dollar umgesetzt und dabei knapp fünf Milliarden Dollar Verlust gemacht. Wenn Space-X bei seinem Börsengang tatsächlich auf eine Marktkapitalisierung von 1,75 Billionen Dollar kommt, wäre die Firma mehr als 100 Mal so viel Wert wie der Umsatz des Vorjahres. Das lässt sich nur rechtfertigen, wenn man sehr starkes Wachstum erwartet. Morgan Stanley und Goldman Sachs haben einem Bericht des Wall Street Journal zufolge vor Investoren gesagt, sie rechneten bereits für 2028 mit einem Umsatz von etwa 160 Milliarden Dollar, und in den Jahren darauf soll es dann noch viel mehr werden. Beide Banken sind an der Organisation des Börsengangs beteiligt. Der Finanzdienstleister Morningstar hat vor dem Börsengang eine deutlich konservativere Bewertung von Space-X vorgelegt – da wird der Unternehmenswert auf etwa 780 Milliarden Dollar geschätzt.
Zentral für die Wachstumshoffnungen ist xAI, die KI-Sparte von Space-X. Sie baut unter anderem Rechenzentren. Mit Raketen sollen diese künftig in den Orbit gebracht und dort mit günstiger Sonnenenergie betrieben werden. Inwiefern das technisch machbar ist, daran gibt es einige Zweifel. Die großen Erwartungen an künstliche Intelligenz beflügeln derzeit aber auch die Kurse in anderen Tech-Unternehmen. Weniger wichtig für das Wachstum scheint dem Börsenprospekt zufolge die Mars-Besiedelung zu sein. Die wird zwar schon auf der ersten Seite als visionäres Ziel genannt. Es gibt in dem mehrere hundert Seiten umfassenden Dokument aber keine genauen Prognosen, wie viel Umsatz mit interplanetarer Raumfahrt erzielt werden könnte. Ein wichtiger Faktor für die Bewertung dürfte auch Unternehmensgründer Elon Musk sein, der die Kontrolle über Space-X behalten wird und bereits erfolgreiche Unternehmen wie Tesla an die Börse gebracht hat. Die Fokussierung auf seine Person birgt aber auch Risiken, sollte er einmal aus dem Unternehmen scheiden.

