So könnte die Obduktion von Buckelwal „Timmy“ nun ablaufen

Das Schicksal und vor allem der Überlebenskampf des vor Monaten in der Ostsee gestrandeten Buckelwals erregten in Deutschland viel Aufsehen. Weitaus gelassener reagierten die Dänen auf die Meldung, dass der Meeressäuger, von vielen „Timmy“ oder Hope“ genannt, nun offenbar tot vor der Insel Anholm aufgefunden wurde.
Im nördlichen Nachbarland werden Walstrandungen weitaus pragmatischer gehandhabt. Zunächst hieß es seitens der dänischen Behörden, dass man gemäß der gängigen Handhabe zunächst keine Bergung des Kadavers plane.
Am Dienstagabend meldete die Naturschutzbehörde allerdings, dass man das Tier nun doch entfernen und obduzieren lassen möchte – unter anderem, weil der Kadaver an dem belebten Strand „eine erhebliche Belästigung für Besucher und Anwohner“ darstelle und weil man sich von einer Autopsie „wertvolle wissenschaftliche Proben für Forschungszwecke“ erhoffe.
Auch das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund spricht sich für eine Obduktion aus. Der Direktor der Institution, Burkard Baschek, stand bei den ersten Rettungsmaßnahmen für den Buckelwal wissenschaftlich beratend zur Seite und war mit seinen Empfehlungen maßgeblich involviert.
Warum wird eine Obduktion gefordert?
Vor dem Hintergrund, dass die Behörden die Rettungsaktion der privaten Initiative geduldet haben und es bei der Lebendbergung „menschliche Eingriffe am Buckelwal“ gab, sei nun eine „unabhängige, forensische Obduktion des Tieres erforderlich“, sagte eine Sprecherin des Meeresmuseums dem Tagesspiegel auf Anfrage.
Um eine vollkommene Unabhängigkeit zu gewährleisten, spricht sich die Institution nun dafür aus, die Obduktion von Fachleuten durchführen zu lassen, „die bisher nicht in Maßnahmen hinsichtlich des Buckelwals involviert waren“, ergänzte die Sprecherin.
Nach bisherigem Stand sollen Experten des Meeresmuseums allerdings nicht an der Nekropsie teilnehmen. Bis dato sei man „von keiner Seite in die Planungen einer Obduktion einbezogen oder dazu konsultiert worden“, hieß es weiter. Die dänische Umweltbehörde teilte dem Tagesspiegel bereits zuvor auf Anfrage mit, dass es im Hinblick auf die bevorstehende Obduktion „eine kontinuierliche Abstimmung zwischen dänischen und deutschen Forschungseinrichtungen“ gebe.
Das Deutsche Meeresmuseum erhofft sich von der Obduktion außerdem einen Erkenntnisgewinn zum marinen Umweltschutz. „Die wissenschaftliche Aufarbeitung solch seltener Ereignisse leistet einen wichtigen Beitrag zum Verständnis und Schutz von Meeressäugern“, hieß es seitens der Sprecherin. So könne man beispielsweise an Skeletten ablesen, aus welcher Region ein Tier konkret stamme und wie es sich zuletzt ernährt habe.
Wie läuft eine Buckelwal-Obduktion ab?
Nach Angaben des Deutschen Meeresmuseums hängt der Ablauf einer Obduktion von verschiedenen Faktoren ab. Zentrale Fragen wären etwa, wo genau das tote Tier aufgefunden wurde und in welchem Verwesungszustand es sich befindet.
Generell gebe es allerdings ein international gültiges Protokoll, das vorgibt, wie genau eine Wal-Obduktion durchzuführen sei. „Eine Person muss kontinuierlich kontrollieren, dass alle Punkte eingehalten werden“, berichtete die Sprecherin. Meist werde eine solche Sektion „mit einem Team von 20 bis 30 Personen durchgeführt“. In Anbetracht der Logistik könne man die Arbeiten übrigens auch unter freiem Himmel durchführen. Am Ende werde demnach „ein Großteil des Walkörpers, insbesondere die Fettschicht, fachgerecht durch ein spezialisiertes Entsorgungsunternehmen behandelt“.
Einen typischen Obduktionsablauf beschreibt das Meeresmuseum wie folgt:
Wal-Obduktion: Welche Gerätschaften kommen zum Einsatz?
Das hängt davon ab, welche Institution die Obduktion durchführt, wo die Arbeiten ausgeführt werden und wie groß das zu obduzierende Tier ist. Fest steht, dass eine Wal-Bergung und Obduktion aufgrund der schieren Größe dieser Meeressäuger meist schwereres Gerät erfordert.
Als vor mehr als einem Jahr ein toter Pottwal an der Nordseeinsel Sylt angespült wurde, musste der Kadaver zunächst zerlegt werden, damit er schließlich abtransportiert werden konnte. Das 14 Meter lange Tier wurde schließlich mittels einer Kettensäge seziert. Der Abtransport der Körperteile erfolgte schließlich mithilfe verschiedener Bagger, mindestens eines Gabelstaplers und Lastkraftwagen, wie aus damaligen Aufnahmen des NDR hervorgeht.
Die US-Bundesbehörde „NOAA Fisheries“, die eigene Großforschungseinrichtungen für Walstudien und -autopsien betreibt, schreibt auf ihrer Webseite, dass Sektionen von Walen besonders „ressourcenintensiv“ sind. Dabei kommen demnach oftmals „schwere Maschinen wie Radlader und Bagger“ oder auch „Seile zum Bergen“ zum Einsatz. Um Proben zu entnehmen, nutzt man demnach Sezierwerkzeuge wie Kettensägen, Messer oder Skalpelle.
Damit Mitarbeiter der Obduktionsteams nicht mit dem möglicherweise infizierten Gewebe des Tierkörpers in Kontakt geraten und um sich ausreichend vor Verunreinigungen oder Krankheitserregern zu schützen, werden Schutzausrüstungen getragen. Sie beinhalten oftmals lange Schürzen, Kittel, Masken und Handschuhe.
Soll „Timmys“ Skelett nach Deutschland kommen?
Was nach der Obduktion mit dem Skelett des Buckelwals passiert und ob es nach Deutschland gebracht werden soll, ist bislang nicht bekannt.
Es gab nie den Plan, dass das Skelett in das Deutsche Meeresmuseum kommt.
Sprecherin des Deutschen Meeresmuseums
Als der Meeressäuger noch in deutschen Gewässern gestrandet war und die Aussichten auf eine erfolgreiche Rettung von den beteiligten Experten als zu gering eingestuft wurden, machte eine Meldung die Runde: Das Skelett von „Timmy“ sollte demnach dem Deutschen Meeresmuseum überlassen werden, hieß es.
Die Sprecherin der Institution bezeichnete diese Meldung nun als „Fake News“ und ergänzte: „Es gab nie den Plan, dass das Skelett in das Deutsche Meeresmuseum kommt.“ Allerdings sei es durchaus üblich, dass man Skelette und Proben von zuvor gestrandeten und dann obduzierten Walen „für die Wissenschaft“ in Sammlungen sichere. Die konkrete Frage, ob „Timmys“ Skelett langfristig im Meeresmuseum ausgestellt werden könnte, ließ die Sprecherin offen.
