Papst wendet sich in Spanien entschlossen gegen Populismus
Papst Leo XIV. hat Spaniens „Einsatz für Frieden und Solidarität zwischen den Völkern“ gewürdigt. „Ich spreche Ihrem Land meinen Dank aus für dessen treue Einhaltung des Völkerrechts“, sagte das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken auf einem Empfang im Königspalast in Madrid. Der südeuropäische Staat verteidige den Multilateralismus und trete aktiv für Frieden und Solidarität ein.
Anstelle „fruchtloser Vereinfachungen“ gelte es, die Komplexität der gesellschaftlichen Wirklichkeit anzuerkennen, sagte Leo vor Politikern und Diplomaten. Dies sei „eine besondere Berufung für Europa“ und ein Geschenk an die Welt. Man müsse „jenen identitären Ansätzen entfliehen, die alles zu erklären scheinen, aber die Welt mit Gespenstern und Feinden bevölkern“.
Spaniens Geschichte lehre, „dass nicht die Kultur der Konfrontation, sondern die der Begegnung Stabilität und Wohlstand schafft“, sagte der Papst auch unter Verweis auf die historische Präsenz des Islams auf der Iberischen Halbinsel und den Dialog zwischen Christen, Muslimen und Juden.
„Gemeinsam wachsen, Seite an Seite“
Der 70-Jährige warnte, im digitalen Zeitalter verschärften sich Vorurteile, während kritisches Denken geschwächt werde. Er verlangte mehr Investitionen in Bildung und Forschung sowie in die Zivilgesellschaft. Sicherheit entstehe, wenn man lerne, „gemeinsam mit anderen voranzugehen, gemeinsam zu wachsen, Seite an Seite“.
Ohne den schwelenden Streit zwischen Basken und Katalanen beim Namen zu nennen, rief Leo dazu auf, „die Forderungen nach Autonomie und Einheit in Einklang zu bringen“. Die Spanier sollten „den Prozess der europäischen Einigung vorantreiben – nicht im Gegensatz zu anderen Mächten, sondern als Geschenk für die ganze Menschheitsfamilie“.
Treffen mit Opfern sexuellen Missbrauchs
König Felipe VI. hatte zuvor in seiner Begrüßungsrede das Eintreten des Papstes gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche gelobt. Bei seinem Besuch will Leo auch Opfer sexuellen Missbrauchs in katholischen Einrichtungen treffen, wie es Opferverbände gefordert hatten. Er selbst bezeichnete den Missbrauchsskandal auf seinem Hinflug als weiterhin „offene Wunde“ der katholischen Kirche.
Unter dem Motto „Erhebt den Blick“ besucht der Pontifex neben der Hauptstadt Madrid auch Barcelona. Dort will er am Mittwoch den Jesus-Turm der Basilika Sagrada Família segnen – am 100. Todestag des Architekten Antoni Gaudí. Schließlich sind auf den Kanarischen Inseln zwei Treffen mit Migranten aus Afrika geplant.
14.000 Polizisten in Madrid
Alle öffentlichen Auftritte werden von strengen Sicherheitsmaßnahmen begleitet. Allein in Madrid sind nach Angaben der Behörden mehr als 14.000 Polizisten im Einsatz. Zu Veranstaltungen unter freiem Himmel werden Hunderttausende Menschen erwartet. Für den US-Amerikaner, der seit Mai vergangenen Jahres an der Spitze der katholischen Kirche steht, ist es der erste Besuch in einem größeren europäischen Land außerhalb Italiens.
jj/gri (dpa, afp, kna)
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