Panzerbauer KNDS: Bund kauft 40 Prozent – Einstieg vor Börsengang
Panzerbauer
8-Milliarden-Deal: Bund übernimmt 40 Prozent an KNDS vor Börsengang
Kurz vor dem Börsengang greift der Staat zu: Deutschland steigt beim Leopard-2-Hersteller KNDS ein. Ziel ist Einfluss – doch langfristig soll der Staatsanteil wieder sinken
Nach monatelangem Tauziehen hat sich Deutschland zum Einstieg mit 40 Prozent beim Panzerbauer KNDS durchgerungen. Der Bund hielte damit nach dem für den Sommer geplanten Börsengang gleich viele Anteile an dem deutsch-französischen Rüstungskonzern wie Frankreich. KNDS-Verwaltungsratschef Tom Enders bestätigte am Mittwochabend entsprechende Angaben aus Regierungskreisen. Die Regierungen in Berlin und Paris hätten sich auch über die künftige Machtverteilung verständigt, sagte ein deutscher Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Der Anteil solle möglichst binnen zwei bis drei Jahren auf 30 Prozent sinken, Frankreich wolle seinen Anteil parallel dazu reduzieren.
Enders begrüßte den Einstieg des Bundes, will aber die staatliche Dominanz bald eindämmen: „Ziel muss sein, über Zeit die Staatsanteile deutlich abzuschmelzen“, sagte der ehemalige Airbus-Chef der Nachrichtenagentur Reuters. Am Ende sollten beide zusammen weniger als 50 Prozent halten. Nationale Sicherheitsinteressen sollten in erster Linie über Aufträge und spezifische Vereinbarungen gesichert werden und nicht über Mehrheitsbeteiligungen, sagte Enders.
„Entscheidend bei den anstehenden Verhandlungen wird sein, dass KNDS jetzt auch eine börsentaugliche Governance und Regeln erhält, die die Agilität des Unternehmens sowie seine Wettbewerbsfähigkeit, technologische und finanzielle Exzellenz und weitere europäische Konsolidierung ermöglichen“, betonte der Manager, der aus seiner Zeit beim Flugzeugbauer Airbus Erfahrung im Ausbalancieren nationaler Interessen zwischen Deutschland und Frankreich hat. Dabei geht es etwa um die Zahl der Sitze im KNDS-Verwaltungsrat für die beiden Großaktionäre und deren Mitspracherechte bei operativen Entscheidungen. Der Vereinbarung zwischen den Regierungen zufolge sollen Deutschland und Frankreich unabhängig vom jeweiligen Anteilsbesitz die gleichen Stimmrechte bekommen. Wichtige Entscheidungen zu Arbeitsplätzen oder Standorten könnten also nur gemeinsam getroffen werden.
Derzeit halten die Familien Bode und Braunbehrens die Hälfte der Anteile an KNDS, Frankreich die andere Hälfte. Die Familien hatten die ehemalige Krauss-Maffei Wegmann (KMW) in für die Rüstungsindustrie schwierigen Zeiten gestützt, ehe sich KMW und die staatliche französische Nexter zu KNDS zusammenschlossen. Die Familien wollen den milliardenschweren Börsengang nun zum Ausstieg nutzen. Über die Modalitäten des Einstiegs muss sich der Bund noch mit ihnen einigen. Die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen, hieß es in Unternehmenskreisen. Der Regierungsvertreter sagte, der Preis, den der Bund zahle, werde sich nach dem Ausgabepreis der Anteilsscheine beim Börsengang richten. Einen Paket-Abschlag oder -zuschlag werde es nicht geben.
Beim Börsengang wollen die Familien und Frankreich jeweils einen Anteil von zehn Prozent zum Verkauf stellen, sodass dann zunächst 20 Prozent der KNDS-Aktien im Streubesitz wären. In Finanzkreisen hatte es zuletzt geheißen, der Konzern könne beim Börsengang mit bis zu 20 Milliarden Euro bewertet werden. Der Bund müsste für seinen Anteil damit bis zu acht Milliarden Euro hinblättern.
Höhe der Beteiligung bei KNDS war umstritten
Deutschland hatte frühzeitig Interesse bekundet, über einen Einstieg Einfluss auf KNDS zu nehmen. In der Regierung gab es aber Differenzen über die Höhe der Beteiligung und die Bedeutung eines Gleichgewichts mit Frankreich. Die Zeit drängte, da KNDS signalisiert hatte, mit dem für Juni/Juli geplanten Börsengang nicht auf den Bund warten zu wollen.
Über den Umfang der Beteiligung stritten vor allem das Wirtschaftsministerium unter Katherina Reiche (CDU) und das Verteidigungsressort von Boris Pistorius (SPD). Pistorius wollte 40 Prozent, da der Produzent des „Leopard 2“-Kampfpanzers als Schlüssel-Unternehmen für die deutsche Aufrüstung gilt. Reiche favorisierte aus marktwirtschaftlichen Gründen 30 Prozent. Auch CSU-Chef Markus Söder hatte sich aber für eine starke deutsche Staatsbeteiligung ausgesprochen, da die großen Produktionsstandorte von KNDS in Bayern liegen. Die Federführung bei der Beteiligung soll das Wirtschaftsministerium bekommen. Es müsse sich aber mit dem Verteidigungsressort abstimmen, sagte der Regierungsvertreter.
KNDS erwirtschaftete 2024 mit rund 11.000 Mitarbeitern einen Umsatz von etwas weniger als vier Milliarden Euro, Zahlen für 2025 liegen noch nicht vor. Der Auftragsbestand übersteigt angesichts der Aufrüstung deutlich die 20 Milliarden Euro. Der Konzern soll auch den Radpanzer Boxer in großen Stückzahlen für die Bundeswehr produzieren.
rtr/kb
