Nach drei Jahren: Welche Zukunft hat das Deutschlandticket?
Ein Nahverkehrsticket, bundesweit gültig, zu einem fairen Preis: Mit diesem politischen Ziel ist das Deutschlandticket vor drei Jahren an den Start gegangen. Trotz großer Beliebtheit sorgt es weiter für Diskussionen.
Für viele Menschen ist das Deutschlandticket aus ihrem Alltag nicht mehr wegzudenken. Das zeigt sich in der Nutzerzahl, die von Jahr zu Jahr steigt. 14,5 Millionen Menschen fahren mit dem Deutschlandticket – trotz des auf 63 Euro im Monat angehobenen Preises. Jetzt, rund um seinen dritten Geburtstag, könnte es einen zusätzlichen Schub bekommen – wegen der aktuellen Energiekrise.
Der Ansicht ist zumindest Ingo Wortmann vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen. „Gerade die preissensiblen Menschen werden sich zum ÖPNV hin orientieren. Wenn der Sprit zu teuer ist, ist das Deutschlandticket eine sehr gute Alternative“, sagt er.
Die Branche setzt auch unabhängig von der Krise auf Wachstum. „Ich denke, dass wir schon in Richtung 20 Millionen Nutzerinnen und Nutzer denken sollten. Dazu müssen wir einiges tun“, sagt Wortmann. Zum Beispiel das Angebot als Jobticket in den Betrieben etablieren. Viele Verkehrsunternehmen seien hierzu mit Firmen im Gespräch.
„Die Bundesregierung ruht sich aus“
Neben der Branche selbst fordern auch Oppositionspolitiker im Bundestag, das Deutschlandticket auszubauen. Ein Sozialticket könne beispielsweise Sinn ergeben, sagt Tarek Al-Wazir von den Grünen, Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag. Seine Ideen gehen noch weiter: ein Azubi-Ticket für diejenigen, für die 63 Euro wirklich zu viel Geld sei. „Und natürlich könnte das Jobticket als Teil von Tarifverträgen Millionen zusätzliche Kundinnen und Kunden bringen.“
Die Kommunen, die Länder und der Bund seien schon lange gefordert, das Ticket attraktiver zu machen. Doch: „Die Bundesregierung ruht sich im Prinzip auf dem Deutschlandticket aus, so wie es ist“, sagt Al-Wazir.
Vorwürfe, die Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder von der CDU gegenüber dem ARD-Hauptstadtstudio von sich weist – zumal nicht der Bund, sondern die Länder für den öffentlichen Nahverkehr zuständig sind. „Wir wollen, dass es ein Erfolg ist und bleibt und reichen den Ländern und den Verkehrsunternehmen gerne die Hand, weiter voranzukommen“, sagt Schnieder.
Branche rechnet mit höheren Ticketpreisen
Von Schnieders ausgestreckter Hand spüren die Länder und Verkehrsunternehmen wenig, vor allem wenn es ums Geld geht. Zwar ist der öffentliche Zuschuss für das Deutschlandticket bis 2030 gesichert, jährlich drei Milliarden Euro, aber die tatsächlichen Kosten seien nicht gedeckt, erklärt Ingo Wortmann vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen.
„Wir haben in der Vergangenheit drastische Kostensteigerungen erlebt. In dem Maße sind nicht die Tarife mit angestiegen. Dazu brauchen wir Hilfen und Unterstützung. Und das muss geregelt werden“, sagt Wortmann. Diese Unterstützung lasse sich bisher nur über einen höheren Ticketpreis erreichen.
So rechnet die Branche damit, dass das Deutschlandticket jährlich teurer wird, wenn die Bundesregierung kein Entgegenkommen zeige. Wortmanns Befürchtung ist, „dass der Preis in einem Maße steigt, dass uns die Menschen wieder den Rücken zuwenden“, weil der Zuschussbedarf fix bleibt. Das werde man aber in ein bis zwei Jahren sehen.
Kein weiteres Geld von der Bundesregierung
Verkehrsminister Patrick Schnieder glaubt das nicht und betont: Mehr Geld werde es nicht geben. „Und dabei wird es bleiben bis 2030.“
Für viele Oppositionspolitiker ist das ein großer Fehler. Auch müssten Bund und Länder mehr Geld in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs investieren – besonders auf dem Land. „Schwarz-Rot, die Bundesregierung, hat sich einen Ausbaupakt auf die Tagesordnung geschrieben, einen Modernisierungspakt für den öffentlichen Nahverkehr, von dem man bisher nichts sieht“, sagt Grünen-Verkehrspolitiker Al-Wazir.
Ohne Ausbau des Nahverkehrs bleibt der Erfolg des Deutschlandtickets begrenzt und die finanzielle Zukunft vermutlich schwierig.

