Laut Studie zunehmendes Problem für Wirtschaft
Eine starke Hitzewelle sorgt in mehreren europäischen Ländern für hohe Temperaturen. Neben den Strapazen gibt es aber auch sonnige Seiten des frühen Sommerwetters.
27.05.2026 | 1:16 min
Extreme Hitze entwickelt sich zu einem immer größeren Problem für die deutsche Wirtschaft – zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Kreditversicherers Allianz Trade. Besonders zu Buche schlage dabei eine doppelte Belastung für Unternehmen: Einerseits senkten steigende Temperaturen die Produktivität, andererseits stiegen gleichzeitig die Energiekosten.
Bis 2030 rund 113 Milliarden Euro Verluste möglich
Sollten sich die Hitzewellen des vergangenen Jahrzehnts wiederholen, könnten sich die wirtschaftlichen Verluste in Deutschland bis zum Jahr 2030 auf rund 113 Milliarden Euro summieren, so die Analyse. Teile Europas ächzten bereits unter der ersten Hitzewelle, sagt Milo Bogaerts, Allianz-Trade-Chef in Deutschland, Österreich und der Schweiz – „und der Sommer kommt erst noch“.
Extreme Hitze ist längst kein kurzfristiges Wetterphänomen mehr, sondern ein struktureller wirtschaftlicher Schock.
Milo Bogaerts, Allianz Trade
Der größte Schaden entstehe nach den Worten Bogaerts aber nicht heute, sondern morgen, denn sinkende Renditeerwartungen bremsten Investitionen – und damit die künftige Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit. Bogaerts appelliert:
Deutschland muss deshalb anfangen, mit Hitze zu planen.
Milo Bogaerts, Allianz Trade
Naturkatastrophen haben 2025 Schäden in Milliardenhöhe angerichtet. In Deutschland sind es nicht die „Großkatastrophen“, die für die größte Schadenssumme verantwortlich sind.
13.01.2026 | 2:48 min
Kritische 30-Grad-Schwelle
Der Untersuchung zufolge sinkt die Produktivität pro zusätzlichem Grad über 30 Grad um etwa drei Prozent. Gleichzeitig stiegen die Energiekosten um etwa 1,2 Prozent pro Grad durch einen höheren Kühlbedarf. Aber auch für den Staat habe das Folgen. Im Schnitt verschlechtere sich die Haushaltslage hitzebedingt um etwa 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts pro Jahr.
Hazem Krichene, Klimaökonom bei Allianz Research, warnt:
Bis 2030 könnte die Wirtschaftsleistung durch Hitzewellen in Deutschland deutlich niedriger ausfallen.
Hazem Krichene, Allianz Research
Beim Bruttoinlandsprodukt seien „in den kommenden vier Jahren Einbußen von bis zu drei Prozent möglich“, so Krichene. Damit liege Deutschland im europäischen Mittelfeld – hinter kühleren nordeuropäischen Ländern wie Irland oder Finnland, aber vor den wärmeren südeuropäischen Staaten wie Spanien oder Italien.
In Großbritannien sorgt eine Hitzewelle für Rekorde: Im Westen Londons wurden 34,8 Grad gemessen – so viel wie nie im Mai. Der bisherige Höchstwert von 32,8 Grad stammt aus 1922 und 1944.
27.05.2026 | 1:42 min
Ab der kritischen 30-Grad-Schwelle drehten sich die ökonomischen Effekte ins Negative, erläutert Krichene. „Insgesamt ist Europa historisch auf Kälte ausgelegt und auf Hitze bis heute schlecht vorbereitet – obwohl Hitzewellen in den letzten Jahren nichts Neues sind.“ Die USA, der Nahe Osten oder Asien seien da bereits weiter. Dort sei Hitze seit Jahrzehnten Teil der Planung und entsprechend die Zahl der Klimaanlagen hoch.
Hitzetage in Deutschland nehmen zu
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Deutlich weniger Klimaanlagen als in US-Haushalten
Europa dagegen suche noch nach Anpassungsstrategien – bei Gebäuden und Infrastruktur, Arbeitszeiten und Schutz der vulnerablen Bevölkerung, so der Experte weiter. Während in den USA rund 90 Prozent der Haushalte klimatisiert seien, liege die Quote in Europa bei nur etwa 19 Prozent. Gleichzeitig seien viele europäische Gebäude darauf ausgelegt, Wärme zu speichern, statt sie abzuleiten.
Krichene betont: „Die grüne Transformation und die Anpassung an den Klimawandel sind mittlerweile zentrale Fragen der Wirtschaftspolitik, die weit über den Umweltbereich hinausgehen.“ Länder, die bei der Infrastruktur sowie beim Schutz von Unternehmen und Arbeitnehmern schneller vorankommen, seien im Vorteil.
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29.07.2025 | 1:31 min
Quelle: dpa, ZDF
Über dieses Thema berichteten zuletzt die heute-Nachrichten am 27.05.2026 ab 19:00 Uhr sowie „heute in Europa“ ab 16:00 Uhr.
