Iran im Krieg: Steigende Löhne, sinkende Kaufkraft


Seit Jahren leidet der Iran unter den internationalen Sanktionen und nun auch unter den Kriegsfolgen. Der Lebensunterhalt im Lande wird immer teurer. Die Regierung reagiert nun mit der Erhöhung der Mindestlöhne und der Einführung der Lebensmittelgutscheine, um die gestiegenen Preise zu kompensieren. So sollen einkommensschwache Haushalte über die Runde kommen können.

Viele Iraner sagen aber, dass die Löhne nicht so schnell steigen würden wie die Preise. Im März wurde gerade der monatliche Mindestlohn im Iran um 60 Prozent angehoben. Das entspricht einer Summe von umgerechnet 120 US-Dollar. Ein Einwohner in der Hauptstadt Teheran berichtete aber der DW, dass der Preis für ein Kilo Reis innerhalb von zwei Wochen um neun Prozent auf drei Millionen Rial, wie die Währung offiziell im Iran heißt, gestiegen sei. Das entspricht ungefähr etwa 1,90 Euro. Zum Vergleich: im deutschen Supermarkt Aldi erhält man ein Kilo Reis ab 1,40 Euro.

Iran Teheran 2026 | Ladenbesitzer zählt Geldscheine in von Sanktionen getroffener Wirtschaft
Die offizielle Währung des Landes: RialBild: Atta Kenare/AFP

Auch die eingeführten Lebensmittelgutscheine könnten die Haushaltskasse nicht wirklich entlasten. Hühnerfleisch koste jetzt das Doppelte wie vor der Einführung der Voucher. Die Milch sei um 50 Prozent teurer geworden. Alles unerschwinglich, sagt der Einwohner, der nicht namentlich genannt werden möchte. Viele Familien, sofern sie noch über Ersparnisse verfügen, kaufen Lebensmittel, Waschmittel und Hygieneartikel in großen Mengen und lagern sie zu Hause, bevor die Preise erneut steigen könnten.

Volle Regale, leere Geldbörsen

Der Krieg mit den USA und Israel hat die anhaltende wirtschaftliche Krise des Iran verschärft. Da eine Lösung des Konflikts offensichtlich noch in weiter Ferne liegt, sind die Lieferungen von Importgütern wie Öl, Gas und Düngemitteln weiterhin unterbrochen. Der Iran ist zwar einer der größten Erdölproduzenten, aber dennoch von Benzinimport abhängig. Die Raffinerien im Lande haben nicht genug Kapazität, das Rohöl zu verarbeiten.

Irans Unternehmer: Abgeschnitten von der Welt

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Wenn die Treibstoffe, Transport und Importe teurer werden, werden diese Mehrkosten auch an die Konsumenten weitergegeben. Das Ergebnis: Die Regale in Supermärkten mögen zwar noch gefüllt sein: Die Waren werden aber teurer, und die Verbraucher können sie sich nicht mehr leisten. Auch die Konsumgutscheine und Mindestlohnerhöhungen verlieren mit dem wöchentlichen Preisanstieg an Kaufkraft.

Ein iranischer Supermarktbesitzer bestätigt, dass die Preissteigerung Auswirkungen auf das Konsumverhalten der Menschen habe. Die Menschen seien nicht mehr in der Lage, selbst lebensnotwendige Güter in haushaltsüblichen Mengen zu kaufen. Kunden, die früher mehrere Kilogramm Reis gekauft hätten, würden heute weit weniger als kaufen. 

Iran-Krieg belastet Wirtschaft und Märkte in Deutschland

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Die Konsumenten im Iran rechnen die Preise in Toman, die inoffizielle Bezeichnung der Währung, die zehn Rial entspricht. Je nach Kontext werden bei umgangssprachlicher Preisauskunft die unnötigen Nullen weggelassen. Für einen Euro erhält man circa 1.600.000 Rial. Und es sei trostlos, wenn Kinder in seinen Laden kommen, sich eine kleine Süßigkeit für 10.000 Toman (0,06 Euro) wünschen und sie aber nicht bekommen, so der Händler. Er sagt der DW, dass er in all seinen Jahren im Geschäft noch nie Menschen gesehen habe, die so verzweifelt nach den grundlegendsten Dingen suchten.

Iran Teheran 2026 | Menschen beim Lebensmitteleinkauf in einem staatlichen Supermarkt
Die Lebensmittelpreise im Iran sind exorbitant gestiegen Bild: Morteza Nikoubazl/NurPhoto/picture alliance

Hohe Kosten für Grundnahrung

Arzoo Karimi, eine in London ansässige Wirtschaftsanalystin, sagt im DW-Interview, dass die Kosten für Lebensmittel, die den Mindestkalorienbedarf einer Person abdecken, nach Angaben des iranischen Statistikamtes mittlerweile umgerechnet 39,00 US-Dollar im Monat übersteigen.

Ihrer Ansicht nach bedeute dies, dass allein die Ausgaben für Lebensmittel mehr als 70 Prozent des durchschnittlichen Einkommens eines Dreipersonenhaushalts ausmachen können, sodass kaum oder gar nichts für Miete, Gesundheitsversorgung oder Bildung übrig bleibe. Es sei irreführend, wenn die iranischen Behörden von einem Überfluss an lebensnotwendigen Gütern in den Regalen sprechen, wenn sich die Menschen diese nicht leisten können.

Iran-Krieg: Steigen jetzt die Lebensmittelpreise?

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Die Familien würden nun gezwungen, ihre Ernährung Schritt für Schritt einzuschränken, so die Analystin weiter, da die Miete, Medikamente und Gesundheitsausgaben oft Vorrang vor Lebensmitteln haben. Zuerst würden Proteine wegfallen wie in Milchprodukten. Für viele Familien sei mittlerweile aber auch schon ein normales Brot zum Luxus geworden.

Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan



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