Hantavirus auf Schiff: Labortests bestätigen Übertragungsweg


Drei mutmaßlich mit dem Hantavirus infizierte Menschen – zwei Besatzungsmitglieder und eine weitere Person – sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von dem Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“ an Land gebracht worden. „Alle drei sind in stabilem Zustand, einer von ihnen ist symptomfrei“, sagte Ann Lindstrand, die WHO-Vertreterin auf den Kapverden, der Nachrichtenagentur AFP. Das Schiff ankert seit Sonntag vor der Hauptstadt der Kapverdischen Inseln, Praia, im Atlantik. 

Der niederländische Betreiber, Oceanwide Expeditions, hatte am Dienstag mitgeteilt, dass zwei schwer erkrankte Besatzungsmitglieder – ein Brite und ein Niederländer – sowie ein Passagier vom Schiff gebracht und in die Niederlande geflogen würden. Anschließend soll das Schiff weiter zu den spanischen Kanarischen Inseln vor der Westküste Nordafrikas fahren.

Spaniens Regierung hat der „Hondius“ das Anlaufen eines Hafens auf den Kanaren erlaubt. Die Entscheidung sei in Abstimmung mit der WHO und der Europäischen Union getroffen worden, gab das Gesundheitsministerium in Madrid bekannt. Die Fahrt dorthin wird voraussichtlich drei bis vier Tage dauern.

Virus von Mensch zu Mensch weitergegeben

Labortests in Südafrika bestätigten jetzt eine Übertragung von Mensch zu Mensch. Der südafrikanische Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi teilte mit, bei einem nach Südafrika ausgeflogenen Passagier sei vorläufigen Testergebnissen zufolge der von Mensch zu Mensch übertragbare Andes-Stamm des Hantavirus nachgewiesen worden. Laut WHO handelt es sich bei dem Patienten um einen britischen Staatsbürger, der derzeit auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Johannesburg liegt.

 Lymphknotenprobe eines Hantavirus-Patienten
Lymphknotenprobe eines Hantavirus-PatientenBild: Centers for Disease Control and Prevention/REUTERS

Hantaviren werden üblicherweise über die Ausscheidungen von Nagetieren übertragen und lösen meist schwere Atemwegserkrankungen aus. In seltenen Fällen ist nach Angaben der WHO auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich. Dies ist zum Beispiel bei dem in Südamerika verbreiteten Andes-Virusstamm der Fall. Die „Hondius“ hatte ihre Reise in Argentinien begonnen.

Kreuzfahrtpassagier mit Hantavirus in Schweizer Klinik

Auch das Schweizer Gesundheitsministerium bestätigte, ein Kreuzfahrtpassagier sei nach seiner Rückkehr in die Heimat positiv auf das Hantavirus getestet worden. Er wird derzeit im Universitätsspital Zürich behandelt. Der Patient sei zusammen mit seiner Ehefrau Ende April von seiner Reise nach Südamerika heimgekehrt, berichtete das Bundesamt für Gesundheit. Nach Auftreten von Krankheitssymptomen habe er die Klinik aufgesucht. 

Das Universitätsspital in Genf wiederum bestätigte, dass es sich um den Andes-Stamm handelte. Die Experten fügten hinzu, dieser sei höchstwahrscheinlich auch die Ursache für die drei Todesfälle auf dem Luxusschiff.

Drei Todesopfer

Ein erster Passagier aus den Niederlanden war nach Angaben des Kreuzfahrtveranstalters am 11. April an Bord gestorben. Seine Frau ging am 24. April auf der Insel St. Helena im Südatlantik von Bord, flog ins südafrikanische Johannesburg und starb dort am 26. April in einem Krankenhaus. Laut einem Bericht der südafrikanischen Behörden war das niederländische Ehepaar durch Südamerika gereist, ehe es am 1. April an Bord des Kreuzfahrtschiffes ging.

Das dritte Todesopfer ist eine Deutsche – laut Medien eine 78-Jährige aus Passau.

Das Kreuzfahrtschiff hatte ursprünglich laut WHO aus 23 Ländern 88 Passagiere und 59 Crew-Mitglieder an Bord. Es hatte seine als Naturexpedition beworbene Reise Ende März im südargentinischen Ushuaia begonnen. 

se/pg (afp, dpa, rtr)



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