Golf: Saudi-Arabien zieht sich aus der LIV-Tour zurück – Sport


Am Donnerstag folgte die offizielle Bestätigung für den Exit, was für den PIF bemerkenswert ist. Saudi-Arabiens Staatsfonds, der nach eigenen Angaben mehr als 900 Milliarden US-Dollar verwaltet, sieht sich selten in der Position, der Öffentlichkeit etwas mitzuteilen. Presseanfragen werden eher abgelehnt, an Debatten partizipiert Saudi-Arabien kaum öffentlich, sondern regelt die Themen augenscheinlich lieber in Hinterzimmern. Transparente Informationen passen offenbar nicht ins Selbstverständnis dieses mysteriös anmutenden Staatsfonds. Vor allem nicht dann, wenn diese Mitteilung vom eigenen Scheitern berichtet.

„Der PIF hat beschlossen, LIV Golf nur noch bis zum Ende der Saison 2026 zu finanzieren“, stand nun also in einer Mitteilung: „Die erheblichen Investitionen, die LIV Golf langfristig benötigt, stehen nicht mehr im Einklang mit der aktuellen Phase der Investitionsstrategie des PIF.“ Das war schwarz auf weiß die Bestätigung der Berichte, die bereits seit einigen Wochen durch die Medien geisterten. Aus den Hinterzimmern heraus hatten sich die Umwälzungen schon herumgesprochen, die den Golfsport betreffen. Der muss nun wieder weitgehend ohne eine massive finanzielle Beteiligung aus Saudi-Arabien auskommen.

Nicht einmal vier Jahre sind vergangen, seit Saudi-Arabien seine rebellische eigene Tour an den Start brachte, die alles verändern sollte. LIV Golf sollte laut Marketingbroschüre eine wilde, laute Alternative zur PGA Tour in den USA sein. In Wahrheit sollte sie vor allem beweisen, dass ein Staat, respektive sein Fonds, nicht nur als Sponsor auftreten, sondern einen ganzen Sport an sich reißen kann. Der PIF finanzierte dafür laut Schätzungen mit mehr als fünf Milliarden US-Dollar ein Unterfangen, das Jahr für Jahr Verluste im hohen neunstelligen Bereich einbrachte. Ums Geld geht es Saudi-Arabien nicht, dachten die meisten. Bis sie merkten: Alles hat ein Ende, auch die Lust auf Golf am Golf.

„LIV Golf hat den Golfsport weltweit durch seine transformativen und positiven Auswirkungen erheblich vorangebracht. Es hat den Golfsport für immer zum Besseren verändert“, bilanziert der PIF selbst zum Abschied. Verändert hat sich der Profigolfsport tatsächlich in den vergangenen Jahren, in welche Richtung allerdings, ist Gegenstand einer Debatte, die nun geführt wird: An einem Ende des Spektrums stehen diejenigen, die im Ölgeld immer schon ein moralisch verwerfliches Risiko sahen und warnten, Golf dürfe nicht zum Spielball von Regimen werden. Die Mehrheit bildeten allerdings die Opportunisten, die bereitwillig das Geld direkt aus Saudi-Arabien einkassierten oder die traditionelle PGA-Tour in den USA in gewisser Weise mit Wechselgedanken erpressten. Sie stehen nun entblößt da und können sich kaum gegen die Vorwürfe verteidigen.

Bei den LIV-Golfern macht sich Angst vor Arbeitslosigkeit breit

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge haben bereits mehrere LIV-Tour-Spieler ihre Agenten angewiesen, Rückkehr-Möglichkeiten zu verhandeln: Bei den LIV-Golfern herrscht derzeit offenbar eine gewisse Panik vor, demnächst arbeitslos zu sein. Wie die etablierten Touren in den USA und Europa mit den Rückkehrern umgehen, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen. Erschwerend kommt hinzu, dass derzeit beide Touren gegen mehrere ehemalige Spieler einen Rechtsstreit führen: Die Spieler wurden nach ihren Weggängen vor allem in Europa zu Strafzahlungen wegen Vertragsbruchs verurteilt, weigerten sich allerdings zu bezahlen. Die Fronten waren Insidern zufolge zuletzt noch verhärtet.

Auszuschließen ist die vorübergehende Arbeitslosigkeit für zahlreiche Golfspieler also tatsächlich nicht: Die LIV Tour gibt sich derzeit zwar trotzig und will alternative Finanzierungsmöglichkeiten finden. Ob das ausreichen wird, um all die Taschen zu stopfen? Wohl kaum, der Ausstieg Saudi-Arabiens folgt womöglich nicht zufällig in diesem Jahr: Die Verträge einiger bekannter LIV-Spieler laufen am Saisonende aus, Verlängerungen wären kostspielig. Der US-Amerikaner Bryson DeChambeau etwa soll laut übereinstimmenden Medienberichten eine Prämie von einer halben Milliarde US-Dollar fordern.

Ohne Saudi-Arabien als Finanzier sind solche Summen für eine Tour kaum zu stemmen, die auf einmal doch wie ein normales Wirtschaftsunternehmen funktionieren muss. In einer Art Starre befindet sich das Projekt LIV Golf daher nun, für den Rest der Saison, die sich noch bis in den Spätsommer streckt. Unabhängig davon, ob bis dahin eine Fortsetzung in anderer Form gelingt, steht spätestens dann für alle Opportunisten im Golfsport fest: Die fetten Jahre sind vorbei.



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