Frisches Geld für Solaranlagen auf Behördendächern
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1Komma5 Grad: Frisches Geld für Solaranlagen auf Behördendächern
Das Energieunternehmen 1Komma5 Grad will Tausende öffentlicher Gebäude mit erneuerbarer Energie versorgen. Den Steuerzahler sollen die Anlagen selbst nichts kosten
Das Hamburger Energieunternehmen 1Komma5 Grad drängt in den Markt für öffentliche Aufträge in Deutschland. Nach Capital-Informationen hat sich der Anbieter, der unter anderem Solaranlagen, Speicher und Wärmepumpen verkauft, zu diesem Zweck mit der Deutschen Bank und der Norddeutschen Landesbank (Nord/LB) zusammengetan, die eine Finanzierung von bis zu 500 Mio. Euro bereitstellen wollen.
Die Idee: Behörden bekommen für ihre Gebäude von 1Komma5 Grad Photovoltaik, Stromspeicher und bei Bedarf auch Wallboxen für Elektroautos, ohne für die Anlagen oder die Installation selbst aufkommen zu müssen. Das Energieunternehmen übernimmt im Gegenzug mit seinem Energiemanagementsystem den Betrieb und schließt mit der jeweiligen Einrichtung für eine feste Laufzeit einen Vertrag über Stromlieferungen ab.
„Aktuell passiert praktisch nichts“
Angesichts der angestrebten Klimaneutralität bis 2045 und der Debatte um Versorgungssicherheit in Deutschland setzen die Projektpartner auf eine Welle öffentlicher Ausschreibungen in den kommenden Jahren – und auf ein dementsprechend großes Potenzial: „Wir haben im öffentlichen Sektor etwa 120.000 Gebäude in Deutschland, und die Durchdringung mit erneuerbaren Energien liegt bei ungefähr 0,1 Prozent“, sagt Marvin Endres, Geschäftsführer für den Bereich Gewerbekunden bei 1Komma5 Grad. „Das bedeutet, es passiert aktuell praktisch nichts.“
Hinzu kommt, dass Solaranlagen im privaten Bereich derzeit oft nicht netzdienlich eingesetzt werden – also nicht unbedingt dann Strom ins Netz einspeichern, wenn er am dringendsten gebraucht wird. Das Hamburger Unternehmen will das mit seiner eigenen Software ändern, durch die Stromquellen zu einem virtuellen Kraftwerk zusammengeschlossen werden. Damit können Preisschwankungen auf den Strommärkten ausgenutzt werden, wodurch sich Geld verdienen lässt. Der Vorstoß für den öffentlichen Sektor richtet sich daher auch auf komplette Gebäude-Portfolios, die nach und nach ausgerüstet werden und nicht auf einzelne Objekte.
Pilotprojekt in Niedersachsen
Als Testlauf für 1Komma5 Grad dient ein Pilotprojekt im rot-grün regierten Niedersachsen: Das Unternehmen erhielt dort den Zuschlag für die Installation und den Betrieb von Solaranlagen auf 550 landeseigenen Gebäuden. Das Projekt läuft aktuell bereits an, so werden Gebäude wie das Finanzamt Bad Gandersheim am Rande des Harzes mit Anlagen ausgerüstet. Auch in diesem Fall sichert die Nord/LB die Finanzierung.
Mit seinem bundesweiten Projekt setzt der Betreiber allerdings auf ein deutlich größeres Auftragsvolumen. „Auf kommunaler und Landesebene heißt es oft, die Budgets seien erschöpft und deshalb komme die Energiewende nicht voran“, sagt Endres. „Wir zeigen jetzt, dass eine halbe Milliarde Euro vorstrukturiert bereitsteht und dass die Umsetzung funktioniert.“ Mit den von den Banken bereitgestellten Geldern könnten „etwa 10.000 Gebäude vollumfassend mit Energiesystemen“ ausgestattet werden.
Vom 20. bis 22. Mai findet auf der Nordseeinsel Norderney eine Konferenz der Energieminister der Bundesländer statt. Die Teilnehmer dürften sich dort nicht nur mit der Energiepolitik der Bundesregierung auseinandersetzen, sondern auch unter Druck stehen, ihre eigenen Anstrengungen für einen Umbau der Stromversorgung zu erhöhen.
