Flughafen Frankfurt: Zweifel an Fraport-Aussagen zu Flugrouten



So aufgebracht wie im Oktober sind die Gemüter in den Kommunen zwar nicht mehr. Doch so einig, wie es jüngst von Fraport dargestellt worden sei, sei man sich längst nicht über die neuen Flugrouten. Zumindest Flörsheim, Hattersheim, Hochheim, Hofheim und die Landeshauptstädte Mainz und Wiesbaden sind ganz und gar nicht einverstanden, weder mit dem Konzept noch mit der Art, wie es kommuniziert worden war.

„Alle waren entsetzt, dass man uns veralbert“, berichtet Hochheims Bürgermeister Dirk Westedt (FDP) von der Sitzung der Fluglärmkommission im vergangenen Herbst. „Man sagte uns, man arbeite an der Unabhängigkeit der Südumfliegung, tatsächlich wurde etwas ganz anderes ausgearbeitet.“

Fraport, die Betreiberin des Frankfurter Flughafens, und die Deutsche Flugsicherung (DFS) wollen bei der Startrichtung nach Westen zu besonders nachgefragten Zeiten aus Sicherheitsgründen mehr Flugzeuge über die Nordwestrouten, also Flörsheim und Eddersheim, starten lassen. Die Gemeinden Rüsselsheim und Nauheim, die besonders von der sogenannten Südumfliegung betroffen sind, würden dadurch entlastet, so Fraport.

„Es kommt morgens alles runter, und es muss morgens alles raus“

Das neue Betriebskonzept soll frühestens von 2028 an gelten und nur einen kleinen Teil der Starts am Flughafen betreffen. Zwei Drittel der Flugzeuge heben unabhängig vom Wind über die Startbahn West in Richtung Süden ab. Von dem letzten Drittel, das von der Centerbahn abhebt, starten 75 Prozent in Richtung Eddersheim und Flörsheim. Um diese 75 Prozent von 33 Prozent gehe es, und auch nur in Zeiten von Verkehrsspitzen. Laut Fraport seien weniger als zehn Prozent der Flugbewegungen von dem neuen Konzept betroffen, Fraport-Chef Schulte spricht von maximal zwei zusätzlichen Starts je Stunde über die Nordwestrouten.

„Das stimmt nicht, das kann man nachrechnen“, sagt dagegen Westedt. Die Maschinen, die über die betroffenen Kommunen starteten, bündelten sich vor allem in den späten Abendstunden, so die Vertreter der Kommunen, und brausten dann eher im Zehnminutentakt über die Köpfe. Verspätungen würden abends über eine Einzelfreigabe nach Nordwest abgebaut, das betreffe besonders die schweren Transatlantikmaschinen in die Vereinigten Staaten. Oder, in den Worten von Westedt: „Es kommt morgens alles runter, und es muss morgens alles raus. Und alles über uns.“

Weil die Kommunen die Zahlen von Fraport nicht nachvollziehen können, haben sie nun Akteneinsicht beim hessischen Wirtschaftsministerium beantragt. Der Fachanwalt, der sie vertrete, prüfe momentan bereits die ersten Unterlagen.

Die Enttäuschung der Kommunen reicht zudem lange zurück. „Die Geschichte des Flughafenausbaus ist eine Kette von gebrochenen Versprechungen“, sagt Janina Steinkrüger (Die Grünen), Verkehrsdezernentin in Mainz. Und Westedt ergänzt: „Beim Bau der Nordwest-Landebahn sollten es nur noch elf Starts sein, pro Stunde etwa zwei Maschinen. Diese positive Entwicklung ist nie eingetreten.“ Man merke im Gegenteil, dass die Südumfliegungen abnähmen. „Trotz der im Planfeststellungsbeschluss angenommenen 141.000 Flugbewegungen weniger sind rund 6000 Personen in Fluglärmschutzbereichen mehr betroffen“, sagt Westedt. Und nur weil es insgesamt weniger Flugbewegungen gebe, würden die südlichen Gemeinden wie Rüsselsheim überhaupt entlastet.

Die Auswirkungen sind nicht nur der Fluglärm, sondern auch Beschränkungen in der Entwicklung. „Das bedeutet für die Kommunen auch eine Siedlungssperre“, sagte der Flörsheimer Bürgermeister Bernd Blisch. Hattersheims erste Stadträtin Heike Seibert (parteilos) berichtet von sozialen Einrichtungen wie Kitas, die dann nicht mehr gebaut werden könnten, weil sie in Lärmschutzzonen lägen. Umgekehrt gehe aber der Bodenlärm durch nächtliche Schubphasen und Hilfstriebwerke nicht in die Berechnungen ein. „Mir fehlen allmählich die Argumente, was ich meinen Bürgern an die Hand geben soll, was nun stimmt und was nicht“, sagt Seibert. Auf die Lärmschutzmaßnahmen der Fraport wie dreifach verglaste Fenster zu verweisen, helfe da wenig. „Die Bürger wollen nicht mehr Lärmschutz, sie wollen weniger Lärm.“



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