Felix Nmecha: WM-Lichtblick und glühender Jesus-Anhänger


Kein Spieler aus dem Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft trägt seinen christlichen Glauben so vor sich her wie Felix Nmecha. Der Mittelfeldspieler, der bei der Fußball-WM im Auftaktspiel der Deutschen gegen Curaçao das erste Tor erzielte, ist gläubiger Christ und glühender Anhänger von Jesus.

„Fußball ist meine Leidenschaft, Jesus ist mein Fundament“, ist auf seiner Instagram-Seite zu lesen. „Jedes Mal, wenn ich das Spielfeld betrete, geht es nicht um mich, sondern darum, Gott zu verherrlichen“, sagte er einst auf dem Youtube-Kanal seines damaligen Klubs VfL Wolfsburg.

Nmecha: „Jesus wird durch das Spiel verherrlicht“

Als die deutsche Mannschaft zum Curaçao-Spiel vor der Arena in Houston vorfuhr, stieg Nmecha mit einer Bibel in der Hand aus dem Bus. Nach seinem Treffer zum 1:0 kniete er sich auf den Rasen, zeigte gen Himmel und tat dann so, als würde er sich eine Krone vom Kopf nehmen, um sie Jesus zu Füßen zu legen. Nach dem Abpfiff bildete er gemeinsam mit Jonathan Tah und vier Spielern Curacaos einen Kreis und es wurde gemeinsam gebetet.

„Im Spiel sind wir Gegner, aber nach dem Spiel sind wir alle Christen, wir sind alle Brüder und sehr dankbar“, erläuterte Nmecha die Aktion im Interview mit dem deutschen Fernsehen. „Im Ganzen glauben wir, dass Jesus durch das Spiel verherrlicht wird. Deswegen sind wir zusammengekommen und haben zusammen gebetet.“

Transfeindliche und homophobe Inhalte

Der Glaube ist Privatsache. Wie sehr, warum und an welchen Gott man glaubt, ist jedem Menschen freigestellt und in Artikel 4 des deutschen Grundgesetzes sogar garantiert. Allerdings glaubt Felix Nmecha nicht nur privat, sondern demonstrativ auf öffentlicher Bühne und erntet damit nicht nur Zustimmung, sondern auch Ablehnung und Kritik.

Einige Aussagen und Taten Nmechas wie sein Jubel oder das demonstrative Herumtragen einer Bibel mögen weniger oder gar nicht religiösen Menschen einfach nur übertrieben oder sogar skurril erscheinen. Problematisch wird es jedoch dort, wo andere Menschen oder Gruppierungen diffamiert und ihnen Menschenrechte abgesprochen werden.

Felix Nmecha (l.) vom VfL Wolfsburg 2022 im Bundesligaspiel gegen Borussia Dortmund am Ball
Bevor Felix Nmecha 2023 von Wolfsburg zu Dortmund wechselte, gab es Proteste der BVB-FansBild: Dennis Ewert/RHR-FOTO/picture alliance

Als Nmecha 2023 vom VfL Wolfsburg zu Borussia Dortmund wechselte, gab es Proteste der BVB-Fans, weil der Spieler zuvor auf seinem Instagram-Account mehrfach transfeindliche und homophobe Inhalte verbreitet oder geliked hatte. In einem der Posts wurden die LGBTQ+-Bewegung und der Begriff „Pride“ mit dem Teufel verglichen. In einem anderen verhöhnte ein US-amerikanischer Rechtsextremist eine minderjährige Transperson.

Nmecha löschte angesichts der lauten Kritik einige Posts und gab stattdessen ein Statement ab, in dem er schrieb: „Auf meinem bisherigen Weg im Fußball habe ich Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen, ethnischen Zugehörigkeiten und Glaubensrichtungen kennengelernt. Es ist mir wichtig zu betonen, dass ich alle Menschen aufrichtig liebe und niemanden diskriminiere.“

Nicht jeder nahm ihm diesen Wandel ab. „Dieses Posting ist nicht ehrlich“, kommentierte ein User. „Ehrlich waren die inzwischen gelöschten Postings von irgendwelchen extremen Predigern, die übrigens rein gar nichts mit dem christlichen Glauben zu tun haben.“

BVB-Boss Watzke: „Ein ganz normaler Fußballer“ 

Der Wechsel zum BVB fand 2023 trotzdem statt. Die Vereinsführung setzte sich vorher mit Nmecha zusammen und sprach intensiv über dessen Werte und Ansichten. „Ein ganz normaler Junge“, meinte BVB-Chef Hans-Joachim Watzke anschließend. „Ein ganz normaler Fußballer.“ Es gebe keine Bedenken gegen den Transfer. Allerdings erhielt Nmecha die Vorgabe, im Verein nicht missionarisch aufzutreten.

Für Aufsehen sorgte er erst wieder im September 2025, als er via Instagram den Mord am konservativen US-Aktivisten Charlie Kirk betrauerte. Allerdings unterstützte er nicht dessen Thesen, sondern betrauerte den gewaltsamen Tod eines zweifachen Familienvaters und Ehemanns.

„Jesus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben“, schrieb Nmecha. „Die Ermordung eines zweifachen Vaters und Ehemanns, eines Mannes, der friedlich für seine Überzeugungen und Werte einsteht, zu feiern, ist wirklich böse und zeigt, wie sehr wir Jesus Christus wirklich brauchen.“ Später löschte er den Post wieder.

Religiöser Mentor in England

Eine wichtige Bezugsperson für Nmecha ist der ehemalige Fußballprofi John Bostock, der in seiner aktiven Zeit zwischen 2007 und 2024 unter anderem in Belgien, Frankreich, der Türkei und der zweiten englischen Liga spielte.

Der Engländer mit Wurzeln in Trinidad und Tobago hat 2015 das Netzwerk „BIG“ („Ballers in God“) gegründet und aufgebaut. Er ist überzeugter Christ und wollte eine Gemeinschaft schaffen, in der sich Profifußballer gegenseitig im Glauben stärken, gemeinsam beten und die Bibel lesen können.

Fußballspieler John Bostock 2024 bei Derby County
John Bostock, bis 2024 selbst Fußball-Profi, gründete 2015 das Netzwerk „Ballers in God“Bild: Jon Hobley/MI News/NurPhoto/picture alliance

Mittlerweile ist „BIG“ zu einer internationalen Community gewachsen, die Spieler miteinander verbindet und ihnen hilft, ihren Glauben auch im Profialltag zu leben. Zu ihnen gehört auch Felix Nmecha, der Bostock als seinen Mentor bezeichnet.

Auf dem X-Kanal (24.600 Follower) und auf Instagram (757.000 Follower) präsentiert „BIG“ Fotos und Videos von Fußballern, die beim Jubeln oder im Gebet auf dem Platz Jesus als den größten König von allen huldigen oder in Interviews über ihren Glauben sprechen.

Neben vielen anderen prominenten Fußballern taucht dort auch sehr oft Felix Nmecha auf – unter anderem mit seiner „Crowns down celebration“ gegen Curaçao, die offenbar auch einige andere Spieler nutzen, um ihre Verehrung für Jesus zu demonstrieren.

Akzeptierter Teamkollege, beliebter Mitspieler

Ist Felix Nmecha also, wie BVB-Boss Watzke einst sagte, „ein ganz normaler Fußballer“? Im Team scheint sein offen praktizierter Glaube kein Problem zu sein. Nmecha ist akzeptiert und ein geschätzter Mitspieler.

„Er ist ein super Fußballer, der wird uns viel Freude bereiten wird“, sagte Bundestrainer Julian Nagelsmann über Nmecha. “ Mit Felix macht es sehr viel Spaß, er ist ein Top‑Top‑Kicker“, lobte Aleksandar Pavlovic.

Fakt ist aber wohl auch: Er ist definitiv der religiöseste unter den deutschen WM-Teilnehmern und sticht damit heraus.





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