Fed lässt Leitzins auch unter neuem Chef Warsh unverändert


Der Leitzins bleibt in den USA in einer Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent. Das teilte die Federal Reserve (Fed) nach ihrer ersten Sitzung unter der Leitung ihres neuen Chefs von Kevin Warsh mit. US-Präsident Donald Trump hatte den 56-Jährigen in  der Erwartung nominiert, dass Warsh den Leitzins deutlich senkt und damit Kredite verbilligt.

Die Entscheidung der zwölf zuständigen Notenbankmitglieder für einen stabilen Leitzins fiel einstimmig, wie es in einer Erklärung hieß – das war seit rund einem Jahr nicht mehr vorgekommen. Zugleich deuteten mehrere Fed-Mitglieder an, dass sie noch in diesem Jahr eine Leitzinserhöhung erwarten. Der US-Dollar legte daraufhin gegenüber dem Euro zu. Trumps Zinssenkungswunsch dürfte also auch unter Warshs Ägide so bald nicht in Erfüllung gehen – ganz im Gegenteil.

Zur Beibehaltung des Leitzinses sagte Trump während seines Frankreich-Besuchs zunächst, dies sei „okay, nicht so wichtig“. Die Fed werde mittlerweile von einem „sehr guten Typen“ geleitet, „also werde ich mich führen lassen von dem, was er will“, fügte der US-Präsident mit Blick auf Warsh hinzu.

Trump: „Es ist kaum zu glauben“

Der Versuch, sich nichts anmerken zu lassen, gelang aber nicht vollständig. Von Journalisten darauf angesprochen, dass die Geldpolitik womöglich im weiteren Jahresverlauf eher gestrafft als, wie von ihm erhofft, gelockert werden dürfte, überkam es Trump dann doch: „Es ist kaum zu glauben“, sagte der US-Präsident. „Das zieht das Land einfach nur runter, und es ist so ungewöhnlich.“

USA Washington 2026 | Kevin Warsh bei Anhörung zu seiner Nominierung als Vorsitzender der Federal Reserve (21.04.2026)
Kevin Warsh ist seit Mai Chef der US-Notenbank FedBild: Michael Brochstein/ZUMA/IMAGO

Die Entscheidung der Fed fiel angesichts massiv gestiegener Verbraucherpreise in den USA. Die Inflation war durch den Ölpreisschock im Iran-Krieg im Mai auf ein Drei-Jahres-Hoch von 4,2 Prozent gestiegen – mehr als das Doppelte der Fed-Empfehlung von 2,0 Prozent. Zugleich zeigte sich der Arbeitsmarkt robuster als erwartet.

Warsh bekräftigt Preisstabilität als Ziel

Warsh sagte vor Journalisten, der Leitzins-Ausschuss der Fed werde „für Preisstabilität sorgen“, wie es das Mandat der Notenbank vorsieht. Er hatte Ende Mai die Nachfolge des langjährigen Fed-Chefs Jerome Powell angetreten. Trump hatte Powell immer wieder als „Versager“ beschimpft, weil er sich nicht für die gewünschte Absenkung des Leitzinses einsetze. Damit stellte Trump die Unabhängigkeit der Fed infrage.

Warsh hatte gesagt, er wolle diese verteidigen. Zugleich bekräftigte er seine Absicht, einen Kurswechsel bei der Notenbank herbeizuführen und ein „neues Kapitel“ aufzuschlagen. Er kündigte Reformen in fünf Schlüsselbereichen an, die nach seinen Worten einen „frischen Blick“ benötigen, darunter die Kommunikation und die Bilanz der Fed. Dazu setzte er Arbeitsgruppen ein, die bis spätestens zum Jahresende Ergebnisse vorlegen sollen.

gri/AR (afp, dpa, rtr)



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