Erneut Ebola-Ausbruch in Republik Kongo


In der Demokratischen Republik Kongo ist es erneut zu einem Ausbruch des Ebola-Virus gekommen. Es seien bereits 65 Menschen an den Folgen der Virusinfektion gestorben, 246 stünden unter Verdacht, sich infiziert zu haben, meldete die Africa CDC, die Seuchenkontrollorganisation der Afrikanischen Union in Addis Abeba, Äthiopien.

Von diesen Verdachtsfällen seien 13 durch diagnostische Tests in einem Labor in der Hauptstadt Kinshasa bestätigt worden. Vier davon hätten sich in der nordöstlichen Provinz Ituri an der Grenze zu Uganda und Sudan infiziert und seien verstorben.

Wenn es so losgeht, ist es meistens katastrophal.

 Maximilian Gertler, Tropenmediziner der Berliner Uniklinik Charité

Unklar ist, um welche Variante der auslösenden, sogenannten Orthoebolaviren es sich handelt. Erste Untersuchungen deuten allerdings darauf hin, dass es sich dieses Mal nicht um die vergleichsweise häufige Zaire-Variante handelt, gegen die es Medikamente und Impfungen gibt. Ergebnisse einer Erbgut-Sequenzierung, mit der die Virusvariante festgestellt werden kann, werden laut Africa CDC innerhalb der nächsten 24 Stunden erwartet.

Bekannt seien vier verschiedene Virustypen, die Menschen befallen können, sagt Anne Cori vom Imperial College London: „Zaire, Sudan, Bundibugyo und Tai Forest.“ Die Zaire-Variante sei aufgrund der Beteiligung an großen Ausbrüchen wie in Westafrika von 2013 bis 2016 am besten dokumentiert. „Der Sudan-Typ hat seit 1976 neun Ausbrüche verursacht, zuletzt im Januar 2025.“ Bundibugyo habe nur zwei Ausbrüche verursacht, und Tai Forest habe bislang nur eine einzige Person in der Elfenbeinküste infiziert, 1994.

„Sollte sich bestätigen, dass eine andere Variante als Zaire diesen Ausbruch verursacht hat, könnte es potenziell besonders herausfordernd werden, den Ausbruch zu kontrollieren, da Impfstoffe dann fehlen“, äußerte sich Cori gegenüber dem britischen Science Media Center. Zwar gebe es einen zugelassenen Ebola-Impfstoff, der im Falle eines Ausbruchs bereitgestellt werden könne, etwa zur Impfung von Kontaktpersonen, doch dieser schützt nur vor einer Infektion mit der Zaire-Variante.

Hohe Sterblichkeitsrate

Dies wäre der zweitgrößte Ausbruch einer Nicht-Zaire-Virusvariante, sagt Cori. Das sei „besonders bedeutsam, da es darauf hindeutet, dass eine ungewöhnlich hohe Zahl von Verdachtsfällen identifiziert wurde, bevor der Ausbruch offiziell gemeldet wurde.“

Dies lasse vermuten, dass der Ausbruch wahrscheinlich mehrere Wochen oder sogar Monate lang unentdeckt geblieben sei, was die wirksame Umsetzung von Standardmaßnahmen zur Eindämmung, wie beispielsweise die Kontaktverfolgung, erheblich erschweren könne.

HANDOUT - Colorized scanning electron micrograph of Ebola virus particles (green) both budding and attached to the surface of infected VERO E6 cells (orange). Image captured and color-enhanced at the NIAID Integrated Research Facility in Fort Detrick, Maryland.
Credit: NIAID


ACHTUNG: Frei nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Studie bei Nennung des Credits. Foto: NIAID
Unter dem Elektronenmikroskop (hier nachkoloriert) sind verschiedene Ebolavirusvarianten nicht voneinander zu unterscheiden, dazu braucht es Erbguttests.

© NIAID

„Wenn es so losgeht, ist es meistens katastrophal“, meint auch Maximilian Gertler, Tropenmediziner der Berliner Uniklinik Charité. Der Ausbruch müsse seit Monaten unentdeckt vorangeschritten sein, falls sich die hohe Zahl der Verdachtsfälle tatsächlich als Infektionen bestätige. Vermutlich kommt der Erreger „aus einer sehr abgelegenen Gegend“, so der Experte, der bereits mehrfach bei Ebola-Ausbrüchen im Einsatz war.

Die Africa CDC äußerte sich besorgt darüber, dass der Ausbruch in einer städtischen Grenzregion ablaufe. Die intensiven Bevölkerungsbewegungen dort bergen das Risiko, dass sich der Erreger rasch in die angrenzenden Länder verbreitet. Eine dringende Sitzung zur Koordinierung mit Gesundheitsbehörden aus dem Kongo, Uganda und dem Südsudan sowie internationalen Gesundheitsorganisationen sei daher einberufen worden.

Ebola gehört zu den hämorrhagischen Erkrankungen. „Die Symptome können plötzlich auftreten und umfassen Fieber, Erschöpfung, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen und Halsschmerzen, gefolgt von Erbrechen, Durchfall, Hautausschlag sowie inneren und äußeren Blutungen“, sagt Cori. 

Ohne sofortige Behandlung sterben laut Robert-Koch-Institut etwa 90 Prozent der Infizierten. Als Behandlungsoption gibt es lediglich zwei monoklonale Antikörper, die nur gegen die Zaire-Variante wirken. Meist können die Ärzte lediglich mit Wasser die Dehydrierung bekämpfen und den Blutdruck stabilisieren.

Konflikte machen Eindämmung schwierig

Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. Diese Übertragung zu verhindern, ist die wirksamste Bekämpfungsmaßnahme eines Ebola-Ausbruchs. Kontaktverfolgung, Isolation von Verdachtsfällen und sichere Begräbnisse der (infektiösen) an Ebola Gestorbenen. In den Jahren 2014 und 2015 gelang das jedoch erst sehr spät, bei dem Ausbruch in Westafrika starben mehr als 11.000 Menschen. 

Die Demokratische Republik Kongo wird immer wieder von Ebola-Ausbrüchen heimgesucht. Im September 2025 starben bei der insgesamt 16. Ebola-Epidemie seit 1976 in der südwestlichen Provinz Kasaï 45 Menschen. Insgesamt hat die Weltgesundheitsorganisation WHO 40 Ebola-Ausbrüche in Afrika seit 1976 registriert.

Das Risiko für europäische Länder sei jedoch „sehr gering“, sagt Cori. Selbst zwischen 2013 und 2016, als es in Westafrika zeitweise zehntausende Ebola-Infizierte gab, gab es nur eine Handvoll Fälle, in denen Infizierte die Erkrankung in die USA oder nach Europa einschleppten.

Allerdings tobe in der Ituri-Provinz ein „brutaler Konflikt“, gibt der Mediziner Paul Hunter von der Universität East-Anglia in England zu bedenken, „in dessen Verlauf Zivilisten ins Visier genommen wurden“. Das mache eine Eindämmung des Ausbruchs schwierig, da Helfer bei früheren Ausbrüchen ermordet wurden. Schon jetzt habe der Konflikt die Erkennung des Ausbruchs verzögert, „was wiederum zu einer verspäteten Intervention und einer anhaltenden Ausbreitung beigetragen hat“. (mit dpa)



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