Die Bedeutung der US-Militärbasen in Deutschland


Nein, gefallen haben sie ihm offensichtlich nicht, die jüngsten Äußerungen von Bundeskanzler Merz zum Iran-Krieg. „Merz weiß gar nicht, wovon er spricht“, zürnte Donald Trump.

Merz hatte ihm Anfang der Woche vorgeworfen, die Amerikaner hätten „offensichtlich keine Strategie“ im Umgang mit Teheran: „Da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung“, hatte Merz erklärt und damit den Zorn des US-Präsidenten auf sich gezogen.

Nun droht Trump sogar damit, die US-Truppenpräsenz in Deutschland zu reduzieren. Eine Entscheidung darüber solle „in Kürze“ fallen, was den deutschen Kanzler offenbar dazu bewog, erneut die Bedeutung der transatlantischen Partnerschaft mit den USA zu unterstreichen. 

Es ist nicht das erste Mal, dass der US-Präsident einen Teilabzug von US-Soldaten in Erwägung zieht. Dabei spielen die militärischen Einrichtungen der USA in Deutschland eine wichtige Rolle weit über die eigentlichen Landesgrenzen hinaus.

Welches sind die wichtigsten US-Basen in Deutschland?

Derzeit sind zwischen 35.000 und 39.000 US-Soldaten in Deutschland stationiert. Sie verteilen sich auf rund 20 Standorte insbesondere im Süden und Südwesten des Landes – zählt man kleinere Militärdepots hinzu, sind es sogar rund 40 Standorte.

Ramstein und Spangdahlem

Die Ramstein Air Base in Rheinland-Pfalz etwa ist der größte US-Militärstützpunkt außerhalb der USA. Sie ist das logistische Drehkreuz für Truppen, Ausrüstung und Frachtgüter auf dem Weg in den Nahen Osten, nach Afrika oder nach Osteuropa.

Ramstein ist Hauptquartier der US-Luftwaffe in Europa und NATO-Kommandozentrale für die militärische Luftraumüberwachung aller europäischen NATO-Partner. Außerdem beherbergt die Air Base eine Satelliten-Relaisstation, die für den Einsatz von US-Kampfdrohnen, etwa im Nahen Osten, von großer Bedeutung ist. Da die Erdkrümmung eine direkte Steuerung aus den USA verhindert, werden die Signale von dort über Ramstein per Satellit an die Drohnen weitergeleitet.

Transportmaschinen und Tankflugzeuge auf dem Vorfeld der US-Airbase Ramstein
Logistisches Drehkreuz in der deutschen Pfalz: der US-Luftwaffenstützpunkt RamsteinBild: Boris Roessler/dpa/picture alliance

Von enormer Bedeutung ist die Basis auch, weil verletzte Soldaten aus Europa, Afrika oder dem Nahen Osten nach Ramstein ausgeflogen und im direkt angrenzenden Landstuhl Regional Medical Center behandelt werden, dem größten US-Militärkrankenhaus außerhalb der USA. Beide Einrichtungen sind Teil der Kaiserslautern Military Community (KMC), die insgesamt mehr als 50.000 US-Amerikaner – Soldaten, zivile Angestellte und deren Familien – umfasst.

Rund 120 Kilometer nordwestlich davon befindet sich die Spangdahlem Air Base, der zweite große US-Luftwaffenstützpunkt in Deutschland. Anders als Ramstein ist Spangdahlem vor allem ein operativer Kampfstandort.

Stationiert ist hier ein Jagdgeschwader mit rund 20 F-16-Kampfjets, das als schnelle Eingreiftruppe in Kriegs- und Krisenzeiten fungieren soll. Das Geschwader dient der Absicherung der NATO-Ostflanke und ist darauf spezialisiert, im Ernstfall die feindliche Luftverteidigung auszuschalten.

Stuttgart und Wiesbaden

Während Ramstein und Spangdahlem so etwas wie die „operativen Fäuste“ des US-Militärs sind, gelten Stuttgart und Wiesbaden als das „strategische Gehirn“. So befindet sich in Stuttgart sowohl das Hauptquartier des U.S. European Command (EUCOM) als auch des U.S. Africa Command (AFRICOM).

Von hier aus werden alle US-Militäraktivitäten auf diesen beiden Kontinenten gesteuert. In Wiesbaden sitzt zudem das Hauptquartier für alle US-Landstreitkräfte in Europa und Afrika. Hier werden auch westliche Waffenlieferungen und Ausbildungsprogramme für die ukrainische Armee koordiniert.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zu Besuch bei der US-Heeresgarnison in Wiesbaden
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zu Besuch bei der US-Heeresgarnison in WiesbadenBild: Ukraine Presidency/Ukrainian Pre/ZUMAPRESS/picture alliance

Grafenwöhr und Hohenfels

In diesen beiden bayrischen Gemeinden östlich von Nürnberg befindet sich das Joint Multinational Readiness Center (JMRC), das wichtigste Ausbildungszentrum des US-Militärs in Europa. Grafenwöhr beherbergt einen der größten und modernsten Truppenübungsplätze der Welt, auf dem der Einsatz von Waffensystemen mit scharfer Munition trainiert wird.

In Hohenfels werden realistische Kriegsszenarien in künstlichen Dörfern – teils auch mit Zivilisten als Komparsen – nachgestellt. An beiden Standorten trainieren jährlich tausende NATO-Soldaten, um die länderübergreifende Zusammenarbeit zu verbessern.

US-amerikanische Bradley-Panzer bei einem Manöver auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr
US-amerikanische Bradley-Panzer bei einem Manöver auf dem Truppenübungsplatz GrafenwöhrBild: US Army/ZUMA Wire/IMAGO

Büchel

Der Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz gilt als einzig verbliebener Atomwaffenstandort in Deutschland – auch wenn weder die USA noch Deutschland das je offiziell bestätigt haben. Deutschland ist – wie andere europäische Länder auch – beteiligt an der sogenannten „nuklearen Teilhabe“ der NATO. Das bedeutet, dass die USA Atomwaffen in Europa lagern, die im Ernstfall von Flugzeugen ihrer europäischen NATO-Partner ins Ziel geflogen werden.

Insgesamt, vermutet etwa das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI, sollen die USA hier 15 bis 20 taktische Atombomben stationiert haben. Der Fliegerhorst beherbergt ein speziell ausgebildetes taktisches Luftwaffengeschwader der Bundeswehr sowie eine US-amerikanische Munitionsunterstützungsstaffel zur Wartung und Instandhaltung der hier gelagerten Waffen.

Baukräne stehen auf dem Gelände des Fliegerhorst Büchel in der Eifel
Baukräne über Büchel: Derzeit wird der Fliegerhorst für bis zu zwei Milliarden Euro umgebaut und modernisiertBild: Thomas Frey/dpa/picture alliance

Warum gibt es in Deutschland so viele US-Stützpunkte?

Dies hat seinen Ursprung in den Nachwehen des Zweiten Weltkrieges. Nach dem Sieg der Alliierten über Nazideutschland wurde der Westteil, die spätere Bundesrepublik Deutschland (BRD), in drei Besatzungszonen aufgeteilt: eine britische, eine französische und eine US-amerikanische. Letztere umfasste vor allem den Süden und Südwesten Deutschlands, weshalb sich hier bis heute die US-Truppen konzentrieren.

Mit Beginn des Kalten Krieges wandelte sich die Bedeutung (West-)Deutschlands vom Besiegten zum Verbündeten der USA: Die Bundesrepublik war ein Frontstaat mit unmittelbarer Grenze zur DDR und der Tschechoslowakei, zwei Ländern des Warschauer Paktes.

Westdeutschen wie US-Amerikanern zugleich war sehr am Ausbau einer dauerhaften US-Militärpräsenz gelegen, die zur Abschreckung gegenüber der Sowjetunion dienen sollte. Im Zuge dessen waren im Jahr 1985 zeitweise sogar über 250.000 US-Soldaten hier stationiert.

Auch nach dem Zusammenbruch des Sowjetregimes 1989/90 blieb die geographische Lage Deutschlands in der Mitte Europas strategisch günstig für die USA. Die vorhandenen Basen wurden weiter zur Unterstützung von US-Militäreinsätzen – etwa im Nahen Osten und Afrika, aber auch zur Sicherung der NATO-Ostflanke gegenüber Russland genutzt – auch wenn die Zahl der hierzulande stationierten US-Soldaten seitdem stetig gesunken ist.

Wie groß ist die wirtschaftliche Bedeutung der Basen?

Für die betroffenen Kommunen sind die US-Militärbasen ein extrem wichtiger Wirtschaftsfaktor. Viele der Stützpunkte befinden sich in ländlichen, eher strukturschwachen Regionen; dort ist das US-Militär oft der größte Einzelinvestor und Arbeitgeber.

Insgesamt arbeiten mehr als 10.000 zivile deutsche Angestellte direkt für die US-Armee; indirekt – in Zulieferbetrieben, im Bausektor oder im Dienstleistungsgewerbe – hängen Schätzungen zufolge mehr als 70.000 deutsche Arbeitsplätze von ihr ab.

Trump erschüttert „Little America“ in Deutschland

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Die USA investieren jährlich Milliardenbeträgein den Betrieb, den Ausbau und die Modernisierung ihrer deutschen Stützpunkte. Und schließlich geben US-amerikanische Soldaten und ihre Familien einen Großteil ihres Soldes in deutschen Läden und Handelsunternehmen aus: So trägt allein die Kaiserslautern Military Community jährlich bis zu 3,5 Milliarden Euro zur regionalen Wirtschaft bei.



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