DFB-Kader für Fußball-WM 2026: Julian Nagelmann und seine charakterlose Kommunikation



Zuerst dachten wir, vor einer Reihe kommunikativer Unfälle zu stehen. Der Trainer der Fußballnationalmannschaft erschien uns als Irrlicht. Er redet nicht nur viel und mehr als jeder seiner Vorgänger. Er erklärt seine Entscheidungen auch ständig widerspruchsvoll. Mal stellt er Spieler ausdrücklich auf, nicht weil sie in guter Form sind, sondern um ihr Selbstvertrauen zu stärken. Kurz darauf attackiert er dieses Selbstvertrauen, indem er über den Schützen eines Siegtors wahrheitswidrig nölt, der habe vorher, „glaube ich“, nur einmal den Ball berührt und funktioniere ohnehin nur von der siebzigsten Minute an.

Nach allgemeiner Empörung entschuldigt er sich beim Spieler. Ein Innenverteidiger, der sich gern berserkerhaft verhält, wird von Nagelsmann abgemahnt. Als er sich weiter berserkerhaft verhält, schweigt der Trainer. Er sagt, er führe „Rollengespräche“ mit seinen Fußballern. Soll heißen: Wer nicht rollengetreu spielt, ist raus. Sogar Toreschießen schien eine Rollenabweichung zu sein.

So funktioniert charakterlose Kommunikation

Jetzt ist der geschmähte Deniz Undav für ihn auf einmal ein „Straßenfußballer“, den er öffentlich knuddelt. Raus aus der Startelf ist inzwischen Torhüter Oliver Baumann, dem Nagelsmann in einem solchen Rollengespräch das Gegenteil zugesichert hatte. An Baumanns Leistungen liegt es nicht. Vielmehr kommt Manuel Neuer, der im August 2024 seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt hatte, zum Zuge. Im August 2025 hatte Nagelsmann mitgeteilt, er beschäftige sich nicht mit dem Thema Neuer.

Neuer seinerseits ließ im Februar wissen, sein Rücktritt sei nach wie vor gültig. Nagelsmann damals: Alle Fakten (Rücktritt Neuers und Bestätigung des Rücktritts) sprächen für Baumann. Wörtlich: Sie sagten „relativ viel aus“. Viel noch im April: „Wir brauchen das Thema überhaupt nicht aufzumachen.“ Nur relativ am 16. Mai: Es dringt durch, Neuer werde nominiert. Relativ gar nichts drei Tage später: Am 19. Mai soll Nagelsmann in einem Rollentelefonat Baumann mitgeteilt haben, er sei nurmehr die Nummer zwei. Neuer, heißt es, sei eben der bessere Torwart. Eine Begründung erfolgt nicht.

Dem Hinspiel gegen Madrid in der Champions League mit einem überragenden Neuer steht das Rückspiel mit einem abenteuerlichen Aussetzer Neuers und seiner Hilflosigkeit beim gegnerischen Freistoßtor entgegen. Über Neuers eigenes Verhalten wollen wir, peinlich berührt, lieber schweigen. Unaufrichtig ist dasjenige Nagelsmanns. Im ZDF verwies er vergangenen Samstag darauf, erst am Donnerstag die Nominierungen bekannt zu geben.

Die bei der FIFA eingereichte Kandidatenliste kannte er angeblich nicht. Seitdem sickern täglich Namen durch. Widersprüche, Phrasen, Schwindelei. Gibt es charakterlose Kommunikation? Julian Nagelsmann sollte bald einmal ein Rollenselbstgespräch führen.



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