Deutscher Sachbuchpreis für „Dreihundert Männer“ von Konstantin Richter – Kultur


Für sein Buch „Dreihundert Männer – Aufstieg und Fall der Deutschland AG“ hat der Berliner Wirtschaftsjournalist Konstantin Richter am Montagabend in der Hamburger Elbphilharmonie den Deutschen Sachbuchpreis 2026 erhalten. Der Deutsche Sachbuchpreis ist der höchstdotierte und neben dem Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse prestigeträchtigste Preis für ein aktuelles deutschsprachiges Sachbuch.

In der Begründung der Jury hieß es, „die Deutschland-AG bestimmt bis heute unser Selbstverständnis als erfolgreiche Wirtschaftsnation“. Wie wenig „die damit verbundenen Vorstellungen und Konzepte allerdings noch auf die Gegenwart passen“, das zeige Konstantin Richter in seiner Geschichte der deutschen Wirtschaft seit der frühen Industrialisierung: „In kunstvoller Montage stellt er dar, wie das Netzwerk der ,300 Männer‘ auf persönlicher, wirtschaftlicher und politischer Ebene Deutschland geprägt hat. Deutlich wird: Das hatte seinen Preis. Nostalgie hilft nicht weiter. Konstantin Richter macht sichtbar, was sich hinter dem abstrakten Bild der ,deutschen Wirtschaft‘ verbirgt – und liefert so eine Grundlage, die richtigen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen.“

Konstantin Richter: Dreihundert Männer – Aufstieg und Fall der Deutschland AG. Suhrkamp 2025. 543 Seiten, 30 Euro.
Konstantin Richter: Dreihundert Männer – Aufstieg und Fall der Deutschland AG. Suhrkamp 2025. 543 Seiten, 30 Euro. Suhrkamp

Die Entscheidung war innerhalb der fast durchweg hochkarätigen Shortlist vielleicht nicht die zwingendste, aber doch eine wirklich gute (abgesehen davon, dass die nominierten Werke so verschieden sind, dass es eigentlich unmöglich ist, darunter ein „bestes“ zu küren). „Dreihundert Männer“ ist eine so detailreiche wie unterhaltsame Collage von Anekdoten der deutschen Wirtschaftsgeschichte von 1870 bis ins Jahr 2000. Und eine eindrucksvolle Dokumentation der Kontinuitäten und Netzwerke, die auch im 20. Jahrhundert über gigantische Umbrüche und Weltkriege hinweg erhalten und mächtig blieben. Siemens, Krupp, Bayer, Daimler – all diese Unternehmen gibt es auch im 21. Jahrhundert noch immer, doch ihr Glanz ist inzwischen doch arg verblasst.

Das Votum der Jury, wonach das Buch die Grundlage liefere, die richtigen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen, ist entsprechend womöglich doch etwas arg wolkig-versöhnliche Preisprosa. Das Buch ist vielmehr der profunde Beweis dafür, dass ein wesentlicher Teil dessen, was den gigantischen Wohlstand Deutschlands begründet und lange erhalten hat, sowohl unwiderruflich vorüber als auch kein Modell für künftigen Wohlstand ist. Das stimmt, wenn schon, eher melancholisch. Denn was das Neue sein könnte, zeichnet sich bislang ja noch nicht wirklich ab.

Neben dem Siegerbuch waren „Szenario – Die Zukunft steht auf dem Spiel“ (dtv) der Futurologin und Nato-Forschungsdirektorin Florence Gaub nominiert, sowie „Meinungsfreiheit – Wie Polizei und Justiz unser Grundrecht einschränken – und wie wir es verteidigen“ (Berlin Verlag) des SZ-Redakteurs und Juristen Ronen Steinke, „Der Schlüssel würde noch passen – Moskauer Erinnerungen“ (Droemer) der Germanistin und Kulturwissenschaftlerin Irina Scherbakowa, „Thomas Mann – Ein Leben“ (Dtv) des Literaturhistorikers Tilmann Lahme (Dtv), „Leben, Körper, Tod – Zwölf aktuelle Kontroversen der Medizinethik“ (Wallstein) der Medizinethik-Expertin Bettina Schöne-Seifert und „Sprachmaschinen – Eine Philosophie der künstlichen Intelligenz“ (C.H.Beck) des Literatur– und Medienwissenschaftlers Roberto Simanowski.

Die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels würdigt mit dem Preis seit 2021 jedes Jahr „ein herausragendes Sachbuch in deutschsprachiger Originalausgabe, das Impulse für die gesellschaftliche Auseinandersetzung gibt“. Vergangenes Jahr gewann die österreichische Comiczeichnerin Ulli Lust mit ihrer Graphic Novel „Die Frau als Mensch“. Der Preis ist insgesamt mit 42.500 Euro dotiert. Der Preisträger erhält 25.000 Euro erhält, alle übrigen sieben Shortlist-Nominierten 2.500 Euro.



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