DAX-Dividenden auf Rekordhoch: Worauf Anleger jetzt achten sollten


Eine Person schaut sich Aktienkurse auf dem Smartphone an.

Stand: 27.04.2026 • 11:05 Uhr

So viel Dividende wie nie zuvor: Die DAX-Konzerne schütten in diesem Jahr 55 Milliarden Euro aus. Warum das für Privatanleger wichtig ist und worauf es bei Dividendenaktien ankommt.

Im Frühjahr ist Zahltag an der Börse. Wenn die DAX-Konzerne zu ihren Hauptversammlungen laden, geht es für Anleger auch um die Frage, wer wie viel Dividende zahlt. In diesem Jahr fällt die Antwort besonders großzügig aus.

Für das Geschäftsjahr 2025 werden die DAX-Unternehmen voraussichtlich rund 55 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten – das ist der höchste Wert aller Zeiten. „29 von 40 DAX-Unternehmen zahlen mehr Dividende als im vergangenen Jahr“, sagte Christian Röhl, Chefvolkswirt von Scalable Capital der ARD-Finanzredaktion.

Top 5 Dividendenzahler im DAX
Unternehmen Ausschüttungssumme 2026 Dividende 2026 je Aktie im Vergleich zu 2025
Allianz

6,5 Milliarden Euro

17,10 Euro

+11,0 %

Deutsche Telekom

4,8 Milliarden Euro

1,00 Euro

+11,1 %

Siemens

4,2 Milliarden Euro

5,35 Euro

+2,9 %

Mercedes-Benz

3,3 Milliarden Euro

3,50 Euro

-18,6%

Münchener Rück

3,1 Milliarden Euro

24,00 Euro

+20,0%

„Airbag-Funktion im Portfolio“

Für viele Privatanleger sind Dividenden mehr als ein netter Bonus. Richtig eingesetzt, können sie zu einer verlässlichen zusätzlichen Einnahmequelle werden – was gerade in stürmischen Börsenzeiten an Bedeutung gewinnt. Für Hans-Jörg Naumer, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei Allianz Global Investors, sind Dividenden „wie ein zweites Einkommen“. Die Dividende habe für ihn „so eine Art Airbag-Funktion im Portfolio“.

Neu ist dieses Prinzip nicht. Schon im 17. Jahrhundert zahlte die niederländische Ostindien-Kompanie VOC Dividenden an ihre Anteilseigner – zunächst in Gewürzen wie Pfeffer und Muskat, später auch in bar. Die Idee dahinter ist bis heute dieselbe: Wer Unternehmen sein Kapital zur Verfügung stellt, soll am Gewinn beteiligt werden.

Wie Dividenden die DAX-Rendite gesteigert haben

Wie sehr Dividenden die Rendite eines Portfolios treiben können, zeigt schon ein Blick auf DAX. Denn der deutsche Leitindex ist ein Performance-Index, er wird also unter der Annahme berechnet, dass die von den Unternehmen gezahlten Dividenden wieder reinvestiert werden. Das sorgt für einen eingebauten Zinses-Zins-Effekt.

Binnen 20 Jahren hat sich der DAX so vervierfacht, das Kursplus liegt also bei rund 300 Prozent. Der reine DAX-Kursindex legte im gleichen Zeitraum dagegen nur knapp 120 Prozent zu. Mit anderen Worten: Dividenden waren für weit über die Hälfte der DAX-Gewinne verantwortlich.

Eine hohe Rendite kann trügerisch sein kann

Doch worauf sollten Anleger achten, die sich ein zweites passives Einkommen sichern wollen? Viele schielen auf die Dividendenrendite nach dem Motto: je höher, desto besser. Die Dividendenrendite setzt die Höhe der Dividende in Relation zum Aktienkurs.

Doch sie ist stets nur eine Momentaufnahme, die sich mit jeder Kursbewegung ändert und wenig über die künftige Ausschüttungspolitik des Unternehmens aussagt. Sehr hohe Dividendenrenditen mahnen sogar zur Vorsicht, sind sie doch häufig Folge sinkender Kurse und weisen damit auf Probleme im Geschäftsmodell hin.

Zuletzt ließ sich das etwa an den Autowerten im DAX gut beobachten. Für das Geschäftsjahr 2025 haben VW, Mercedes-Benz und Porsche nun ihre Ausschüttungen teils deutlich gekürzt.

Woran Anleger nachhaltige Dividenden erkennen

Experten wie Röhl und Naumer raten daher, statt auf die Dividendenrendite auf die sogenannte Payout Ratio zu achten. Diese gibt an, welcher Teil des Gewinns eines Unternehmens als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet wird. Als Faustregel gilt: Je höher die Quote, desto genauer sollten Anleger hinschauen.

So ist eine Ausschüttungsquote von über 100 Prozent in der Regel ein klares Warnsignal: Das Unternehmen schüttet mehr aus als es verdient und muss dazu auf Rücklagen oder Eigenkapital zurückgreifen.

Die Dividenden-Historie ist entscheidend

Bei der Suche nach soliden, verlässlichen Dividendenzahlern ist aber nicht nur der Blick auf die Ausschüttungsquote hilfreich. Auch die Dividenden-Historie verrät viel über ein Unternehmen.

Scalable-Experte Röhl empfiehlt Anlegern zu schauen, welche Unternehmen es geschafft haben, über mehrere Wirtschaftszyklen hinweg ihre Dividende möglichst häufig anzuheben – und vor allem nicht senken zu müssen. „Nach dem Motto: Wer in der Vergangenheit ein guter, ein zuverlässiger Zahler war, wird das nicht unter Garantie, aber doch mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, auch in Zukunft sein.“

USA liegen bei „Dividenden-Aristokraten“ vorne

Gerade in den USA gibt es zahlreiche so genannte „Dividenden-Aristokraten“, also Unternehmen, die ihre Dividende mindestens 25 Jahre lang in Folge erhöht haben.

So hat etwa Coca-Cola die Ausschüttung an seine Anteilseigner sogar 64 Jahre in Folge nach oben geschraubt. Das US-Dividenden-Portal Sure Dividend zählt aktuell 69 Dividenden-Aristokraten im S&P 500.

Welche deutschen Aktien bei Dividenden herausragen

Am deutschen Aktienmarkt findet man dagegen keinen einzigen Dividenden-Aristokraten. Hierzulande schaffen laut einer Studie der FOM Hochschule und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) gerade einmal elf Unternehmen mindestens zehn Anhebungen in Folge.

An der Spitze der deutschen Rangliste steht der Schmierstoffhersteller Fuchs aus dem MDAX: Er bringt es auf 24 Dividendenerhöhungen in Folge – ihm fehlt damit nicht mehr viel bis zum Adelstitel.

Top 10 Dividende kontinuierlich erhöht
Unternehmen Index Zeit jährliches Dividendenplus im Schnitt
Fuchs Vz.

MDAX

24 Jahre

12,5 % p.a.

Cewe

SDAX

17 Jahre

6,7 % p.a.

SAP

DAX

16 Jahre

10,6 % p.a.

MBB

SDAX

16 Jahre

10,4% p.a.

Symrise

DAX

16 Jahre

5,9 % p.a.

Nemetschek

MDAX

13 Jahre

16,3 % p.a.

Adesso

SDAX

13 Jahre

11,9 % p.a.

Atoss Software

SDAX

12 Jahre

23,6 % p.a.

Mensch und Maschine

Freiverkehr

11 Jahre

23,3 % p.a.

Deutsche Börse

DAX

11 Jahre

6,5 % p.a.

Für Anleger heißt das: Wer auf Dividenden setzt, sollte deshalb weniger auf kurzfristige Renditeversprechen schauen als auf Bilanzqualität, Ausschüttungsquote und Dividendenhistorie. Doch der Blick auf die Dividende allein reicht nicht aus. Denn entscheidend ist am Ende die Gesamtrendite – die Summe aus Dividenden und Kursentwicklung.



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