Damir Dawydow: Russischer General in Moskau getötet

Nach allem, was man weiß, war Damir Dawydow im russischen Verteidigungsministerium dafür zuständig, den Nachschub an Raketen und Granaten zu organisieren. Allem Anschein nach war er es, der am frühen Dienstagmorgen in Balaschicha nahe Moskau durch eine Explosion getötet wurde, als er am Steuer eines Autos saß, den Berichten zufolge eines BMW X3.
Laut dem Ermittlungskomitee erlitt „der Fahrer“ des Fahrzeugs zahlreiche Verletzungen, denen er noch am Anschlagsort erlegen sei. Ob der Sprengsatz im BMW oder in einem an der Strecke parkenden Wagen angebracht war, ließen die Ermittler offen. Auch einen Namen gaben die Behörden nicht preis, auch nicht auf dem Umweg über Staatsnachrichtenagenturen. Doch mehrere Telegram-Kanäle berichteten, dass es sich um Dawydow handele. Dessen Alter wird je nach Quelle mit 62 oder mit 57 Jahren angegeben, der Rang mal mit Generalleutnant, mal mit Oberst. Dawydow lebte dem exilrussischen Portal Agenstwo zufolge ungefähr 200 Meter von der Stelle entfernt, an der sich die Explosion ereignete. In einem Viertel, das insbesondere für Militärangehörige bestimmt sei.
Putin sprach von einem „schweren Ausrutscher“
In nur wenigen Hundert Metern Entfernung von dem Anschlagsort war Ende April 2025 der stellvertretende Generalstabschef Jaroslaw Moskalik ums Leben gekommen, als dessen Auto in die Luft gesprengt wurde. In diesem und in der stetig wachsenden Reihe anderer Fälle, in denen russische Militärs fernab der Front im Angriffskrieg gegen die Ukraine bei Anschlägen getötet worden sind, war der Name noch am selben Tag bekannt gegeben worden, teils offiziell, teils von kremltreuen Medien.
Besonderes Aufsehen erregte Mitte Dezember 2024 die Tötung von Generalleutnant Igor Kirillow, der die Spezialkräfte zum Schutz gegen Strahlung, Chemie- und Biowaffen leitete, und seines ebenfalls zum Militär gehörenden Fahrers. Die beiden Männer wurden durch einen Sprengsatz getötet, der am Lenker eines Mietelektrorollers angebracht und am Eingang zu Kirillows Wohnblock im Osten von Moskau abgestellt war. Kiew warf Kirillow den vieltausendfachen Einsatz verbotener Chemiewaffen gegen die ukrainischen Verteidiger vor; der ukrainische Geheimdienst SBU übernahm die Verantwortung für den Anschlag und bezeichnete Kirillow als „Kriegsverbrecher und vollkommen legales Ziel“.
Russlands Herrscher Wladimir Putin bezeichnete die Tötung des Generalleutnants kurz darauf als „äußerst schweren Ausrutscher“ seiner Sicherheitskräfte und Geheimdienste, die „solche Schläge zulassen“. Es gelte, „diese Arbeit“, den Schutz der Spitzen von Staat und Militär, zu „perfektionieren“.
Russland nennt offiziell keinen Namen
Trotz dieser Anweisung von höchster Stelle riss die Serie von Anschlägen auf russische Militärs nicht ab; auf die Tötung Moskaliks im April 2025 folgte die von Generalleutnant Fanil Sarwarow, der im Generalstab die Abteilung für operative Ausbildung leitete, im Dezember jenes Jahres. Im vergangenen Februar wurde der Erste Stellvertretende Leiter des Militärgeheimdiensts GRU, Wladimir Alexejew, in seinem Moskauer Wohnhaus durch Schüsse verletzt. Alexandr Bortnikow, der Direktor des Inlandsgeheimdiensts FSB, sagte bald nach dem Anschlag auf Alexejew, der Schutz von Personen vom Rang des Generalleutnants werde verstärkt. Doch müssten auch diejenigen, die angegriffen würden, an ihre eigene Sicherheit denken, fügte Bortnikow hinzu. Unbestätigten Berichten zufolge gibt es Unmut im Machtapparat darüber, wer welchen Schutz bekommt.
Vor diesem Hintergrund erscheint der neuerliche Angriff auf einen wichtigen russischen Armeeangehörigen als abermaliger schwerer „Ausrutscher“ von Putins Sicherheitsapparat, wie der Herrscher im Dezember 2024 selbst formuliert hatte. Gegenüber der Zeitung „New York Times“ bestätigte eine ukrainische Quelle, dass man Dawydow getötet habe. Von russischer Seite gab es bis Donnerstagnachmittag keine offizielle oder offiziöse Bestätigung dieses Namens. Dmitrij Peskow, Putins Sprecher, sagte am Mittwoch bloß, Details des Anschlags vom Dienstagmorgen dürften „aufgrund der Ermittlung“ nicht veröffentlicht werden.
Der Bruch mit der bisherigen Linie, die fernab der Front letztlich im Krieg gefallenen Militärs zu benennen, könnte damit zu erklären sein, dass Moskau derzeit sehr viele weitere Rückschläge zu verzeichnen hat. Dazu zählt ein jüngster Angriff auf einen Rüstungsbetrieb in der Stadt Tscheboksary, der ausweislich von auf Telegram kursierenden Aufnahmen mit ukrainischen Flamingo-Marschflugkörpern geführt wurde. Das angegriffene Unternehmen stellt Komponenten der Iskander-Raketen her. Offenbar brach dort ein Brand aus.
Ebenfalls am Dienstag explodierte neben einem Gelände im Südwesten Moskaus, auf dem ein zur Staatsholding Rostec gehörendes Institut Laser- und Optiktechnik entwickelt, ein Auto. Das Institut steht wegen des Angriffskriegs unter amerikanischen Sanktionen. Aus den offiziellen russischen Angaben folgt, dass es sich um eine kontrollierte Explosion handelte. Demnach wurden zwei minderjährige Verdächtige festgenommen. Der FSB teilte am Donnerstag mit, einen dritten, ausländischen Verdächtigen festgenommen zu haben, der im Auftrag des SBU einen Militär habe töten sollen.
