Bundesregierung erwartet deutlichen Konjunkturdämpfer
„Aktuelle Indikatoren deuten auf einen deutlichen Dämpfer im zweiten Quartal hin“, heißt es im aktuellen Monatsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums. Steigende Preise, Lieferkettenprobleme und Unsicherheit belasteten die Stimmung in Unternehmen wie in privaten Haushalten.
Vor mehr als drei Wochen hatte die Bundesregierung ihre Konjunkturprognose für das gesamte Jahr 2026 bereits halbiert. Erwartet wird nur noch ein Mini-Wachstum von 0,5 Prozent.
Die Eskalation im Nahen Osten habe Deutschland wie auch andere Länder wirtschaftlich zurückgeworfen, sagte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche damals. Der Krieg im Iran treibe die Preise für Energie und Rohstoffe in die Höhe.
Zu Jahresbeginn war die deutsche Wirtschaft noch deutlicher gewachsen als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt, also der Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, legte nach Daten des Statistischen Bundesamts im ersten Quartal um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu. Die Euro-Zone insgesamt schaffte im selben Zeitraum nur ein Plus von 0,1 Prozent.
Vorerst keine Besserung in Sicht
Laut dem Bericht hängt die weitere wirtschaftliche Entwicklung davon ab, wie lange der Konflikt im Nahen Osten andauert und Handelswege sowie Produktionskapazitäten beeinträchtigt bleiben. „Aber auch nach einer Entspannung der Lage dürften die Folgen bei Energie- und Rohstoffpreisen sowie Lieferketten noch länger spürbar sein“, glaubt das Ministerium.
Hinzu kommt, dass bei den Verbrauchern das Geld angesichts der höheren Inflation nicht so locker sitzen dürfte. Die Fachleute erwarten laut dem Bericht eine „deutliche Eintrübung der Konsumentwicklung im zweiten Quartal“. Teure Energie infolge des Iran-Kriegs hat die Teuerungsrate bereits im April auf 2,9 Prozent getrieben – den höchsten Stand seit Januar 2024.
Die Bundesregierung steht derweil unter zunehmendem Druck, grundlegende Reformen auf den Weg zu bringen. Bundeskanzler Friedrich Merz hat als Priorität genannt, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu erhöhen.
Wirtschaftsverbände drängen auch wegen steigender Sozialabgaben auf Entlastungen. Bis zur parlamentarischen Sommerpause Mitte Juli will die Koalition ein großes Reformpaket bei Rente, Steuern, Arbeitsmarkt und Bürokratieabbau auf den Weg bringen.
gri/se (dpa, rtr)
