Bundesliga-Relegation gegen Paderborn: Wolfsburg spielt nur 0:0 – Sport


Wo war Wölfi? Das Maskottchen des VfL Wolfsburg, bei dem es sich, wer hätte es geahnt, um einen Mensch im Wolfspelz handelt, war nicht da. In aller Regel begleitet Wölfi das VfL-Team vor Anpfiff auf den Platz, stellt sich dort neben die heimischen Spieler, klatscht mit jenen des Gegners ab. Ein guter Gastgeber eben. Doch am Donnerstag gab es keinen Geleitschutz. Die Werkself musste es schon ganz alleine richten.

Ob es in den zentimeterdicken Bundesliga-Regelbüchern wohl einen Paragrafen gibt, der es Maskottchen verbietet, das Team vor Partien in der Abstiegsrelegation mit auf den Rasen zu begleiten? Ganz auszuschließen ist das nicht, bei all den Regeln, die zwar erfunden wurden, aber nicht immer die Probleme des Fußballalltags gelöst haben. Nicht ganz unproblematisch dürfte sich nun jedenfalls die Gesamtlage für alle Wolfsburger anfühlen: Der Werksklub kam im Hinspiel nicht über ein 0:0 gegen den Zweitligavertreter SC Paderborn hinaus. Dennoch wurden die VfL-Spieler mit aufmunterndem Applaus vor der Fankurve verabschiedet – moralische Unterstützung werden sie beim Rückspiel in Paderborn definitiv gebrauchen können. Und vielleicht hilft ja auch die Sperre für SC-Abwehrmann Jonah Sticker, der kurz vor Spielschluss mit Gelb-Rot vom Feld flog (94. Minute).

In der ersten Halbzeit war noch wenig Nennenswertes passiert, meistens sah es so aus: Die Paderborner hielten die Wolfsburger weitgehend vom eigenen Tor weg, ohne sich dabei dem des Gegners gefährlich anzunähern. Und wenn die Heimelf mal bis zum Paderborner Strafraum vordrang, dann misslang der Abschluss. Ein Flachschuss von Denis Vavro ging daneben, einmal schlug Dzenan Pejcinovic beim Versuch eines Drehschusses am Ball vorbei, einmal brachte Joakim Maehle in aussichtsreicher Position nur einen Kullerball zustande.

Wolfsburg war schon das Team mit der Initiative, aber nur ein Mal war’s in der ersten Hälfte initiativ genug: Mattias Svanberg steckte in den Lauf von Adam Daghim durch, der sich, bedrängt von einem Gegenspieler, durchsetzen konnte – dann aber aus aussichtsreicher Position nicht das Tor, sondern nur den SCP-Torwart Dennis Seimen traf. Die Werkself wirkte nicht nervös, sie ließ sich auch auf dieses Spiel ein. Es fehlte aber ein bisschen was. Und mitunter schlichen sich Lässigkeit und Nachlässigkeiten ein. Stürmer Pejcinovic leistete sich zwei, drei Ballverluste nach Larifari-Aktionen.

Daghim motzte einmal den Kollegen Saël Kumbedi an. Nicht mal die am Samstag, beim 3:1-Sieg auf St. Pauli, so entscheidenden Standards des Spielmachers Christian Eriksen erzeugten jene Gefahr, die Wolfsburg gebraucht hätte. Und die Frage war somit: Würde der Favorit mit zunehmender Spieldauer doch noch nervös werden, mit jeder Minute, die einen hitzigen Abend beim Rückspiel in Paderborn näher brachte?

Nun, die zweite Hälfte begann, wie die erste geendet hatte: Wolfsburg war bemüht, Paderborn ordentlich organisiert – und das Spiel sah aus, wie sich das all jene, die dem Unterhaltungsfaktor dieser Relegationspaarung ohnehin skeptisch gegenüberstanden, ungefähr erwartet haben dürften. Andauernd klappte etwas Entscheidendes nicht, der entscheidende Pass, der entscheidende Lauf, manchmal klappte wenigstens die entscheidende Grätsche. In der 67. Minute wurde es noch mal brenzlig vor dem Paderborner Tor: Ein Freistoß von Eriksen wurde vom SCP-Torwart stark abgewehrt, unmittelbar danach köpfelte Yannick Gerhardt nach einer Flanke knapp vorbei. Noch brenzliger allerdings in der 84. Minute im Strafraum gegenüber: Ein Paderborner Chipball wäre um ein Haar im Wolfsburger Tor gelandet; VfL-Torwart Kamil Grabara war geschlagen, Vavro und Maehle retteten in einer kuriosen Gemeinschaftsaktion kurz vor der Torlinie.

Und sonst? Schickte VfL-Coach Dieter Hecking wenigstens noch mal zwei Fußballer als kleine Machtdemonstration auf den Platz: Unter anderem Angreifer Mohamed Amoura (Ablöse: 15 Millionen Euro) und Mittelfeldmann Lovro Majer (Ablöse: 30 Millionen) wurden Mitte der zweiten Halbzeit eingewechselt – zweifelhaft, ob die Paderborner in ihrer gesamten Vereinsgeschichte so viel Geld ausgegeben haben wie Wolfsburg nur für diese beiden Offensivkicker, denen nicht einmal ein Startelfmandat erteilt worden war.

In der Relegation sind eben irgendwie alle gleich. Und immerhin, im Rückspiel müssen die Wolfsburger wenigstens nicht mehr gegen ihren eklatanten Heimnachteil ankämpfen: Nur zwei Siege in nun 18 Saisonspielen vor eigenem Publikum hat die Werkself eingefahren. Und doch kann ein Sturz in die Zweitklassigkeit noch abgewendet werden, am Montag in Paderborn, das dort ohne Defensivmann Sticker antreten muss.



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