Bitcoin, Krypto & Co: Das sind die besten Kryptobörsen 2026
Eigentlich sollte das vergangene Jahr phänomenal werden für die Kryptoanbieter. Donald Trump versprach weniger Regulierung, die Zeichen standen auf sinkende Zinsen und die globale Unsicherheit sollte Krypto ebenfalls in die Karte spielen. Doch die Realität, ein Jahr später, ist eine ganz andere: Bitcoin, die größte Kryptowährung, steht rund 30 Prozent tiefer, Ethereum 23 Prozent und Solana sogar 50 Prozent. Die Kryptoszene erlebt ihren nächsten Winter – und das, obwohl eigentlich alles für digitale Währungen spricht.
Die Krise unterscheidet sich damit fundamental von früheren Krypto-Wintern. Bislang waren es fast immer Skandale innerhalb der Szene, die zu größeren Abverkäufen und Vertrauenskrisen führten. Sei es der Fall der Börse FTX 2022, der Crash beim Stablecoin TerraUSD oder, noch früher, das Schneeballsystem hinter Onecoin. Fast immer waren es Börsen oder einzelne Projekte, die zu größeren Krisen führten.
Dass sich die Branche jetzt in einer misslichen Lage befindet, ohne dass es dafür einen konkreten Auslöser gab, ist insofern ein Zeichen des Erwachsenwerdens. Und genau das ist auch das Ergebnis des Instituts für Vermögensaufbau (IVA), das zum vierten Mal für Capital die besten Kryptoanbieter ermittelt hat. Das Niveau der Anbieter wird in jedem Jahr besser. Die Zeiten des wilden Krypto-Western sind vorbei – 2026 erst recht.
Mehr bekannte Kryptoanbieter im Ranking
Das Institut für Vermögensaufbau (IVA) hat die Anbieter in vier Kategorien untersucht: Kosten, Angebot, Sicherheit und Service. „Die grundsätzliche Bewertung war damit die gleiche“, erklärt Studienautor Julian Müller-Stahl. Was leicht verändert wurde, ist das Anbieter-Universum. In den vergangenen Jahren wurden Unternehmen eingeladen, wenn sie einen Sitz in Europa hatten. Inzwischen ist relevant, ob sie eine Micar-Lizenz haben – ob sie also in Europa reguliert sind. Deshalb sind in diesem Jahr auch erstmals die bekannten Kryptobörsen OKX und Crypto.com dabei. „Die Micar-Lizenz zählt für Kryptobörsen in Europa zu einem wichtigen Vertrauenssignal. Wir passen uns daran an“, sagt Müller-Stahl.
Insgesamt 24 Anbieter wurden letztlich vom IVA untersucht – vier mehr als im vergangenen Jahr. Die Trennlinie verläuft dabei weiter zwischen klassischen Kryptobörsen und Neobanken beziehungsweise Neobrokern, die seit Neuestem auch Kryptowährungen anbieten. „Da hat sich nicht viel getan“, stellt Müller-Stahl fest.
Bei der Neobank N26 beispielsweise werden Kosten von 2,5 Prozent pro Trade fällig – das erinnert eher an die alte Fondswelt als an ein agiles Fintech. Auch deshalb landet N26 erneut ganz hinten im Ranking. Trade Republic und Finanzen.net Zero, zwei Neobroker, landen nur im Mittelfeld und Scalable Capital schafft es nicht einmal ins Ranking, weil dort nur ETPs und keine Direkt-Investments in Kryptowährungen möglich sind. „Die meisten Neobroker zeichnen sich durch hohe Kosten und eine geringe Vielfalt aus. Man merkt insgesamt, ob Krypto nur eines von vielen Angeboten oder der Markenkern ist.“
Das erklärt gleichzeitig, warum die neuen Anbieter wie OKX und Crypto.com direkt so gut abschneiden. Beide gehören zu den bekanntesten globalen Krypto-Marken und wollen auch nichts anderes sein. OKX landet mit 87,6 von 100 möglichen Punkten so direkt auf Platz zwei, Crypto.com immerhin auf Platz acht.
Neuer und alter Sieger ist Bitvavo powered by Hyphe aus den Niederlanden – kurz: Bitvavo. Das Unternehmen erzielt auf allen vier Testfeldern herausragende Ergebnisse und räumt 90 von 100 möglichen Punkten ab. Zu den Stärken gehören die niedrigen Kosten zwischen 0,01 und 0,25 Prozent je Trade sowie das große Angebot aus über 450 Coins. Unter Nutzern erhält die App weitestgehend gute Bewertungen – es gibt allerdings auch weiter Beschwerden über langsame Transaktionen und schlechte Erreichbarkeit des Kundenservices. Diese Kritik teilt sich Bitvavo aber mit nahezu allen Anbietern.
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Das IVA lobt bei Bitvavo insbesondere das Angebot, das sogar mit der vollen Punktzahl von 20 Punkten belohnt wird. Allerdings ist das Angebot immer ein zentraler Kritikpunkt bei Krypto-Rankings. Die Börse Stuttgart-Tochter Bison ist beispielsweise bekannt dafür, nur wenige, ausgewählte Kryptowährungen anzubieten. „Wir bauen unser Angebot mit Bedacht aus und berücksichtigen dabei Faktoren wie Marktkapitalisierung, regulatorische Konformität, sichere Verwahrung sowie die Bedürfnisse und Wünsche unserer Kunden“, sagt Bison-CEO Ulli Spankowski zu Capital. „Entscheidend ist für uns nicht kurzfristige Marktaufmerksamkeit, sondern ob ein Coin zu einem seriösen, regulierten und langfristig nutzbaren Angebot passt.“
Viele Rankings honorieren es allerdings, wenn die Börsen möglichst viele Coins anbieten. Jede Sicht ist legitim, führt aber zu einem Zielkonflikt. Das IVA bewertet aus diesem Grund, ob die vier nach Marktkapitalisierung größten Kryptowährungen (Bitcoin, Ethereum, XRP und Solana) angeboten werden, stärker als die Frage nach der reinen Anzahl der handelbaren Währungen.
Bison hat sich zuletzt bewegt und bietet jetzt 62 Coins an – mehr als doppelt so viele wie noch im Vorjahr. Damit hat Bison das umgesetzt, was CEO Spankowski im vorigen Jahr bereits angekündigt hatte. Auf Platz fünf insgesamt und als bester deutscher Anbieter hat sich Bison bei der Untersuchung erneut gut geschlagen.
Private oder gesammelte Aufbewahrung?
Kritisch wird es stets bei Fragen der Sicherheit. Auch hier gibt es konkurrierende Ansichten. Während viele Anbieter gerne unkomplizierte, kostengünstige Sammel-Wallets anbieten – sie also selbst die Kryptos für die Anleger verwahren – ist das für überzeugte Kryptoanhänger keine Option. Sie tragen das Mantra „Not your keys, not your coins“ vor sich her. Wer die Kryptowährung nicht selbst besitzt, darf sich nicht beschweren, wenn er früher oder später über den Tisch gezogen wird.
Bei immer mehr Börsen haben die Anleger daher mittlerweile Wahlmöglichkeiten. Sie können also selbst entscheiden, ob sie die Währungen privat oder über eine Sammel-Wallet halten (lassen) wollen. Das niederländische Unternehmen Finst, das im vergangenen Jahr den bekannten Anbieter Anycoin übernommen hat, will seine Sammel-Wallet allerdings nicht als Malus verstanden wissen: „Wir sind ein Micar-lizensierter Verwahrer. Wir schützen und verwahren die Vermögenswerte unserer Kunden also in Übereinstimmung mit den geltenden europäischen Gesetzen und Vorschriften“, erklärt Sprecher Laurens Mostert.
Das IVA stellt allerdings eine Tendenz fest: „Es sind vor allem die Top-Anbieter, die beides anbieten – die dies als zusätzlichen Service verstehen“, sagt Müller-Stahl. Es geht also weniger um die Notwendigkeit als um die Option.
Grundsätzlich, sagt Müller-Stahl, hätten alle getesteten Unternehmen neben der bestehenden Micar-Lizenz einen vertrauenswürdigen Eindruck gemacht. Allerdings zieht das auch Kosten nach sich, die mit dieser Entscheidung einhergehen. Bei N26 zahle man beispielsweise mehr Gebühren, bei 21Bitcoin gebe es nur Bitcoin und bei Flatex sei der Service eher durchwachsen.
Für das kommende Jahr könnte vor allem spannend werden, wer überhaupt noch im Krypto-Universum dabei ist. Denn bei aller Verschiedenheit zwischen den Brokern sind sich doch alle einig, dass der Markt vor einer Konsolidierungswelle steht. Grund dafür sind unter anderem strengere Vorschriften durch Micar. „Gerade kleinere Plattformen, die die Vorschriften nicht erfüllen können, werden ihre Aktivitäten einstellen oder sich von größeren, konformen Akteuren übernehmen lassen müssen“, sagt Mostert von Finst.
Für den Trend spricht auch, dass Krypto unter dem Aufkommen der Wettplattformen Polymarket und Kalshi leidet, die viele risikoaffine Zielgruppen ansprechen – und die damit eine zusätzliche Alternative zum Zocken über Kryptobörsen haben. Selbst wenn die meisten Anbieter es nicht öffentlich zugeben, waren es lange Zeit doch genau diese Gruppen, mit denen sie ihr Geld verdienten.
Wohl auch deshalb versuchen die Börsen nun händeringend, seriöser zu werden, und echte Anwendungen für Krypto zu präsentieren – etwas, das die Szene bislang noch schuldig geblieben ist. Vieles spielt sich weiter auf der Entwicklerebene oder in sehr spitzen Zielgruppen ab. Doch ein massentaugliches Produkt gibt es weiterhin nicht.
Viele Betreiber setzen ihre Hoffnung aktuell auf Stablecoins, die den Zahlungsverkehr digitaler und schlanker gestalten sollen. Das zeigt sich auch schon im Ranking, wo inzwischen fast die Hälfte aller Anbieter Stablecoins zum Kauf anbietet. Im kommenden Jahr dürfte sich gerade an dieser Front einiges entwickeln.
Bison-Chef Spankowski kündigt genau das an – wenngleich auch mit Vorsicht. „Stablecoins sind aus unserer Sicht ein wichtiges Thema für die nächste Entwicklungsphase des Kryptomarktes. Bei Bison ist der Handel mit Stablecoins aktuell in Planung. Wie bei allen Erweiterungen unseres Angebots gilt dabei, dass wir neue Produkte erst dann umsetzen, wenn sie zu unserem Anspruch an Sicherheit, Transparenz und regulatorische Verlässlichkeit passen.“

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Bison dürfte nur einer von vielen Anbietern sein, der im kommenden Jahr ein Stablecoin-Angebot schafft. Doch ob das reicht, um neue Kundengruppen zu erschließen – eine besonders langweilige, wertstabile Währung – das ist die große Krypto-Wette 2026.
