Bertelsmann Studie: Industrie-Beschäftigung sinkt – weniger Jobs
Der Anteil der Industriebeschäftigten am gesamten Arbeitsmarkt ist gesunken. (Symbolbild)
Quelle: dpa
Die deutsche Industrie verzeichnet einen Abwärtstrend bei der Beschäftigung: Weil parallel andere Bereiche gewachsen sind, sank der Anteil der Industriebeschäftigten am gesamten Arbeitsmarkt von 22 Prozent im Jahr 2014 auf aktuell 19 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann Stiftung. Aktuell seien demzufolge 6,6 Millionen Menschen in Deutschland in der Industrie beschäftigt.
Erstellt wurde die Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW).
Laut einer aktuellen ifo-Umfrage klagen 15,9 Prozent der Industriebetriebe über Lieferengpässe. Durch aktuelle politische Spannungen, wie den Iran-Krieg, ist der Mangel seit 2020 deutlich gestiegen.
04.06.2026 | 1:45 min
Abwärtstrend bei Neueinstellungen in der Industrie seit 2019
Grund sind im aktuellen Strukturwandel laut den Wissenschaftlern aber keine großen Entlassungen, sondern das Zögern der Industrie, frei werdende Stellen zu besetzen. Demnach haben sich bis 2019 Einstellungen sowie beendete Beschäftigungsverhältnisse parallel entwickelt. Doch seitdem öffne sich eine Lücke, schreiben die Experten.
Neueinstellungen gehen laut Mitteilung deutlich stärker zurück als beendete Beschäftigungsverhältnisse. „Die zurückgehenden Neueinstellungen sind ein Warnsignal für die künftige Beschäftigungsentwicklung“, sagte Luisa Kunze, Arbeitsmarktexpertin der Bertelsmann Stiftung.
Wir brauchen eine Wiederbelebung der Arbeitsnachfrage in der Industrie und mehr Dynamik am Arbeitsmarkt.
Luisa Kunze, Bertelsmann Stiftung
Nur dann entstünden auch wieder neue Chancen für Einsteiger und Einsteigerinnen, berufliche Wechsel würden leichter und die Industrie könne sich weiter erneuern, sagt Kunze.
Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland ist im Jahr 2025 leicht gesunken. Grund sei neben der schwachen Konjunktur auch der demographische Wandel, so das Statistische Bundesamt.
02.01.2026 | 0:22 min
Studie von Bertelsmann zu Löhnen und Attraktivität
Die Industrie hat aus Sicht der Arbeitnehmer in den vergangenen Jahren an Attraktivität verloren. Laut Studie gab es 2014 noch einen Lohnvorteil bei den Einstiegsgehältern im Vergleich zu anderen Branchen von 20,4 Prozent. 2024 lag der Vorsprung nur noch bei 10,4 Prozent.
Bei den langfristig Beschäftigten schrumpfte der Lohnvorsprung von 16,5 Prozent im Jahr 2014 auf 8,7 Prozent zehn Jahre später. Die Studienautoren weisen aber darauf hin, dass das Risiko, in der Industrie den Job zu verlieren, 2024 noch niedriger war als zehn Jahre zuvor.
Von E-Autos bis Stahl: China dominiert zentrale Branchen – auch durch staatliche Hilfe und niedrige Preise. Für deutsche Unternehmen wächst der Druck.
26.05.2026 | 1:52 min
Industrie beklagt hohe Kosten und schleichende Deindustrialisierung
Die Studie erscheint kurz vor dem Tag der Industrie (22./23. Juni) in Berlin, bei dem auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erwartet wird. „Made in Germany“ stehe massiv unter Druck, hieß es im Vorfeld vom Bundesverband der Deutschen Industrie.
So entwickelt sich die Beschäftigung
ZDFheute Infografik
Ein Klick für den Datenschutz
Für die Darstellung von ZDFheute Infografiken nutzen wir die Software von Datawrapper. Erst wenn Sie hier klicken, werden die Grafiken nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Datawrapper übertragen. Über den Datenschutz von Datawrapper können Sie sich auf der Seite des Anbieters informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.
Der seit Jahren schwächelnde Sektor beklagt im internationalen Vergleich hohe Kosten am Standort Deutschland und eine schleichende Deindustrialisierung. Unternehmen verlagerten Produktion ins Ausland.
Die Bundesregierung hat angekündigt, bis Mitte Juli ein großes Reformpaket auf den Weg zu bringen, zum Beispiel zur Rente, zum Abbau von Bürokratie und zu Flexibilisierungen am Arbeitsmarkt. Merz hat mehrfach betont, oberstes Ziel der Regierung sei die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft wieder zu erhöhen.
Laut Wirtschaftsforschungsinstitut ifo stehen deutsche Unternehmen auf dem Weltmarkt zunehmend unter Druck. Jedes vierte Industrieunternehmen verliere außerhalb der EU an Wettbewerbsfähigkeit.
20.05.2026 | 0:19 min
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt – geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete heute Xpress am 18.06.2026 ab 09 Uhr.
