Bayern-Frauen gegen Barcelona: Ein 1:1 gegen den Goldstandard – Sport
Favoritinnen und Favoritinnen waren am frühen Samstagabend zu sehen, als in der Allianz Arena die letzten Frühlings-Sonnenstrahlen die mit 31 000 Zuschauern gut gefüllten Ränge erhellten. Die einen spielten in Rot, waren unter der Woche deutsche Meister geworden mit der fabulösen Bilanz von 21 Siegen in 22 Spielen und hatten sich einen Platz im Champions-League-Halbfinale mit einer herausragend guten Saison verdient. Die anderen kamen in goldenen Trikots, was ebenso passend war: Der Gold-Standard im Frauenfußball ist diese Elf des FC Barcelona weiterhin, ebenfalls längst Meister in Spanien mit 25 Siegen aus 26 Spielen und einer unfassbaren Tordifferenz von 116:7. Ein Champions-League-Halbfinale ist für Barça ungefähr so außergewöhnlich wie ein Helles am sonnigen Mittelrang in der Arena.
Blieb also die Frage: Wenn die dominanteste Mannschaft der Frauen-Bundesliga auf die dominanteste Mannschaft des Frauen-Fußballs trifft – wie sieht das dann aus? Glücklicherweise, aus Sicht des FC Bayern, nicht so wie im Herbst, bei einem denkwürdig katastrophalen 1:7 in Barcelona. Das Halbfinal-Hinspiel in der Arena beendeten die Münchnerinnen mit einem 1:1 und verschafften sich eine vertretbare Ausgangssituation für das Rückspiel in der kommenden Woche.
Dabei war kurz Grund zur Sorge angebracht gewesen. In der achten Minute des Spiels gelang den Katalaninnen einer der gefürchteten Barça-Spielzüge zur Führung: Patri Guijarro hatte viel Platz, was bei der besten Pass-Spielerin der Welt meist zu guten Zuspielen führt. In diesem Fall setzte sie Esme Brugts in Szene, die in der Mitte Stürmerin Ewa Pajor fand. Der Polin verleihen die katalanischen Radio-Reporter gerne noch ein paar Extra-„r“, diesmal wurde es ein besonders langes „Pajorrrrrrrr“: Die Führung für Barcelona gelang so früh wie im Herbst. Nur folgte diesmal eine Antwort.
Es war der mutigeren Herangehensweise geschuldet, die Trainer José Barcala den Münchnerinnen mitgegeben hatte, dass die Bayern-Frauen diesmal trotz des Rückstands besser ins Spiel fanden. Sie überließen Barcelona zwar den Ball (alles andere wäre auch utopisch), aber kontrollierten den Bewegungsradius der Über-Favoritinnen. Guijarro und Alexia Putellas kamen deshalb kaum zum Zug, im ersten Durchgang hatten letztlich die Bayern durch Franziska Ketts Distanzschuss in der 41. Minute die beste Chance – es war die erste Vorstellung der Spielerin, die dann die zweite Halbzeit bestimmen sollte.
Bis auf einen Pfostentreffer von Brugts (49. Minute) und eine Eckball-Chance für Mapi León wenig später tat sich Barcelona erneut schwer, zu klaren Chancen zu kommen. Dafür konterten die Münchnerinnen: Ein steiles Zuspiel nutzte Pernille Harder aus und gewann ihr Laufduell. Anders als bei Kontergelegenheiten zuvor spielten die Bayern den Angriff diesmal besser aus. Harders Pass fand in der Mitte die mitgelaufene Außenverteidigerin Kett, die mit einem Schuss aus zentraler Position zum 1:1 traf.
Im vergangenen Herbst hatten die Bayern noch 1:7 gegen Barcelona verloren
Ein zu diesem Zeitpunkt ausgeglichenes Spiel entstand somit, das war wesentlich mehr, als die Bayern sich noch im Herbst etwa hatten erhoffen können. Allein: Es blieb nicht lange ausgeglichen. Nach einem unscheinbaren Zweikampf vor der Trainerbank in der 80. Minute zückte Schiedsrichterin Ivana Martincic zur Überraschung der Mehrheit der 31 000 Zuschauer die rote Karte. Laut ihrer Ansicht hatte Kett ihrer Gegenspielerin Salma Paralluelo offenbar in die Haare gefasst, was sie als Tätlichkeit wertete. Auch Trainer Barcala musste die Coachingzone mit einer roten Karte verlassen, er hatte sich lautstark über den Platzverweis beschwert.
Die Münchnerinnen aber mussten die finale Phase des Spiels in Unterzahl überstehen – und auch das gelang ihnen, mit etwas Glück. Barcelona kam zu guten Gelegenheiten und Abschlüssen im Strafraum, scheiterte allerdings an der herausragenden Torhüterin Ena Mahmutovic oder an den eigenen Fähigkeiten. Den großen Titel-Anwärterinnen gelang beim Hinspiel im Champions-League-Halbfinale letztlich nur ein Treffer bei einem 1:1-Unentschieden, der FC Bayern darf das durchaus als Erfolg werten. Und hat im Rückspiel weiterhin die Chance, erstmals in ein europäisches Finale einzuziehen.

