Anthropic sammelt 65 Mrd. Dollar ein – Bewertung steigt auf 965 Mrd.
Künstliche Intelligenz
Anthropic sammelt 65 Mrd. Dollar ein – und überholt OpenAI
Das KI-Start-up überholt mit der neuen Finanzierungsrunde erstmals OpenAI bei der Bewertung. Mit dem frischen Geld will Anthropic massiv in Rechenleistung für sein Modell Claude investieren
Das KI-Unternehmen Anthropic hat nach eigenen Angaben bei Investoren weitere 65 Mrd. Dollar eingesammelt und wird nun mit 965 Mrd. Dollar bewertet. Mit dem frischen Geld solle die Rechenkapazität ausgebaut werden, um der wachsenden Nachfrage nach dem Sprachmodell Claude gerecht zu werden, so Anthropic. Zudem sollen Produkte weiter skaliert werden.
Die neue Bewertung bringt Anthropic vor den Konkurrenten OpenAI, der im März zuletzt mit 852 Mrd. Dollar bewertet wurde. Beide Unternehmen wollen in diesem Jahr an die Börse gehen. Das von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern gegründete Start-up schiebt sich zum ersten Mal in der Bewertung an Sam Altmans Firma vorbei. Die neuen Investitionen ermöglichten es Anthropic, bei KI „an der Spitze der Forschung zu bleiben“ und seinen Chatbot Claude „an mehr Orte zu bringen, an denen gearbeitet wird“, erklärte Finanzvorstand Krishna Rao.
Anthropic stellt europäische Investitionen in den Schatten
Dabei stellt die jetzige Investitionsrunde von Anthropic auch europäische Investments in den Schatten: Der Betrag von 65 Mrd. Dollar liegt nur knapp unter den 66,2 Mrd. Euro, die Risikokapitalunternehmen laut Berichten im Jahr 2025 in ganz Europa investiert haben.
Zeitgleich veröffentlichte Anthropic auch eine neue Version der Modellfamilie Claude. Opus 4.8 soll vor allem im agentischen Programmieren herausstechen – also als KI, die eigenständig Software schreiben kann. Während OpenAIs ChatGPT unter Endnutzern weiter verbreitet ist, setzt Anthropic vor allem auf Programmierer und die geschäftliche Nutzung seiner KI. Auch beim sogenannten Vibecoding – dem Generieren von Computercode durch umgangssprachliche Befehle wie „Baue in meine Website ein Bild ein …“ – soll Opus 4.8 anderen Modellen voraus sein.
Anthropic schätzt den eigenen Umsatz für das nächste Jahr auf 47 Mrd. Dollar. Nach Anthropics Erfolg hatte auch Rivale OpenAI sich stärker auf Programmier-Werkzeuge wie das eigene Produkt Codex konzentriert und den eigenen Videogenerator Sora eingestellt.
Zu den Investoren der neuen Runde gehören Sequoia Capital, Altimeter Capital, Greenoaks und Dragoneer. Im Februar war Anthropic nach einer neuen Finanzierung noch mit 380 Mrd. Dollar bewertet worden. An der jüngsten Runde nahm auch Amazon teil. Der Online-Händler kündigte im April an, bis zu 25 Mrd. Dollar in Anthropic zu investieren, wobei sich das KI-Start-up verpflichtete, in den nächsten zehn Jahren mehr als 100 Mrd. Dollar für Amazons Cloud-Technologien auszugeben. Erst kürzlich gab das Unternehmen zudem bekannt, für 1,25 Mrd. Dollar monatlich Rechenleistung von Konkurrent xAI hinzuzukaufen.
Anthropics Rechtsstreit mit dem Pentagon
Anthropic steht derzeit in einem Rechtsstreit mit dem US-Verteidigungsministerium. Dabei geht es um die uneingeschränkte militärische Nutzung der KI-Technologie, die Anthropic dem Pentagon verweigert hat. Der Konzern erklärte, er wolle KI nicht zur „Massenüberwachung im Inland“ oder in vollautonomen Waffensystemen einsetzen lassen. Das Pentagon stufte Anthropic daraufhin als „Sicherheitsrisiko in der Lieferkette“ ein, wogegen das Unternehmen sich juristisch wehrt.
Deutsche Verfassungsschützer und Sicherheitspolitiker warnen derweil vor Risiken durch das KI-Modell Mythos des US-Unternehmens. Sie fürchten, Kriminelle oder staatliche Akteure könnten Mythos für Cyberangriffe nutzen. Anthropic hat Mythos bislang nicht veröffentlicht. Die US-Behörden sowie eine Handvoll von Konzernen haben testweise Zugriff.
Mit Reuters und AFP
