Alabali Radovan bricht Libanon-Reise ab
Die Entwicklungsministerin musste ihre Libanon-Reise wegen israelischer Angriffe abbrechen. „Wir konnten zurückkehren, die Menschen vor Ort können das nicht“, sagt Alabali Radovan.
01.06.2026 | 4:48 min
Eigentlich wollte sich Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan in Beirut mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun treffen und sich ein Bild von den Auswirkungen des Krieges vor Ort machen. Im Landeanflug brach die SPD-Politikerin ihre Reise ab.
Wir mussten abbrechen, ich bedauere das sehr.
Reem Alabali Radovan (SPD), Entwicklungsministerin
Die Sicherheitslage habe sich während des Fluges so weit zugespitzt, dass das Verteidigungsministerium beschlossen habe, dass der Flieger nicht in Beirut landen könne, sagte Alabali Radovan im heute journal update.
Die deutsche Entwicklungsministerin Radovan hat ihre Reise in den Libanon aufgrund der aktuellen Lage abgebrochen. In den Vororten von Beirut sind Anwohner vor den Angriffen auf der Flucht.
01.06.2026 | 1:34 min
Alabali Radovan: „Zeigt, wie dramatisch die Lage ist“
Alabali Radovan erklärte, die Sicherheitsbehörden hätten die Reise freigegeben. „Wir haben natürlich während des Fluges minütlich den Kontakt gehalten“, so die Ministerin. Durch die Ankündigung der israelischen Angriffe auf die Stadt Beirut seien die Behörden zu dem Entschluss gekommen, dass die Reise so nicht mehr möglich sei.
Aber es geht jetzt nicht um den Reiseabbruch, es geht vor allem um die Menschen vor Ort in dieser dramatischen Lage. Wir konnten ja zurückkehren, die Menschen vor Ort können das eben nicht.
Reem Alabali Radovan (SPD), Entwicklungsministerin
Israel greift weiter Hisbollah-Ziele im Libanon an, Zehntausende aus den Vororten im Süden Beiruts sind auf der Flucht. ZDF-Korrespondent Thomas Reichart berichtet.
01.06.2026 | 1:15 min
Die Reise mit ihrem norwegischen Kollegen Asmund Gröver Aukrust sei in der Annahme eines Waffenstillstands geplant worden, der „jetzt offensichtlich nicht anhält“, sagte Alabali Radovan in einer Stellungnahme. Sie rief „alle Seiten“ zur Deeskalation auf und forderte Verhandlungen über einen Waffenstillstand.
Im Mittelpunkt der Gespräche sollten Hilfen für Binnenvertriebene, Notunterstützung, psychosoziale Maßnahmen sowie langfristige Reformen und der Aufbau staatlicher Strukturen stehen.
„Ich verurteile die Angriffe der israelischen Regierung, diese dramatische Eskalation“, ergänzte sie im ZDF.
Es muss zu diesem Waffenstillstand kommen, es muss zu den Verhandlungen kommen, ebenso muss auch die Hisbollah ihre Angriffe auf den Norden Israels einstellen.
Reem Alabali Radovan (SPD), Entwicklungsministerin
Israel ordnet Angriffe auf Beirut an
Zuvor hatten Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz Luftschläge auf die als Dahija bekannten Vororte von Beirut angeordnet. Sie gelten als Hochburg der von Iran unterstützten Hisbollah-Miliz, sind aber auch dicht bewohnt.
Libanesische Medien berichteten von Fluchtbewegungen der Bevölkerung aus dem Süden Beiruts sowie israelischen Drohnen über den südlichen Vororten Beiruts. Auf vielen Straßen stauten sich die Fahrzeuge.
Bundesaußenminister Johann Wadephul beschreibt das Vorrücken der israelischen Armee im Libanon als „Anlass zu großer Sorge“. Am Sonntag nahm Isarel die strategisch wichtige Burg Beaufort ein.
01.06.2026 | 0:25 min
Libanons Präsident spricht von heftiger israelischer Aggression
Präsident Aoun erklärte unterdessen, sein Land sehe sich einer heftigen israelischen Aggression ausgesetzt. Seine Regierung arbeite daran, „das Leiden der Libanesen im Allgemeinen und der Südlibanesen im Besonderen zu beenden“.
Israels Bildungsminister Yoav Kisch sagte laut israelischen Medien, die Kämpfe an den verschiedenen Fronten seien nicht beendet. Die Hamas im Gazastreifen, die Hisbollah und Iran seien noch nicht besiegt.
Im Norden gibt es keinen Waffenstillstand, dort herrscht Krieg.
Yoav Kisch, Israels Bildungsminister
Im Libanon dauern die Gefechte trotz offiziell geltender Waffenruhe an. Die israelische Armee ist im Süden des Landes weiter vorgerückt. Immer mehr Menschen werden im eigenen Land vertrieben und suchen Schutz.
01.06.2026 | 2:38 min
Israel nimmt Burg Beaufort ein
Netanjahu hatte zuletzt eine Ausweitung des israelischen Einmarsches in den Libanon angeordnet. In der Nacht zu Sonntag nahm die Armee die strategisch und symbolisch wichtige Kreuzfahrerfestung Beaufort ein. Netanjahu sprach von einer „dramatischen Wende“. Israel habe „die Barriere der Angst durchbrochen“. Israel hatte die Burg 1982 im Libanonkrieg eingekommen und bis zum Abzug aus dem Libanon im Jahr 2000 als Armeestützpunkt genutzt.
Iran machte unterdessen Israels Vorgehen im Libanon dafür verantwortlich, dass es weiterhin kein Waffenstillstandsabkommen mit den USA gebe. Die Angriffe seien „ein Versuch, eine Verbesserung der Lage in der Region zu verhindern“, sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Baghaei, laut Berichten auf einer Pressekonferenz. Eine Einigung mit den Vereinigten Staaten hänge von einer Waffenruhe im Libanon ab.
Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben die strategisch wichtige Festung Beaufort sowie eine nahe Bergkette im Libanon eingenommen. Laut Militär griff die Hisbollah-Miliz von dort aus an.
31.05.2026 | 0:14 min
Quelle: ZDF, KNA, dpa, AP, AFP
Über dieses Thema berichtet das ZDF fortlaufend, zuletzt in der heute-Sendung am 01.06.2026 ab 19:00 Uhr sowie im heute journal ab 21:45 Uhr.
