Reich werden mit den besten Tipps der Geschichte


Es gibt wenige Finanzratschläge, die zu allen Zeiten gut funktioniert haben. Einen der wichtigsten befolgte George Washington, der spätere erste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika an einem Januartag im Jahr 1759. Damals heiratete er die Witwe Martha Custis. Custis hatte von ihrem verstorbenen ersten Ehemann Plantagen und Grundstücke in erheblichem Umfang geerbt. In heutigen Zahlen ausgedrückt, brachte die Frau an Washingtons Seite ein Vermögen in Höhe von mehr als acht Millionen Dollar mit in die Ehe. Im Vergleich dazu war der damalige Oberst Washington nahezu mittellos. Doch Washington hatte einen Gedanken beherzigt, der in früheren Zeiten offener ausgesprochen wurde als heute. Der Ratschlag klingt auf Englisch schöner als auf Deutsch und lautet: „Marriage matters“ – die Ehe zählt. Was damit konkret gemeint war, wird Washington selbst so nie ausgesprochen haben: Aber das Vermögen seiner Frau ermöglichte ihm die wirtschaftliche Freiheit, die man brauchte, um in jenen unsicheren Zeiten eine politische Karriere zu wagen.

Geschichten dieser Art hat der amerikanische Historiker Joseph S. Moore in einem bemerkenswerten Buch zusammengetragen, das gerade im Verlag Harper Business auf Englisch erschienen ist. Sein Titel „How to Get Rich in American History – 300 Years of Financial Advice That Worked (& Didn’t)“ macht den Ansatz klar, dem der Autor folgt: „Wie man in der amerikanischen Geschichte reich wurde – 300 Jahre Finanzratschläge, die funktioniert haben (und die nicht funktioniert haben)“. Amerikas Aufstieg zur reichsten Nation der Welt ist zwar oft beschrieben worden, aber selten auf diese Weise: Moore hat die Historie seines Landes nach den besten Tipps zum Reichwerden durchforstet. Das Ergebnis liest sich wenig wissenschaftlich, aber sehr unterhaltsam – und außerdem auch so, dass man sogar im fernen Deutschland eine Menge davon lernen kann.

Tipp Nummer eins: heirate weise!

Nun plädiert Moore nicht dafür, dass jeder direkt auf die Suche nach dem reichsten Partner gehen sollte, der sich finden lässt. Liebe darf durchaus eine Rolle spielen. Aber der Historiker wünscht sich, dass die Ehe heute zumindest wieder ein bisschen mehr so gesehen wird wie in den Jahrhunderten zuvor: nämlich als eine Geschäftsbeziehung zwischen oftmals gleichberechtigten Partnern. Damit dies nicht so kalt klingt, schreibt Moore von der Ehe als einem „Gemeinschaftsunternehmen“. Rein ökonomisch sei eine solche Partnerschaft das Beste, was zwei Menschen passieren könne, findet der Historiker: Erstens ergeben sich Netzwerkeffekte, weil die neuen Verwandten ja auch neue Kontakte sind, die einen im eigenen Leben voranbringen können. Und zweitens lebt es sich – sofern beide arbeiten – mit zwei Einkommen besser als mit einem. „Heirate weise“ lautet der Finanztipp, den Moore daraus ableitet.

Interessanterweise geht dieser Ratschlag aber zugleich mit einer Warnung einher, die Paare der heutigen Zeit stärker betreffen dürfte als damals das Ehepaar Washington. Wer als Paar über zwei gute Einkommen verfügt, kann in Versuchung geraten, sich einen aufwendigen Lebensstil mit schönen Restaurants und vielen Reisen zu leisten. Auf dem Weg zu echtem Reichtum sei das eine Falle, in die man nicht hineintappen sollte, findet Moore. Stattdessen schlägt er vor, einen anderen Weg zu gehen, der oft wie aus der Not geboren erscheine: Wer von diesen zwei Einkommen nur eines für das tägliche Leben ausgebe und das andere zum Beispiel in das Abbezahlen des eigenen Hauses oder eine gute Geschäftsidee investiere, habe am Ende mehr davon.

Tipp Nummer zwei: mobil bleiben!

Ein Teil des eigenen Finanzerfolgs hängt also eng damit zusammen, wen man zum Lebenspartner wählt. Als mindestens genauso wichtig erachtet Moore aber den Ort oder die Stadt, an dem das Paar zu leben beschließt. Aus der Geschichte leitet Moore eine unbequeme Erkenntnis für alle ab, die gerne stets an Ort und Stelle bleiben: Seiner Ansicht nach macht Mobilität reich.

Er greift dazu auf die frühen Jahre nach der Entstehung des amerikanischen Staates zurück. Im späten 19. Jahrhundert war das ganze Land gewissermaßen ständig auf den Beinen: Daten der damaligen Zeit zeigen, dass jedes Jahr ein Drittel der Amerikaner umzog. Das sollte man nicht verklären, war in jenen Zeiten ein Motiv für den Ortswechsel doch häufig der verzweifelte Versuch, bitterer Armut zu entkommen. Aber selbst in den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts änderten zwanzig Prozent der Amerikaner einmal im Jahr ihre Adresse. Heute ist es gerade einmal noch jeder Dreizehnte.

Die Folgen sind enorm: Wer nicht umziehe, so beschreibt es Moore, lasse Chancen liegen. „Die Möglichkeit, reich zu werden, ist größer in den fünf Städten eines Landes, die am schnellsten wachsen.“ Dort gibt es mehr Gründungen, mehr Geld, mehr Bedarf an Dienstleistungen, also auch mehr Arbeit. Auch bei der Ortswahl wirbt Moore dafür, flexibel zu sein. Mit Blick auf die immer älter werdende amerikanische Bevölkerung könnte zum Beispiel der Rentnerstaat Florida eine gute Entscheidung sein, findet er. Die wachsende Zahl vermögender Rentner brauche Hilfe aller Art und habe auch das Geld, diese zu bezahlen.

Man kann diese Überlegungen sehr amerikanisch finden. Aber auch Europäer können heute viel leichter umziehen als früher (wenn auch mit etwas mehr Aufwand als Amerikaner innerhalb der Vereinigten Staaten): In der Europäischen Union gilt das Grundrecht der Freizügigkeit. Dass es gerade in den wohlhabenderen Staaten vergleichsweise wenig in Anspruch genommen wird, hat einerseits mit einer gewissen Saturiertheit zu tun. Und andererseits mit einem Problem, das in Deutschland viele beklagen: der Furcht davor, Risiken einzugehen.

Tipp Nummer drei: mutig sein!

Verblüffend ist, dass Buchautor Moore den gleichen Befund für Amerika feststellt. Auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, traditionell risikofreudiger als die Europäer, nehme die Bereitschaft, etwas zu wagen, merklich ab. Dabei sei die Ausgangslage eines jeden amerikanischen Bürgers heute besser als je zuvor. Das hat damit zu tun, dass existenzielle Risiken heute zwar noch bestehen, aber man sich gegen sie versichern kann. Als das Konzept im 19. Jahrhundert sich allmählich in der Breite durchsetzte, seien Versicherungen in der Bevölkerung nicht als jene kühl kalkulierenden Großkonzerne betrachtet worden, als die sie heute manchmal wahrgenommen werden. Stattdessen seien sie die „Familienhelden des 19. Jahrhunderts gewesen“, schreibt Moore. Indem Versicherungen den Menschen die Sicherheit gaben, im Ernstfall nicht völlig mittellos dazustehen, erleichterten sie ihnen das finanzielle Überleben. Diese Gewissheit, argumentiert Moore, müsste uns eigentlich bis heute mutiger machen und nicht ängstlicher.

Warum Mut für Reichtum so wichtig ist, lässt sich anhand berühmter Investoren der Vergangenheit zeigen. Andrew Carnegie (1835 bis 1919) beispielsweise, Sohn eines einfachen Webers, stieg deswegen zu einem der reichsten Menschen seiner Zeit auf, weil er früh das enorme Potential erkannte, das in der Stahlproduktion steckte. Carnegie, zuvor im Eisenbahngeschäft zu Geld gekommen, setzte dabei mit dem Kauf von Mehrheitsbeteiligungen an Eisenwerken alles auf eine Karte – und gewann. So wurde er Anfang des 20. Jahrhunderts der drittreichste Amerikaner.

Carnegies Beispiel ist deswegen so interessant, weil es mit einer heute verbreiteten Fehlannahme aufräumt. Heute heißt es oft, es sei eine gute Idee, sein Geld über viele verschiedene Anlageklassen zu streuen. Wirklich reich wird man so allerdings nicht. Das Gegenteil ist richtig: Wer sich – ähnlich wie Carnegie – nur auf eine Sache konzentriert und diese zum Erfolg führt, erhält den größten Ertrag. Carnegies Rat an junge Unternehmer war schon zu seiner Zeit gewesen: „Konzentriert eure Energie, eure Gedanken und euer Kapital ausschließlich auf das Geschäft, das ihr betreibt.“

Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.



Tipp Nummer vier: sich konzentrieren!

Buchautor Moore übersetzt den Rat folgendermaßen in unsere Zeit: Man solle sich im Leben auf die eine Sache konzentrieren, in der man wirklich gut ist – und dann so viel Geld dafür verlangen, wie man nur bekommen kann. Auch das mutet sehr amerikanisch an und klingt ein bisschen wie aus einem schlechten Coaching-Ratgeber. Aber der Grundgedanke ist wichtig: Fokus macht reich.

Das bestätigen auch heutige Starinvestoren wie Warren Buffett, aktuell zwölftreichster Mensch der Welt, der einmal gesagt haben soll: „Ich bin nicht durch Diversifikation so vermögend geworden.“ Diversifikation, also Streuung des eigenen Geldes, hat aber trotzdem einen Sinn: Sie hilft dabei, den durch Fokus erworbenen Reichtum zu bewahren. Läge dieser beispielsweise in den Anteilen eines einzigen Unternehmens gebündelt oder nur in den Anleihen eines einzigen Staates, könnte eine einzige negative Kursbewegung ausreichen, um das Vermögen stark schrumpfen zu lassen. Der vollständige Finanztipp lautet also: Werde reich durch Konzentration, und bewahre dein Geld durch Diversifikation.

Dass die Historie im Übrigen nicht nur sinnvolle Finanzlektionen für die Nachwelt bereithält, erläutert Joseph S. Moore in seinem Buch immer wieder eindrücklich. Ein Hinweis ist ihm besonders wichtig: Nie sollten Sparer davon ausgehen, dass sich Finanzgeschichte einfach wiederholt. Wer Anfang des Jahrtausends Technologieaktien mied, weil sie damals einen heftigen Börsenabsturz erlitten, stünde heute arm da. Wer glaubte, Immobilien seien nach dem Zusammenbruch des US-Häusermarktes im Jahr 2008 eine schlechte Investition, würde heute eines Besseren belehrt. Die Beispiele ließen sich fortsetzen.

Moores abschließender Rat klingt ein weiteres Mal sehr amerikanisch. Er lautet: Verweigert euch dem Pessimismus. Vielleicht ist das in Zeiten wie diesen nötiger denn je.



Source link

Ähnliche Beiträge