„Abstieg für Deutschland“: So rechnet die CDU in einer Parteibroschüre mit der AfD ab – Politik
Auf shop.cdu.de kann man mancherlei bestellen. Die Christdemokraten bieten unter der Adresse zum Beispiel Backmischungen zur Zubereitung von Tassenkuchen an. „Geburtstagskuchen“ steht auf den Päckchen – damit soll man „80 Jahre CDU“ feiern. Die Tütchen gibt es gerade günstiger, 1,84 statt 2,30 Euro das Stück. Der Geburtstag war halt schon im vergangenen Jahr. Wer möchte, kann auch Socken, T-Shirts, Basecaps oder Schweißbänder mit dem Aufdruck „Einfach mal machen“ kaufen – das ist der Lieblingsspruch von CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann.
Normalerweise wird dieser Teil des CDU-Internetauftritts kaum beachtet, doch das hat sich jetzt schlagartig geändert. Denn über eine Broschüre zur AfD, die man in dem CDU-Shop ebenfalls bestellen kann, ist ein ungewöhnlicher Streit zwischen den beiden Parteien entbrannt.
„Die AfD ist demokratieschädlich“, schreibt die CDU in ihrer Broschüre
„Abstieg für Deutschland. Keine Alternative“, ist der Titel der Broschüre – womit der Ton gesetzt ist. Auf 32 Seiten beschreiben die Autoren aus der CDU-Zentrale, warum sie die AfD für gefährlich halten. Man kann schon an den Kapitelüberschriften erkennen, dass sie dabei keine Zurückhaltung walten lassen. „Die AfD ist demokratieschädlich“, ist da zu lesen, oder: „Die AfD ist antisemitisch und will die Verantwortung für unsere Geschichte tilgen.“ Und: „Die AfD ist völkisch und ausländerfeindlich.“
Die Broschüre ist nicht ganz neu. Die CDU hatte sie bereits im Februar auf ihrem Bundesparteitag in Stuttgart an einem CDU-Infostand ausgelegt. Erstauflage 1000 Stück. Doch sie fand praktisch keine öffentliche Beachtung. Man habe die Broschüre nicht versteckt, heißt es jetzt in der CDU-Zentrale. Man habe sie aber „auch nicht an die große Glocke gehängt“. Später habe man 15 000 Exemplare nachgedruckt. Sie seien für CDU-Mitglieder gedacht gewesen, man habe sie auch als Basisausstattung an die Landesverbände verteilt. Doch dann hat die AfD die Broschüre entdeckt. Und nun tobt eine Art Video-Battle zwischen der Alternative für Deutschland und den Christdemokraten.
Am Mittwoch ist auf einmal Bernd Baumann, der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, in der CDU-Zentrale aufgetaucht, um sich eine der Broschüren abzuholen, die dort im Eingangsbereich in einem Infoständer ausliegen. Baumann hat sich dabei filmen und dazu ein Video produzieren lassen. Auf Instagram kann man nun sehen, was er von der CDU-Broschüre hält. Die sei ein „Pamphlet gegenüber der AfD“, das „voll von Lügen und Falschmeldungen“ sei, die „einfach nur unfassbar“ seien, sagt Baumann.
Bei der CDU hatten sie bemerkt, dass Baumann die Broschüre abholt – und ebenfalls ein Video produziert. „Die AfD tönt immer laut, aber jetzt bekommt sie Panik“, sagt darin ein CDU-Mitarbeiter. „So viel Panik, dass niemand Geringeres als AfD-Politiker Bernd Baumann wutschnaubend vor der Tür stand. Und das nur, weil wir vor ein paar Monaten aufgeschrieben haben, was jeder von euch auch online recherchieren kann, und Zitate gesammelt haben, die öffentlich bekannt sind.“ Das Video endet mit dem Verweis auf einen Link, unter dem sich jeder die Broschüre herunterladen könne.
In der AfD finden sie das Vorgehen der CDU ungeheuerlich. Die Christdemokraten würden mit der Broschüre die mehr als zehn Millionen Bürgerinnen und Bürger beleidigen, die bei der Bundestagswahl AfD gewählt hätten, heißt es da. Die Union wisse sich angesichts ihres Rückstands in den Meinungsumfragen offenbar nicht mehr anders zu helfen. Man prüfe jetzt juristische Schritte gegen die Christdemokraten.
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Doch die CDU hat inzwischen nachgelegt. Am Donnerstagabend postete sie auf Instagram ein weiteres Video. „Wir haben Post für die AfD“, haben die Christdemokraten darunter geschrieben. Und im Video sagt ein CDU-Mitarbeiter, damit nicht alle AfD-Abgeordneten es Baumann nachmachen und extra in der CDU-Zentrale vorbeischauen müssten, schicke man jetzt jedem von ihnen „die super angesagte Broschüre“ per Post. Und zwar „mit einem kleinen, aber feinen Goodie“, nämlich einer Muster-Austrittserklärung aus der AfD. „Denn nach dem Lesen unserer Lektüre kann nun wirklich niemand mehr behaupten, nicht zu wissen, was in der AfD los ist.“
Am Freitagnachmittag war offen, wie die Auseinandersetzung weitergeht. Sicher war aber, dass der Streit der Verbreitung der CDU-Broschüre hilft. Sie ist inzwischen ausverkauft. Es sollen jetzt 7000 weitere Exemplare gedruckt werden.
