Israel und Libanon: Evakuierungen und neue Kämpfe


Bei  al-Qlailah im Libanon ist eine Rauchwolke zu erkennen.

Stand: 25.05.2026 • 15:00 Uhr

Trotz Waffenruhe greift die israelische Armee im Süden des Libanon weiter an. Sie gab eine Evakuierungsaufforderung für mehrere Dörfer aus. Die Hisbollah-Miliz rief unterdessen zum Sturz der libanesischen Regierung auf.

Die israelische Armee hat eine neue Evakuierungsaufforderung für die Bewohner von zehn Dörfern im Süden des Libanon herausgegeben. „Angesichts der Verletzung des Waffenruheabkommens durch die Hisbollah sind die israelischen Streitkräfte gezwungen, mit Gewalt gegen die Miliz vorzugehen“, erklärte ein Sprecher der Armee.

Die Bewohner der entsprechenden Dörfer sollten sich „mindestens 1.000 Meter“ von ihren Häusern entfernen und „auf offene Flächen begeben“, hieß es. Im Weiteren folgte eine Liste der betroffenen Dörfer, deren größter Teil in der Region Nabatäa liegt.

Aoun fordert Rückzug Israels

Eigentlich gilt derzeit eine Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon. Die Hisbollah-Miliz hat diese jedoch nicht anerkannt. Die israelische Armee hat ihre Angriffe im Süden des Landes in den vergangenen Wochen fortgesetzt. Auch die Hisbollah greift Nordisrael weiter an. Bei den jüngsten Kämpfen wurden nach libanesischen Angaben zwei Menschen getötet. Auch ein israelischer Soldat wurde laut Israels Militär getötet.

Der libanesische Präsident Joseph Aoun kritisierte die Attacken scharf: „Die israelischen Angriffe haben nicht aufgehört und unsere Dörfer im Süden leiden noch immer unter der erneuten Besatzung“, erklärte er.

Der Libanon werde diese Realität nicht akzeptieren. „Der Weg zu einem vollständigen israelischen Rückzug bleibt eine unumstößliche Forderung, an deren Verwirklichung der libanesische Staat durch Verhandlungen arbeitet.“

Hisbollah ruft zu Sturz der Regierung auf

Doch die Regierung in Beirut steht nicht nur wegen der Angriffe unter Druck. Der Generalsekretär der pro-iranischen Hisbollah, Naim Kassim, rief die Menschen zum Sturz der Regierung auf. „Wenn diese Regierung nicht in der Lage ist, Souveränität herzustellen, dann sollte sie gehen“, sagte Kassim in einer gestern Abend im Fernsehen übertragenen Rede. Die Regierung bezeichnete er als „amerikanisch-israelisches Projekt, das die Institutionen des Landes angreift“.

Kassim wies Forderungen über eine Entwaffnung der Hisbollah erneut zurück. „Wir werden die Waffen so lange in unseren Händen halten, bis der libanesische Staat in der Lage ist, seine Pflicht zu erfüllen zum Schutz und Erhalt des Libanon, seines Volkes und seiner Ressourcen“, sagte Kassim. Die Behörden des Landes könnten im Vorgehen gegen die Hisbollah nicht „handeln, wie es ihnen gefällt“.

Sorge vor blutiger Auseinandersetzung

Seit Mitte April führen der Libanon und Israel zum ersten Mal seit Jahrzehnten direkte Gespräche auf politischer Ebene, vermittelt von den USA in Washington. Die Entwaffnung der Hisbollah ist ein zentraler Punkt in den Gesprächen, an denen die Terrormiliz aber nicht teilnimmt.

Bei einer gewaltsamen Entwaffnung könnte dem kleinen Land die nächste schwere Krise drohen. Einige fürchten, dass sich dann ein Szenario aus dem Mai 2008 wiederholen könnte: Die damalige Regierung versuchte unter anderem, das Kommunikationsnetz der Hisbollah stillzulegen.

Deren Unterstützer lieferten sich daraufhin in Beirut tagelange Gefechte mit Anhängern der Regierung, Dutzende Menschen wurden getötet. Im Libanon tobte von 1975 bis 1990 ein schwerer Bürgerkrieg mit Zehntausenden Toten.



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