Matt Brittin: Große Aufgaben für den Neuen an der Spitze der BBC


Matt Brittin

Stand: 25.05.2026 • 11:57 Uhr

Matt Brittin hat sein Amt angetreten. Als BBC-Chef steht er vor gewaltigen Aufgaben. Die Rundfunkanstalt muss sparen, etwa 2.000 Stellen sollen wegfallen, und auch beim Programm stehen Veränderungen an.

In einem kurzen Video auf der Plattform LinkedIn stellt sich der neue Generaldirektor der BBC, Matt Brittin, vor. „Hi, ich bin Matt Brittin“, sagt er da, und es klingt bescheiden.

Aber möglicherweise ist es ein Satz, den er derzeit öfter bringen muss, als andere vor ihm. Denn Brittin war vorher Top-Manager bei Google. Somit ist er für viele in der BBC kein Altbekannter, keiner der aus dem eigenen Haus kommt.

Massive Einsparungen

Matt Brittin tritt in einer Phase tiefgreifender Veränderungen an. Die BBC, der öffentlich-rechtlich Rundfunk des Vereinigten Königreichs, muss bis 2028 rund 500 Millionen Pfund einsparen und bis zu 2.000 Stellen streichen.

Grund dafür sind sinkende Einnahmen. In den vergangenen Jahren gab es zwar eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags, sie blieb aber weit hinter der Inflation zurück. Derzeit zahlen die Briten rund 210 Euro pro Jahr und Haushalt. Dazu kommt: Immer mehr Menschen weigern sich, zu zahlen.

„Neu erfinden“ – aber wie?

Trotzdem werde die BBC mehr gebraucht denn je, sagt der Neue an der Spitze. Es gebe nun die Chance, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk für das 21. Jahrhundert neu zu erfinden. Kritiker sagen, das sei noch sehr unkonkret – und viele fragen sich, wo genau Brittin nun sparen wird.

Roger Bolton ist ein BBC-Urgestein. Er hat jahrelang für den Sender gearbeitet und unter anderem Beiträge für das Investigativ-Format „Panorama“ verantwortet. „Das erste, was der neue Generaldirektor tun muss: Er muss sparen. Der Umfang ist bekannt, aber nicht, wo gespart werden soll“, so Bolton. Das werde verdeutlichen, wo die Prioritäten liegen.

Zukunft ungewiss

Aber wo liegen die Prioritäten? Möglicherweise im Digitalen, denn daher kommt der neue Chef. Junge Menschen wird die BBC kaum über lineares Fernsehen erreichen, sondern über Plattformen wie YouTube, Instagram, TikTok oder die eigene Mediathek, den BBC iPlayer.

Als wichtige Bereiche nennt Bolton neben Unterhaltung die Nachrichten und Informations- und Bildungs-Formate – insbesondere, um Falschinformationen etwas entgegenzustellen. Und Bolton benennt ausgewogene Berichterstattung als Herausforderung für die BBC und warnt vor Kampagnen-Journalismus.

In dem Zusammenhang verkündete Brittin jüngst, man könne künstliche Intelligenz einsetzen, um die Unabhängigkeit zu prüfen. Wie das genau funktionieren und wie der Sender bei Unausgewogenheit reagieren soll, ist bislang offen.

Konkurrenten im Blick

Roger Bolton stellt auch die Frage, ob die BBC mit Giganten wie Netflix konkurrieren kann: „Die BBC kann Unterhaltung produzieren, viel preiswerter, über uns, von uns. Sie sollten weitermachen, gute Unterhaltung zu machen, Comedy. Aber sie müssen anerkennen, dass sie nicht mit Netflix und anderen konkurrieren können.“

Als „hervorragendes“ Beispiel nennt der erfahrene BBC-Journalist die Serie „Detectorists“. Darin geht es um das weit verbreitete britische Hobby, mit einer Sonde in der Landschaft auf Münzjagd zu gehen. Die Serie erzähle mit Leichtigkeit und Humor viel über das Leben, Sehnsüchte, Freundschaft und wie es zugeht auf dem Dorf. Es sei sehr typisch englische Unterhaltung. Gerade mit solchen Produktionen könne die BBC liefern, was die Großen nicht könnten, so Bolton.

Er nennt aber auch die regionale Berichterstattung. Wenn die BBC die nicht mehr liefere, werde es vielerorts bald wohl überhaupt keine unabhängigen und journalistisch aufbereiteten Informationen mehr geben. Doch in diesem Bereich hat die BBC schon massiv gespart. Vor Matt Brittin stehen schwierige Aufgaben.



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