Ukraine News: Schwerer Luftangriff auf Kiew – Ukraine beantragt Sitzung im UN-Sicherheitsrat – Politik
Viele Angaben über den Kriegsverlauf wie Opferzahlen oder Details zu Kämpfen stammen von ukrainischen oder russischen Behörden und lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.
Wichtige Updates
Russland hat „Oreschnik“-Rakete eingesetzt
Massiver russischer Luftangriff auf Kiew – mindestens zwei Tote
Selenskij lehnt Merz-Vorschlag für „assoziierte EU-Mitgliedschaft“ ab
Selenskij: Verbündete sehen Ukraine im Krieg gestärkt
Ukrainischer Außenminister sieht US-vermittelte Gespräche „erschöpft“
Ukraine beantragt sofortige Sitzung im UN-Sicherheitsrat
Sybiha warf Russland vor, mit der „barbarischen Raketenattacke“ in der vergangenen Nacht fehlende militärische Fortschritte auf dem Schlachtfeld im Angriffskrieg gegen die Ukraine kompensieren zu wollen. Allein in Kiew wurden mindestens zwei Menschen getötet. Die Zahl der Verletzten stieg laut Bürgermeister Vitali Klitschko bis zum frühen Abend auf 81. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij teilte in den sozialen Netzwerken mit, es seien etwa 100 Menschen bei den Angriffen im Land verletzt und mindestens vier getötet worden.
Bei den Attacken wurden laut Behörden auch Regierungsgebäude beschädigt, darunter das Außenministerium und das Kabinettsgebäude. Verletzte gab es demnach an dem arbeitsfreien Sonntag aber nicht. Ukrainischen Medien zufolge wurde auch ein Haus beschädigt, in dem Präsident Selenskij eine Wohnung besitzt. „Putin versucht, die Ukraine einzuschüchtern, indem er Zivilisten angreift und Wohngebäude, Museen, Schulen sowie kritische Infrastruktur zerstört“, sagte Außenminister Sybiha. Der Kremlchef versuche das außerdem, indem er Mittelstreckenraketen auf friedliche Städte abfeuere. Russland hatte zuvor den Einsatz seiner neuen und wegen ihrer Zerstörungskraft gefürchteten Oreschnik-Rakete bestätigt.
Die internationale Gemeinschaft müsse reagieren, meinte Sybiha. „Wir fordern unsere Partner nachdrücklich auf, entschlossene multilaterale Maßnahmen zu ergreifen, um Russland abzuschrecken und es zu einem umfassenden, gerechten und dauerhaften Frieden zu bewegen“, betonte der Minister.
Neue Attacken in russisch-ukrainischem Grenzgebiet
Im russisch kontrollierten Horliwka im Osten der Ukraine wurden dem russischen Staatsfernsehen zufolge fünf Menschen bei Drohnenangriffen verletzt. Aus der südukrainischen Region Cherson meldeten die dortigen Behörden zwei Tote und 16 Verletzte bei russischen Angriffen, die am Sonntag begonnen hatten. In Saporischschja im Südosten der Ukraine wurden den dortigen Behörden zufolge zudem drei Menschen verletzt.
Studios von deutschen Sendern stark beschädigt
Zum Zeitpunkt der Attacken habe sich niemand in dem Studio aufgehalten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte mit, das Studio liege im Gebäude des nationalen Kunstmuseums, das bei den Angriffen beschädigt worden sei. „Die statische Sicherheit des Gebäudes muss nun überprüft werden“, erklärte der WDR weiter. Die Berichterstattung werde „mit mobilen technischen Lösungen und Ausweichmöglichkeiten weiter gewährleistet“.
„Rausgerissene Fensterrahmen, überall Splitter, zerstörte Technik – den eigenen Arbeitsplatz völlig verwüstet zu sehen, ist ein Schock“, sagte Kiews ARD-Studioleiter Vassili Golod. Sein Team lasse sich jedoch nicht einschüchtern von den russischen Angriffen.
Auch die Deutsche Welle (DW), der Auslandssender der Bundesrepublik Deutschland, meldete Schäden in ihren Büroräumen nach dem russischen Angriff. „Glücklicherweise befand sich während des Angriffs niemand im Studio. Trotz der schwierigen Nacht haben die Kolleginnen und Kollegen in Kyjiw am Morgen regulär ihre Schichten im Nachrichtenbetrieb aufgenommen“, sagte Mykola Berdnyk, Leiter des DW-Büros in Kiew. Die Journalistinnen und Journalisten setzten sich „jeden Tag unvorstellbaren Gefahren aus und werden dies weiterhin tun, um dafür zu sorgen, dass Menschen in der Ukraine, in Russland und weltweit unabhängige Informationen zum Krieg in der Ukraine bekommen“, sagte DW-Intendantin Barbara Massing einer Mitteilung des Senders zufolge.
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) zeigte sich erschüttert vom Ausmaß der Zerstörung durch den großangelegten russischen Raketenangriff. „Das war ein Angriff auf die Rundfunkfreiheit und die kritische und unabhängige Berichterstattung von Journalistinnen und Journalisten für die ARD über den brutalen Krieg“, erklärte der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster am Sonntag in Berlin.
Friedrich Merz und weitere Politiker kritisieren „Oreschnik“-Einsatz
Der Einsatz der russischen Mittelstreckenrakete vom Typ Oreschnik ruft auch international Reaktionen hervor. Der französische Präsident Emmanuel Macron verurteilt den Angriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew und den Einsatz der Rakete. Dies bedeute eine Eskalation und zeige die Sackgasse des russischen Angriffskrieges auf. Er bekräftigt zudem die Unterstützung Frankreichs für die Ukraine.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas wirft Russland wegen der jüngsten Raketenangriffe auf die Ukraine „nukleares Säbelrasseln“ vor. Der mutmaßliche Einsatz der Oreschnik, die auch für atomare Sprengköpfe ausgelegt ist, sei eine politische Einschüchterungstaktik, schreibt Kallas auf X.
Russland terrorisiere die Ukraine mit gezielten Angriffen auf Stadtzentren, weil das Land auf dem Schlachtfeld in einer Sackgasse stecke. Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigt den Einsatz von vier verschiedenen Raketentypen, darunter die Hyperschallrakete Oreschnik.
Russland hat „Oreschnik“-Rakete eingesetzt
Russland bestätigte den Einsatz der Oreschnik-Rakete und begründete ihn mit vergangenen Angriffen der Ukraine auf zivile Objekte in Russland, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau der Agentur Interfax zufolge mit.
Die russische Mittelstreckenrakete wäre damit zum dritten Mal zum Einsatz gekommen. Sie kann sowohl konventionelle als auch atomare Sprengköpfe tragen. Ihre extrem hohe Geschwindigkeit von bis zu 12 000 Kilometern pro Stunde führt dazu, dass viele Luftabwehrsysteme sie nicht abfangen können. Die Reichweite von bis zu 5000 Kilometern macht die Rakete zu einer potenziellen Gefahr für den gesamten europäischen Kontinent.
Bereits im Januar hatte Russland die „Oreschnik“-Rakete eingesetzt. Mein Kollege Sebastian Gierke hat in diesem Zusammenhang kurz erklärt, wie sie funktioniert:
Massiver russischer Luftangriff auf Kiew – mindestens zwei Tote
Der Kyiv Independent berichtet von mehreren schweren Einschlägen gegen 1 Uhr Ortszeit sowie erneut zwischen 3 und 4 Uhr. Luftalarm wurde landesweit ausgelöst. Nach Angaben der ukrainischen Luftstreitkräfte setzte Russland 90 Raketen und Marschflugkörper sowie 600 Drohnen verschiedener Typen ein. Insgesamt habe man 604 Ziele abgewehrt, darunter 55 Raketen und Marschflugkörper und 549 Drohnen. Polens Militär erklärte, wegen der Angriffe in der Ukraine sei die Flugabwehr in Alarmbereitschaft, zudem seien Militärflugzeuge aufgestiegen.
Selenskij warnt vor Schlag mit russischer „Oreschnik“-Rakete
Die Hauptstadt Kiew sei demnach auch in Gefahr. Selenskij warnte vor einem möglichen kombinierten russischen Angriff mit verschiedenen Waffentypen. „Es ist wichtig, von heute Abend an verantwortungsvoll auf Luftalarme zu reagieren“, appellierte er an seine Landsleute. „Der russische Wahnsinn kennt wirklich keine Grenzen, schützen Sie daher Ihr Leben – nutzen Sie Schutzbunker.“
Russland hat die ballistische Rakete mit besonders großer Zerstörungskraft bereits zweimal in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine eingesetzt – einmal in der Großstadt Dnipro im Südosten des Landes ohne Sprengköpfe und zuletzt im Januar in der Westukraine. Die auch in Belarus von Moskau stationierte Oreschnik-Rakete (auf Deutsch: Haselstrauch) kann sowohl konventionelle als auch atomare Sprengköpfe tragen. Ihre extrem hohe Geschwindigkeit von bis zu 12 000 Kilometer pro Stunde und ihre Reichweite von bis zu 5000 Kilometer machen sie zu einer potenziellen Gefahr für den gesamten europäischen Kontinent.
Putin hatte sein Verteidigungsministerium aufgefordert, eine Reaktion auf den ukrainischen Angriff auf ein Wohnheim in der Stadt Starobilsk im russisch besetzten Gebiet Luhansk vorzubereiten. Dabei starben nach russischen Angaben 21 Studentinnen und Studenten eines pädagogischen Instituts. Das ukrainische Militär erklärte dazu, Ziel sei eine auf Drohnenangriffe gegen die Ukraine spezialisierte russische Militäreinheit gewesen.
Selenskij lehnt Merz-Vorschlag für „assoziierte EU-Mitgliedschaft“ ab
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte vor ein paar Tagen für die Ukraine einen Sonderstatus als „assoziiertes Mitglied“ der EU vorgeschlagen, weil ein schneller vollständiger Beitritt aus seiner Sicht ausgeschlossen ist. In einem Brief an die EU-Spitzen hatte der CDU-Politiker erklärt, dass die Ukraine als „assoziiertes Mitglied“ enger in Institutionen wie den Ministerrat und die Europäische Kommission eingebunden werden könnte. Volle Mitgliedschafts- und Stimmrechte soll das Land nach Merz’ Vorstellungen aber zunächst nicht bekommen.
Selenskij erklärte nun in seinem Schreiben, nach der Abwahl des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán im vergangenen Monat sei der Weg für echte Fortschritte bei den Beitrittsverhandlungen frei. „Wir verteidigen Europa – und zwar vollständig, nicht nur teilweise und nicht mit halben Sachen.“ Die Ukraine verdiene daher eine faire Behandlung und gleiche Rechte.
Berlin wiederum beharrt offenbar auf dem vorgestellten Fahrplan für einen EU-Beitritt der Ukraine: „Unser Vorschlag dient dazu, die notwendige Debatte zu eröffnen“, heißt es der Agentur Reuters zufolge aus Regierungskreisen. Jetzt sei eine ehrliche Auseinandersetzung nötig. Vor allem gehe es darum, die Verhandlungskapitel zum Beitritt zu eröffnen. Insofern bestehe „eine hohe Übereinstimmung mit den Vorstellungen des ukrainischen Präsidenten“.
Ukraine meldet gegenseitige Angriffe – russische Chemiefabrik getroffen
Unterdessen traf eine russische Drohne einen Trauerzug am Rande der nordostukrainischen Stadt Sumy. Dabei wurde nach Angaben des örtlichen Gouverneurs ein Mensch getötet. Weitere neun Personen seien schwer verletzt worden. Lokalen Medienberichten zufolge traf eine gelenkte Angriffsdrohne die Straße in der Nähe eines Busses. Sumy liegt 30 Kilometer von der russischen Grenze entfernt.
Nach Angriff auf Wohnheim in Luhansk: Russland berichtet von weiteren Toten
Kremlchef Wladimir Putin hatte dem ukrainischen Militär am Freitag einen „Terrorakt“ vorgeworfen, der ukrainische Generalstab warf Russland Desinformation vor. In Starobilsk habe eine auf Drohnenangriffe gegen die Ukraine spezialisierte russische Militäreinheit operiert. Sie sei Ziel der Attacke gewesen.
Putin hatte behauptet, es habe dort kein militärisches Ziel gegeben. Er sprach am Freitag von sechs Toten, 39 Verletzten und 15 Vermissten. UN-Generalsekretär António Guterres kritisierte die Attacke. „Jeden Angriff auf Zivilisten und zivile Infrastruktur verurteilen wir scharf, egal wo sie geschehen“, sagte ein Sprecher von Guterres in New York. Der UN-Generalsekretär habe immer wieder betont, dass solche Angriffe völkerrechtswidrig seien und sofort aufhören müssten.
Ukraine trifft erneut Öllager im Süden Russlands
In sozialen Netzwerken berichteten Augenzeugen, dass das Ölterminal Gruschowaja des Energiekonzerns Transneft in Brand geraten sei. Es handelt sich um eine der größten Öllagerstätten im Kaukasus mit Reservoirs unter der Erde und an der Oberfläche – samt einem Umschlagplatz. Die für Russlands Kriegswirtschaft wichtigen Anlagen der Ölindustrie in Noworossijsk waren bereits wiederholt Ziele ukrainischer Drohnenangriffe.
Die Ukraine hat ihre Drohnenangriffe gegen Ziele im russischen Hinterland massiv ausgeweitet. Das russische Verteidigungsministerium meldete am Morgen den nächtlichen Abschuss von 348 Drohnen. Von unabhängiger Seite ist diese Zahl nicht überprüfbar. Zu Treffern machte das Ministerium wie immer keine Angaben.
Allerdings gab es Berichte von Behörden über Schäden infolge von Drohnenangriffen in mehreren russischen Regionen, darunter etwa in Anapa am Schwarzen Meer. Im Gebiet Perm meldeten die Behörden ebenfalls einen Angriff auf einen Industriebetrieb. Dort soll ein Feuer in einem Chemiebetrieb ausgebrochen sein.
Die ukrainischen Luftstreitkräfte wiederum berichteten am Morgen von 124 russischen Drohnenangriffen. 102 Flugobjekte seien unschädlich gemacht worden, teilte die Flugabwehr mit. Infolge der russischen Angriffe seien zwölf Einschläge von Kampfdrohnen an neun Orten sowie herabfallende Trümmer an fünf Orten registriert worden, hieß es.
Selenskij: Verbündete sehen Ukraine im Krieg gestärkt
„Alle Partner stellen fest, dass die Position der Ukraine deutlich gestärkt ist – sowohl auf dem Schlachtfeld als auch bei unseren Langstrecken-Operationen.“ Damit meint er vor allem die Schläge mit Langstrecken-Drohnen, die Ziele tief im russischen Hinterland treffen, darunter Anlagen der russischen Ölindustrie, die für Moskaus Kriegsfinanzierung wichtig sind. Selenskij präsentiert dazu in den sozialen Netzwerken auch immer wieder stolz Videos brennender Anlagen. Russland betont, dass die Lage unter Kontrolle sei.
Vereinbart sei, dass sich die nationalen Sicherheitsberater bald treffen, sagte Selenskij. Er habe die Staats- und Regierungschefs auch über die russischen Pläne informiert – in Bezug auf die Ukraine, Belarus und andere Richtungen in Europa, teilte der ukrainische Präsident weiter mit. Details nannte er nicht. „Unsere Teams werden auf Geheimdienstebene detailliertere verfügbare Informationen austauschen“, sagte Selenskij. „Wir tun alles, um echten Frieden zu gewährleisten.“
Putin wirft Ukraine „Terrorakt“ im Gebiet Luhansk vor – Kiews Generalstab widerspricht
Der ukrainische Generalstab bezeichnete die russische Behauptung als „irreführende Information“ und betonte, dass er sich strikt an das humanitäre Völkerrecht halte, wie das Onlineportal Kyiv Independent berichtete. Es würden nur militärische Infrastruktur sowie Einrichtungen angegriffen, die für militärische Zwecke genutzt werden.
Ukrainischer Außenminister sieht US-vermittelte Gespräche „erschöpft“
Die von den USA vermittelten Gespräche mit Russland stoßen nach den Worten des ukrainischen Außenministers Andrij Sybiha an ihre Grenzen. „Mein Eindruck ist, dass dieses Format allmählich einen Punkt erreicht, an dem die auf dieser Ebene möglichen Diskussionen erschöpft sind“, erklärte er vor Reportern. Eine stärkere Beteiligung Europas oder ein Treffen auf Ebene der Staats- und Regierungschefs könnten dem Prozess jedoch neue Dynamik verleihen.

