Erlangen warnt Wirte vor Song „Skandal im Sperrbezirk“ auf der Bergkirchweih – Bayern
Die Stadt Erlangen hat für Wirtinnen und Wirte der Bergkirchweih eine Übersicht von Liedern zusammengestellt, die auf dem Volksfest möglichst nicht gespielt werden sollen. Nach „Analyse der städtischen Gleichstellungsstelle“ transportierten die benannten zwölf Songs „problematische Inhalte“ oder würden in bestimmten Kontexten für „diskriminierende, sexistische oder menschenfeindliche Stimmung“ genutzt. Aufgeführt auf der Liste ist auch „Skandal im Sperrbezirk“ der Spider Murphy Gang.
Die bayerische FDP kritisiert diese Liste scharf. Der „eigentliche Skandal“ an der Handreichung sei es, dass eine hoch verschuldete Stadt mit Konsolidierungsauflagen offenbar noch Personalressourcen habe, „um jahrzehntealtes Liedgut für ein kurioses Blacklisting zu scannen“, moniert der Chef der Bayern-FDP, Matthias Fischbach. Das sei „überzogen woke Symbolpolitik auf Kosten der Steuerzahler – und Bevormundung mündiger Wirte, Bands und Festbesucher“. Unter dem neuen CSU-Oberbürgermeister habe er das „nicht erwartet“. In Erlangen war im März der CSU-Politiker Jörg Volleth zum Rathauschef gewählt worden.
Die Stadt verteidigt den Schritt. Die Liste diene der „Sensibilisierung“ und solle dazu beitragen, dass die Bergkirchweih ein respektvolles und fröhliches Fest für alle bleibe, heißt es in einer Erklärung. Das Thema beschäftige Erlangen bereits seit mehreren Jahren. So habe die Kommune 2021 per einstimmigen Stadtratsbeschluss entschieden, das umstrittene „Donaulied“ nicht mehr auf städtischen Kirchweihen zu spielen. Auch sei beschlossen worden, auf das Abspielen von Liedern zu verzichten, die Gewalt verherrlichten oder gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit transportieren. Dies betreffe „auch Titel in der Liste“. Diese gebe den Wirtinnen und Wirte konkrete Empfehlungen an die Hand.
In der Handreichung wird folgende Passage aus dem Song der Spider Murphy Gang zitiert: „Und draußen im Hotel L’Amour / Langweilen sich die Damen nur / weil jeder den die Sehnsucht quält / Ganz einfach Rosis Nummer wählt / Und draußen vor der großen Stadt / Stehen die Nutten sich die Füße platt“. Gedeutet wird dies so: „Das Lied stellt Sexarbeit als Unterhaltungsobjekt dar und enthält stereotype, abwertende Begriffe. Es verherrlicht Prostitution, objektifiziert Frauen und trägt zur Stigmatisierung von Sexarbeit bei.“
FDP-Politiker Fischbach kritisiert dies als „absurd“: Der Song aus dem Jahr 1981 nehme gerade die „spießige Sittenpolitik einer Stadtverwaltung aufs Korn, die im Endeffekt das Gegenteil“ erreiche. Insofern hätte die Stadt Erlangen dessen „tieferen Sinn wohl nicht verstanden“. Dem eigentlichen Ansinnen werde diese Liste „einen Bärendienst erweisen“, sagt Fischbach voraus.
Auch der Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur kritisiert die Liste, diese sei ein unverhältnismäßiger „Eingriff in die Freiheit der Festkultur“. Eine solche „Bevormundung“ habe es „nicht einmal in der DDR“ gegeben, lässt sich deren Vorsitzender Franz Bergmüller in einer Erklärung zitieren. Dass „Skandal im Sperrbezirk“ auf der Liste lande, halte er für bezeichnend. Der Song sei „ein satirischer Kommentar auf die Doppelmoral“ des damaligen Münchner Stadtrats.
Die Stadt betont, dass es sich bei der Übersicht nicht um eine „Verbotsliste“ handele. Aufgeführt sind darauf auch Songs wie „Layla“, „Nein heißt ja“, „20 Zentimeter“ und „Zehn nackte Friseusen“. Die Liste könne jederzeit ergänzt werden, auch die Wirtinnen und Wirte könnten weitere Titel nennen, heißt es in der Handreichung: „Sie haben direkten Einfluss darauf, was an Ihrem Keller gespielt wird. Bitte klären Sie mit Ihren eingeladenen Bands und Musiker*innen, dass diese Lieder nicht gespielt werden und informieren Sie Ihr Team entsprechend.“

